04:36 MESZ | 22.08.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
07. August 2025 | Hochschulpraktikant Luis Wolf in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Marcel Schmid

Von Blitzen und Megablitzen

Von Blitzen und Megablitzen

Datum 07.08.2025

Blitze sind ein spannendes und gefĂ€hrliches Naturschauspiel. Ihre Entstehung ist komplex und manche Blitze sind mehrere hundert Kilometer lang. DarĂŒber wie Blitze entstehen und ĂŒber das Ausmaß von Megablitzen soll das heutige Thema des Tages Aufschluss geben.

Ein Blitz ist eine elektrische Funkenentladung großen Ausmaßes, die typischerweise bei Gewittern auftritt. Die Entladung kann innerhalb einer Wolke, zwischen mehreren Wolken oder zwischen Wolke und Erde stattfinden. Voraussetzung dafĂŒr ist eine starke Ladungstrennung innerhalb der Gewitterwolke, meist einer sogenannten Cumulonimbus-Wolke.

In ihrem Inneren treiben krĂ€ftige Aufwinde, mit Geschwindigkeiten von ĂŒber 20 Metern pro Sekunde, Wassertröpfchen nach oben, wo sie kondensieren, gefrieren und zu Eispartikeln heranwachsen. Durch Resublimation entstehen Graupelteilchen, die bei Kollisionen mit leichteren Eiskristallen Elektronen austauschen. Dabei laden sich die schwereren Graupelkörner negativ auf und sinken, wĂ€hrend die leichteren, positiv geladenen Eiskristalle weiter aufsteigen. Diese Ladungstrennung erzeugt enorme elektrische Spannungen.

Ein Blitz entsteht nicht plötzlich, sondern durchlĂ€uft mehrere Phasen. ZunĂ€chst bildet sich ein Leitblitz, der sich in stufenartigen Bewegungen von der Wolke zur Erde ausbreitet. Kurz bevor er den Boden erreicht, steigen von der ErdoberflĂ€che Fangentladungen auf. Diese treten meist von erhöhten Objekten wie BĂ€umen oder TĂŒrmen auf. Wenn sich beide Entladungen treffen, kommt es zur extrem hellen Hauptentladung. Dabei entsteht ein Plasmakanal mit Temperaturen zwischen 20.000 °C bis zu 30.000 °C - heißer als die OberflĂ€che der Sonne. Durch die schlagartige Erhitzung der Luft entlang des Blitzkanals dehnt sich diese explosionsartig aus. Es entsteht eine Druckwelle, die wir als Donner wahrnehmen.

Im Jahr 2017 ereignete sich ĂŒber den Great Plains der USA ein Gewitter, das wissenschaftlich Geschichte schrieb. Die World Meteorological Organization (WMO) bestĂ€tigte einen sogenannten Megablitz als neuen Weltrekord. Mit einer LĂ€nge von 829 Kilometern war dieser Blitz der lĂ€ngste jemals gemessene. Er zog sich von Ost-Texas bis in die NĂ€he von Kansas City. In Deutschland hĂ€tte man diesen gigantischen Entladungsvorgang theoretisch von Oberstdorf im SĂŒden bis nach Flensburg im Norden sehen können.


Die Blitzstruktur des GOES-16-Satelliten GLM ist als zeitlich eingefÀrbte Liniensegmente dargestellt. Die 116 Wolken-Boden EinschlÀge sind mit Blitzsymbolen gekennzeichnet, die nach PolaritÀt gefÀrbt sind (blau: 83 negativ, rot: 33 positiv). Die maximale


Dank Satelliten wie dem GOES-16, einem geostationĂ€ren Wettersatelliten der US-Behörde NOAA, konnten solche außergewöhnlichen Megablitze identifiziert werden. Dennoch bleiben viele Fragen ĂŒber die Entstehung solch enormer Ereignisse bislang unbeantwortet. Mit der sich stĂ€ndig weiterentwickelnden Technik wird man im Laufe der Jahre immer mehr Informationen aus solchen Ereignissen gewinnen können. Der Megablitz wurde erst kĂŒrzlich durch eine erneute Analyse der Satellitendaten entdeckt. Zuvor galt ein Blitz aus dem Jahr 2020 mit 768 Kilometern LĂ€nge als Rekordhalter. Auch dieser Megablitz ereignete sich ĂŒber den US-Great Plains – einem Gebiet, das bekannt ist fĂŒr riesige Gewitterkomplexe, sogenannte mesoskalige konvektive Systeme (MCS).

Blitze sind ein faszinierendes und zugleich gefĂ€hrliches NaturphĂ€nomen. Der neue Weltrekord zeigt eindrucksvoll, welche gewaltigen Energien in der AtmosphĂ€re wirken können. Dank moderner Satellitentechnik und internationaler Forschung verstehen wir immer mehr ĂŒber diese NaturphĂ€nomene – doch es bestehen weiterhin WissenslĂŒcken, insbesondere bei der Entstehung dieser Megablitze.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

21.08. - Noch einmal turbulent, dann wird's wieder ruhiger

20.08. - Sommer im Barock

19.08. - Übers Ziel hinausgeschossen

18.08. - Von laut bis leise: Der Donner

17.08. - Erwartet uns nun der langersehnte Landregen?

16.08. - Sind Sie auf dem aktuellen Stand?

15.08. - Waldbrandwetter

14.08. - Hitze ade?

13.08. - Von LabilitÀt und Feuchte

12.08. - Höhepunkt der Perseiden

11.08. - Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

10.08. - Ätna: Feuer, Asche und Gewitter

09.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

08.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

07.08. - Starke Bodentrockenheit

06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS

05.08. - Noch ganz stabil? AtmosphÀrische InstabilitÀten, Turbulenz und Klimawandel

04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026

01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

30.07. - Was ist eine Fallböe?

29.07. - Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

28.07. - VegetationsbrÀnde, Wetterextreme und globale ErwÀrmung

27.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

26.07. - Tag der Seenotrettung

25.07. - Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

24.07. - Von Hunden und Erfrischungen

23.07. - KĂŒhle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“