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Vorhersage

Bericht
Offenbach, Mittwoch, den 21.10.2020 | Dipl.-Met. Martin Jonas

Höhepunkt der "Hitzewelle"

Heute wird der Höhenpunkt der "Hitzewelle" erreicht. Naja, "Hitzewelle" kann man bei Höchsttemperaturen um 20 Grad natürlich nicht sagen, im Oktober spricht man von mild (bei 13 bis 17 Grad) oder von sehr mild (bei 18 bis 22 Grad).

Die Wetterlage würde aber alles für eine echte Hitzewelle mitbringen - wenn sie sich so im Hochsommer einstellen würde. Die subtropischen Luftmassen, die südliche bis südwestliche Strömung, dazu im Süden gebietsweise viel Sonne - da wäre im Juli oder August für echtes Badewetter gesorgt.


Wetterkarte


So aber bleibt es bei milden bis sehr milden Werten, und dazu kommt gebietsweise noch ein lebhafter Wind. Verantwortlich dafür ist Tief JADRANKA. Während JADRANKA eigentlich so viel wie "adriatisch" oder "von der Adria stammend" bedeutet, peilt unsere JADRANKA die Nordsee und für die kommenden Tage dann Skandinavien als Heimatrevier an. Und auch die Herkunft "unserer" JADRANKA ist eher im Seegebiet südwestlich von Portugal zu suchen als in der Adria.


Deutschland morgen


Abgesehen von diesen Namensspielereien kann JADRANKA zumindest auf einem Gebiet mit ihrem herbstlichen Charakter punkten. Denn der rasche Vorstoß subtropischer Luft wird von einem kräftigen Wind begleitet. Abgesehen vom Südosten, wo es meist schwachwindig ist, weht der von meist Süd auf eher Südwest drehende Wind oft mäßig, im Westen und Nordwesten auch frisch. Dabei sind Böen zwischen 50 und 75 km/h (Bft 7-8) mit von der Partie, auf den Alpengipfeln weht Föhnsturm, und auf der "Glatze" des kargen Brockens ist sogar die volle Orkanstärke (über 120 km/h, Bft 12) möglich. Das sind vielleicht gute Bedingungen für Kitesurfer oder Lenkdrachenfreunde - für alle übrigen lädt das Wetter nicht zu großartigen Aktivitäten im freien ein.

Wie schon angedeutet macht sich JADRANKA dann auf den Weg nach Skandinavien, wo sie ausgangs der kommenden Nacht ankommt. Dummerweise "vergisst" sie dabei, ihre Kaltfront "mitzunehmen". Diese bleibt, von Südwest nach Nordost orientiert, am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag über Deutschland liegen. Und an dieser Kaltfront kommt es zu Regenfällen, die lokal auch kräftiger ausfallen können - und wenn es ganz "dumm" läuft, ist auch ein kurzes Gewitter mit dabei. Letztendlich ist der Regen auch kein Drama, schließlich gibt es noch einige Regionen in Deutschland, die weiterhin ein Niederschlagsdefizit aufweisen. Und wer mobil ist, der kann in den Nordwesten oder Südosten fahren - dort ist es trocken, und insbesondere im Südosten auch freundlich. Dazu wird die 20-Grad-Marke bei den Höchstwerten nochmal geknackt und zwar südlich der Front und auch im Bereich der Front selbst. Der Norden und Nordwesten haben nur schlechte Chancen auf mehr als 20 Grad, aber die angepeilten Höchstwerte von
etwa 18 Grad sind für die dritte Oktober-Dekade ja auch noch bemerkenswert (s.o.).


Deutschland 2. bis 4. Tag


Am Freitag sieht man dann, dass die Front von JADRANKA ein wirklich zäher Bursche ist. Sie zeigt weiterhin einen großen Widerwillen gegen nennenswerte Verlagerung. Aktuell deuten die Modelle eine schwache Tendenz an, dass die Front etwas nach Süden vorankommt. Insofern bleibt, wenn überhaupt, allenfalls der äußerste Südosten trocken. Dafür ist es nördlich der Mittelgebirge nicht nur meist trocken, sondern auch verbreitet freundlich. Das erfreut das Gemüt, hat aber keine Auswirkungen auf die Höchstwerte. Aber immerhin: Sich mal wieder die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, das sollte gehen. Dafür aber am besten ein windgeschütztes Plätzchen suchen. Denn wie auch am Donnerstag weht der Wind im Norden frisch und in Böen stark - was auch noch auf JADRANKA zurückzuführen ist.

Am Samstag und damit rechtzeitig zum Wochenende beruhigt sich das Wetter allgemein. Die Front mit ihren Regenfällen zieht nach Südosten ab und der Wind wird schwächer. Nur vereinzelt fallen ein paar Tropfen, dafür zeigt sich recht verbreitet die Sonne.


Deutscher Wetterdienst

Bericht des Deutschen Wetterdienstes für Deutschland

vom 21.10.2020, 09:26 Uhr

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