11:07 MESZ | 13.04.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
21. September 2025 | Dipl.-Met. Simon Trippler

Von Bauern, "schlechtem" Wetter und der Röte

Von Bauern, "schlechtem" Wetter und der Röte

Datum 21.09.2025

Wer am heutigen Sonntagmorgen einen Blick aus dem Fenster warf, konnte es vor allem in der Mitte Deutschlands zum Teil sehen: einen rot gefĂ€rbten Himmel im Osten. Eine Bauernregel besagt: "Morgenrot – Schlechtwetter droht" - aber stimmt sie auch?

Mit den Bauernregeln ist das ja so eine Sache. Es gibt welche, die stimmen ĂŒberhaupt nicht, weil sich im Laufe der Jahre die klimatischen UmstĂ€nde geĂ€ndert haben, sich bei den Überlieferungen ĂŒber Generationen hinweg ein Fehler eingeschlichen hat oder sie schlichtweg einfach falsch sind. Es gibt aber auch welche, die gut "funktionieren", wie etwa die SiebenschlĂ€ferregel. Auch die Regeln zur Morgen- und Abendröte sind in vielen FĂ€llen gut.

Morgenrot am 21.09.2025 um 7:02 Uhr MESZ an der DWD-Zentrale (Quelle: Simon Trippler, DWD)


Die Bauernregeln "Morgenrot – Schlechtwetter droht" und "Abendrot – Schönwetterbot" sind dabei vielen bekannt. Am heutigen Sonntagmorgen ließ sich in manchen Regionen in der Mitte Deutschlands ein rot eingefĂ€rbter östlicher Himmel beobachten (so auch an der DWD-Zentrale in Offenbach), demnach droht also "schlechtes" Wetter. Und tatsĂ€chlich war und ist in den Vorhersagen fĂŒr den heutigen Sonntag von zeitweiligen RegenfĂ€llen vom SĂŒdwesten bis in den Nordosten die Rede (etwa 1 œ Stunden spĂ€ter regnete es in Offenbach).

Regen am 21.09.2025 um 8:40 Uhr MESZ an der DWD-Zentrale (Quelle: Simon Trippler, DWD)


Warum aber ist Morgenrot ein Indiz fĂŒr kommendes schlechtes Wetter? Hintergrund ist die Streuung des Lichtes. Das ursprĂŒnglich weiße Sonnenlicht wird in der AtmosphĂ€re der Erde an Luftteilchen gestreut. Bei der sogenannten Rayleigh-Streuung erfolgt dies nach einer bestimmten Reihenfolge: zuerst Blau, dann GrĂŒn, dann Gelb und am Ende Rot. Blaues Licht wird am stĂ€rksten gestreut, rotes Licht viel weniger. Das ist der Grund, warum tagsĂŒber der Himmel meist blau ist, wenn keine Wolken stören.

MĂŒssen die Sonnenstrahlen aber wie morgens oder abends bei niedrigem Sonnenstand einen weiten Weg durch die AtmosphĂ€re zurĂŒcklegen, wird das rote Licht am stĂ€rksten gestreut. Besonders gut lĂ€sst sich der Effekt beobachten, wenn viele Luftteilchen unterwegs sind, an denen das Sonnenlicht gestreut wird. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Luft viel Feuchtigkeit enthĂ€lt: WasserdampfmolekĂŒle tragen zur Streuung bei.

Auftretendes Morgenrot am östlichen Himmel ist also ein Hinweis auf eine hohe Luftfeuchtigkeit. Diese wiederum gelangt oft mit aufziehenden WolkenbÀndern zu uns und bringt hÀufig Regen mit, womit die Regel ihre Bewandtnis hat. Warum aber gibt es dann bei Abendrot "schönes" Wetter?

Beim Abendrot steht die Sonne im Westen. Das Abendrot ist hĂ€ufig zu sehen, wenn der Himmel nach einer Regenfront aufreißt, die Feuchtigkeit der Luft wegen des gefallenen Regens aber noch hoch ist. Der Abzug der Regenfront ist in vielen FĂ€llen ein Zeichen fĂŒr eine Wetterbesserung, womit auch diese Regel ihre Bewandtnis hat.

Vielleicht lĂ€sst sich heute Abend neben dem schon beobachteten Morgenrot auch das Abendrot beobachten. Meist aber bleibt das Wetter in den kommenden Tagen in der Mitte und im SĂŒden mit gebietsweisen RegenfĂ€llen "schlecht".



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

12.04. - Eine RĂŒckschau und eine Vorschau - wie bewölkt ist es ĂŒber Deutschland

11.04. - Findet die Trockenheit ihr Ende?

10.04. - Von TĂŒrmchen, Fasern und Linsen

09.04. - Tiefs "Saskia" und "Tamina" leiten Wetterumschwung ein

08.04. - Hana-Matsuri

07.04. - Einheitenchaos - Teil 1: Temperatur

06.04. - Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei

05.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 2: Meteorologie im letzten Jahrtausend vor der christlichen Zeitenwende

04.04. - Warum ist der Himmel blau? – Und was hat die Luftfeuchtigkeit damit zu tun?

03.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 1: Von den AnfĂ€ngen zur Meteorologie in den verschiedenen Hochkulturen des Altertums

02.04. - Deutschlandwetter im MĂ€rz 2026

01.04. - DWD trifft auf Filmlegende!

31.03. - Polynjen - besondere Orte in polaren Gebieten

30.03. - Das "Aprilwetter"

29.03. - Blick in die Karwoche

28.03. - Wie weit fortgeschritten ist die Vegetation?

27.03. - Was ist das fĂŒr ein Theater?!

26.03. - Wie trocken ist es in Deutschland?

25.03. - Genormt bis unters Dach: Die StandardatmosphÀre

24.03. - Harry Houdini

23.03. - Auf BilderbuchfrĂŒhling folgt jĂ€her Absturz

22.03. - Die Vegetationsbrandgefahr im FrĂŒhjahr

21.03. - Geografie und Topografie

20.03. - Hitzewelle in den USA erreicht vorlÀufigen Höhepunkt

19.03. - Das Wetter zum FrĂŒhlingsanfang

18.03. - Als Deutschland im Schnee versank: Der strenge Winter 2005/2006

17.03. - Christian Andreas Doppler

16.03. - Nach turbulentem Wochenstart kehrt der FrĂŒhling zurĂŒck

15.03. - Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

14.03. - Aprilwetter - der MĂ€rz ĂŒbt schon mal