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12. Mai 2026 | Dipl.- Met. Christian Herold

Der Geruch von Regen

Der Geruch von Regen

Datum 12.05.2026

Nach einer längeren Trockenperiode Ende April fällt nun wieder reichlich Regen. Viele Menschen kennen den frischen, erdigen Geruch, der oft auch als beruhigend beschrieben wird, wenn nach einer längeren Trockenperiode Regen einsetzt. Doch hat Regen tatsächlich einen Geruch oder ist das eine Sinnestäuschung?

Nach einem trockenen Tag setzt Regen ein und plötzlich liegt ein ganz besonderer Duft in der Luft. Dieser Geruch wird oft als frisch, erdig oder beruhigend beschrieben. Er fällt besonders nach längeren Trockenphasen deutlich auf. Doch woher kommt dieser typische „Regengeruch“ eigentlich?

Dieser besondere Duft, der entsteht, wenn Regen auf trockenen Boden fällt, wurde von Wissenschaftlern in den 60er-Jahren Petrichor genannt. Petrichor stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten „Petra” (Stein) und „Ichor” (die Flüssigkeit in den Adern der Götter) zusammen.

Der Geruch setzt sich aus Pflanzenölen zusammen, die von Pflanzen in Trockenphasen ausgeschieden und vom Boden sowie Gestein aufgenommen werden. Bei Regen lösen sich diese Öle und werden freigesetzt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das sogenannte Geosmin, das für den erdigen Anteil des Dufts verantwortlich ist. Es gehört zur Stoffgruppe der bizyklischen tertiären Alkohole und wird von bestimmten Bodenbakterien gebildet. Geosmin ist so intensiv, dass Menschen es selbst in sehr niedriger Konzentration erkennen können. Forscher vermuten, dass diese hohe Sensibilität den Menschen früher dabei half, lebensnotwendige Wasserquellen in trockenen Gebieten aufzuspüren. Gerade nach längerer Trockenheit sammelt sich der Stoff verstärkt im Boden an und wird besonders durch die ersten Regentropfen freigesetzt.

Der genaue Mechanismus, durch den diese Duftstoffe freigesetzt werden, wurde erst im Jahr 2015 von Forschern des Massachusetts Institute of Technology mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras erforscht. Beim Aufprall von Regentropfen auf porösem Boden schließen die Tropfen kleine Luftblasen ein. Diese steigen innerhalb des Regentropfens nach oben und platzen anschließend an der Oberfläche, ähnlich wie Champagnerblasen. Dabei schleudern sie winzige Aerosole in die Luft, die die Duftstoffe enthalten.

Besonders viel Aerosol entsteht bei leichtem bis mäßigem Regen. Bei starkem Regen entstehen deutlich weniger, da die Tropfen zu schnell aufprallen und sich somit weniger Luftblasen bilden können.

Wärme verstärkt die Verdunstung und damit auch die Verteilung der Duftstoffe in der Luft. Deshalb wird der Geruch an warmen Tagen häufig als besonders intensiv wahrgenommen.
Allerdings entsteht nicht immer der gleiche Eindruck. In Städten mischen sich beispielsweise Gerüche von Asphalt, Pflanzen, Staub oder Abgasen mit der feuchten Luft. Auf dem Land dominieren dagegen häufig Gerüche von Erde, Grasflächen oder Wäldern. Dadurch kann Regenluft regional sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.


Ein Sommergewitter bringt nach längerer Trockenheit Regen.




© Deutscher Wetterdienst

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