Mit den Bauernregeln ist das ja so eine Sache. Es gibt welche, die stimmen ĂŒberhaupt nicht, weil sich im Laufe der Jahre die klimatischen UmstĂ€nde geĂ€ndert haben, sich bei den Ăberlieferungen ĂŒber Generationen hinweg ein Fehler eingeschlichen hat oder sie schlichtweg einfach falsch sind. Es gibt aber auch welche, die gut "funktionieren", wie etwa die SiebenschlĂ€ferregel. Auch die Regeln zur Morgen- und Abendröte sind in vielen FĂ€llen gut.
Die Bauernregeln "Morgenrot â Schlechtwetter droht" und "Abendrot â Schönwetterbot" sind dabei vielen bekannt. Am heutigen Sonntagmorgen lieĂ sich in manchen Regionen in der Mitte Deutschlands ein rot eingefĂ€rbter östlicher Himmel beobachten (so auch an der DWD-Zentrale in Offenbach), demnach droht also "schlechtes" Wetter. Und tatsĂ€chlich war und ist in den Vorhersagen fĂŒr den heutigen Sonntag von zeitweiligen RegenfĂ€llen vom SĂŒdwesten bis in den Nordosten die Rede (etwa 1 œ Stunden spĂ€ter regnete es in Offenbach).
Warum aber ist Morgenrot ein Indiz fĂŒr kommendes schlechtes Wetter? Hintergrund ist die Streuung des Lichtes. Das ursprĂŒnglich weiĂe Sonnenlicht wird in der AtmosphĂ€re der Erde an Luftteilchen gestreut. Bei der sogenannten Rayleigh-Streuung erfolgt dies nach einer bestimmten Reihenfolge: zuerst Blau, dann GrĂŒn, dann Gelb und am Ende Rot. Blaues Licht wird am stĂ€rksten gestreut, rotes Licht viel weniger. Das ist der Grund, warum tagsĂŒber der Himmel meist blau ist, wenn keine Wolken stören.
MĂŒssen die Sonnenstrahlen aber wie morgens oder abends bei niedrigem Sonnenstand einen weiten Weg durch die AtmosphĂ€re zurĂŒcklegen, wird das rote Licht am stĂ€rksten gestreut. Besonders gut lĂ€sst sich der Effekt beobachten, wenn viele Luftteilchen unterwegs sind, an denen das Sonnenlicht gestreut wird. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Luft viel Feuchtigkeit enthĂ€lt: WasserdampfmolekĂŒle tragen zur Streuung bei.
Auftretendes Morgenrot am östlichen Himmel ist also ein Hinweis auf eine hohe Luftfeuchtigkeit. Diese wiederum gelangt oft mit aufziehenden WolkenbÀndern zu uns und bringt hÀufig Regen mit, womit die Regel ihre Bewandtnis hat. Warum aber gibt es dann bei Abendrot "schönes" Wetter?
Beim Abendrot steht die Sonne im Westen. Das Abendrot ist hĂ€ufig zu sehen, wenn der Himmel nach einer Regenfront aufreiĂt, die Feuchtigkeit der Luft wegen des gefallenen Regens aber noch hoch ist. Der Abzug der Regenfront ist in vielen FĂ€llen ein Zeichen fĂŒr eine Wetterbesserung, womit auch diese Regel ihre Bewandtnis hat.
Vielleicht lĂ€sst sich heute Abend neben dem schon beobachteten Morgenrot auch das Abendrot beobachten. Meist aber bleibt das Wetter in den kommenden Tagen in der Mitte und im SĂŒden mit gebietsweisen RegenfĂ€llen "schlecht".




