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25. Oktober 2025 | Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Zwei Monate vor Weihnachten: Der Weihnachtsmann prüft die Wettervorhersage

Zwei Monate vor Weihnachten: Der Weihnachtsmann prüft die Wettervorhersage

Datum 25.10.2025

Eine weite Reise will gut geplant sein... Über den Weihnachtsmann und seine Vorbereitungen - von Eiskristallen bis zur saisonalen Wetterprognose.

Die Sonne ist längst verschwunden hinter den Hügeln von Korvatunturi in Finnisch Lappland, als sich der Weihnachtsmann am Abend des 25. Oktober auf die Suche nach seinem Laptop begibt. Noch zwei Monate bis Weihnachten - höchste Zeit also, die aktuellen subsaisonalen und saisonalen Wettervorhersagen zu prüfen. Dieses Mal möchte er perfekt vorbereitet sein für seine Reise nach Mitteleuropa. Unweigerlich fällt ihm die Odyssee vor drei Jahren ein, als Rudolf sich an den Kanelbullar übernommen hatte und die Huskys kurzfristig einspringen mussten (Die ganze Geschichte ist hier nachzulesen).


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Mit einem tiefen Seufzer klappt der Weihnachtsmann seinen Laptop auf. Seit einigen Jahren nutzt er die Wettermodelle des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage, um einen vagen Trend für die nächsten Wochen und Monate zu bekommen. Doch die bunten Karten mit Luftdruck und Temperaturfeldern bestätigen seine Befürchtung: Kein Kälteeinbruch in Sicht. Ein kräftiges Hoch über Nordskandinavien würde ihm deutlich besser gefallen. "Mal wieder eine ordentliche Inversionslage, das wäre doch was", brummt er enttäuscht. Klare Nächte, gefrorene Seen, glitzernde Schneekristalle - so sähe für ihn der perfekte Winterbeginn aus.

"Vielleicht haben die Europäer dieses Mal auch einfach nicht recht", denkt sich der Weihnachtsmann und schmunzelt, als ihm sein inzwischen meteorologisch-umgangssprachlicher Jargon bewusst wird. Enthusiastisch öffnet er die saisonalen Vorhersagekarten des Deutschen Wetterdienstes. Doch auch hier mehr rote als blaue Farben bei den Temperaturprognosen. "Schade, Schokolade" entfährt es ihm und er kann nicht anders, als ein kleines Schoko-Stückchen von den vorbereiteten Geschenken zu stibitzen. Ganz möchte er die Hoffnung auf schneereiche, klirrend kalte Weihnachten aber nicht aufgeben, weiß er doch, dass (sub)saisonale Vorhersagen keine exakte Prognose für die Weihnachtstage geben, sondern vielmehr eine zeitlich gemittelte und probabilistische Aussage liefern.

Draußen herrschen -2 °C, und noch liegt kein geschlossener Schnee. "Das Albedo-Feedback läuft noch auf Sparflamme", denkt der Weihnachtsmann, während er sich in seinen roten Mantel hüllt. Ohne helle Schneeflächen, die das Sonnenlicht zurückwerfen, bleibt der Boden dunkler und nimmt mehr Energie auf - was die winterliche Abkühlung zunächst bremst. Aber lange kann es nicht mehr dauern, bis der erste Pulverschnee fällt. Die Rentiere scharren jedenfalls schon ungeduldig mit den Hufen.

Beim Blick aus dem Fenster erkennt er die ersten Eiskristalle an den Fensterscheiben und seine Augen strahlen. "Resublimation", murmelt der Weihnachtsmann in seinen langen Bart, "der Wasserdampf geht direkt in festen Zustand über, ganz ohne flüssige Zwischenphase." Wenn sich jetzt noch eine ruhige, feuchte Luftschicht bilden würde, könnte es Eisnebel geben. Das wäre zwar romantisch, aber für die Navigation mit dem Schlitten nicht ganz ungefährlich. Vielleicht sollte er doch die GPS-Antenne am Schlitten überprüfen - oder den Polarstern, seinen altbewährten Kompass, wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Er zündet eine kleine Kerze an, setzt sich an seinen Schreibtisch und macht sich Notizen. "Schlittenkufen einfetten, Rentierdecken ausbürsten, GPS-Antenne überprüfen, Schneeflockentypen checken, …" - denn je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit verändern sich Form und Dichte der Kristalle, und auf nassem, grobkörnigem Schnee ist das Bremsen deutlich schwieriger. Letztes Jahr ist er auf spiegelglattem Reif sogar rückwärts gerutscht - und das ausgerechnet mit vollen Geschenkesäcken!

Draußen zieht ein schwacher Nordostwind auf. Der Weihnachtsmann lächelt. "Noch zwei Monate", flüstert er leise. "Dann ist wieder Weihnachten." Und bis dahin? Da beobachtet er weiter Wolken, Nebel, Frost und Nordlichter - mit der gleichen funkelnden Begeisterung wie seine Freunde des Deutschen Wetterdienstes.



© Deutscher Wetterdienst

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