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01. August 2026 | Dipl.-Met. Markus Eifried

Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Datum 01.08.2026

Schwerpunkt dieses Teils der Geschichte der Meteorologie ist deren Entwicklung um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Wesentliche Fortschritte stellen die Wolkenklassifikation und die WindstÀrkenskala dar.

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts wurden allgemeine sowie Erkenntnisse der Meteorologie aus Expeditionsreisen vorgestellt. In diesem Thema des Tages wird die Meteorologie um 1800 beleuchtet. Neben der Wolkenklassifikation und der WindstÀrkenskala gibt es viele weitere Entdeckungen von der Medizinmeteorologie bis hin zu einem Feuchtigkeitsmesser.

Beginnen wir mit meteorologischen Erkenntnissen im Bereich der Medizinmeteorologie.

Der französische Meteorologe Louis Cotte (1740−1815) wurde 1774 mit der Leitung eines medizinisch-meteorologischen Netzwerks aus französischen TierĂ€rzten und LandĂ€rzten betraut, um den Zusammenhang zwischen der Pest und dem Wetter zu untersuchen. Das Projekt lief bis 1794.

Der polnische Schriftsteller und Wissenschaftler StanisƂaw Staszic (1755−1826) entwarf die SalzverdunstungstĂŒrme in Ciechocinek an der Weichsel, die errichtet wurden, um aus der in der Region reichlich vorhandenen Sole Salz zu gewinnen. Die Sole wurde an die Spitze der TĂŒrme gepumpt und tropfte dann an deren SeitenwĂ€nden herab, wo sie durch Sonneneinstrahlung und Wind verdunstete. Das Salz aus der Sole blieb zurĂŒck. DarĂŒber hinaus wurden durch diesen Vorgang Iod und Feuchtigkeit an die Luft abgegeben. Dies verĂ€nderte das Mikroklima im Bereich der TĂŒrme und ließ es eher einer maritimen als einer kontinentalen Umgebung Ă€hneln. Die Menschen kamen nach Ciechocinek, um die therapeutischen Eigenschaften der lokalen Luft zu nutzen. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Kurort mit vielen Sanatorien fĂŒr Menschen mit verschiedenen Gesundheitsproblemen, die durch das Einatmen der Iod-reichen Luft behandelt werden konnten. Dies stellt ein frĂŒhes Beispiel fĂŒr eine vom Menschen verursachte VerĂ€nderung des Mikroklimas dar.

Auch um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts fanden mehrere Expeditionsreisen mit erwÀhnenswerten BeitrÀgen zur Meteorologie statt.

Der preußische Forschungsreisende, Naturforscher, Physiker und Geograph Alexander von Humboldt (1769−1859) gilt als der letzte Universalgelehrte auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Zu Humboldts zahlreichen wissenschaftlichen Interessen zĂ€hlten auch die Meteorologie und die Klimatologie. FĂŒr eine Expedition ĂŒber die Kanarischen Inseln zu den spanischen Provinzen Lateinamerikas und in die Vereinigten Staaten zwischen 1799 und 1804 verfĂŒgte von Humboldt ĂŒber zwei Quecksilberbarometer, mehrere Thermometer, einen Regenmesser, zwei Hygrometer (zur Messung der Luftfeuchtigkeit), ein Cyanometer (zur Messung der blauen Farbe des Himmels), ein Hypsometer (zur Bestimmung der Siedetemperatur von Wasser in verschiedenen Höhenlagen) und ein Eudiometer (zur Messung des Gasvolumens) sowie Instrumente zur Messung des Erdmagnetfelds. Verschiedenste Messungen wurden wĂ€hrend der Expedition durchgefĂŒhrt, besonders in Quito 1802. Von Humboldt untersuchte die Entstehung und die Zugbahnen tropischer StĂŒrme. Er fĂŒhrte Messungen der Meeresströmung durch, die entlang der WestkĂŒste SĂŒdamerikas fließt und als Humboldtstrom bekannt wurde. Nach 1804 verlagerte von Humboldt seine Forschungsinteressen zum Vulkanismus und zum Magnetismus. Er publizierte die wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Amerika-Expedition. 1817 veröffentlichte er eine Weltkarte der Durchschnittstemperaturen, die erste globale Klimaanalyse. 1829 unternahm er eine Expedition nach Sibirien. Dort fĂŒhrte er meteorologische und magnetische Messungen durch und entdeckte das, was heute als Permafrost bezeichnet wird. Nachfolgend trieb er den Aufbau eines russischen Netzwerks von magnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen voran, welches bis 1835 in Nordasien etabliert werden konnte. Von Humboldt konnte anhand der gewonnenen Daten zu dem Schluss kommen, dass der grĂ¶ĂŸte Teil Russlands ein „kontinentales“ Klima aufweist (ein Klima, wie man es im Inneren von Kontinenten vorfindet, wo die Temperaturextreme aufgrund des fehlenden mildernden Einflusses eines Ozeans grĂ¶ĂŸer sind als anderswo). Von Humboldts ĂŒbergeordnetes Ziel war jedoch ein weltweites Netzwerk, und zu diesem Zweck ĂŒberzeugte er die britischen Behörden, permanente magnetische Observatorien in britischen Kolonien auf der ganzen Welt einzurichten: in Kanada, auf St. Helena, am Kap der Guten Hoffnung, auf Ceylon, in Jamaika und in Australien. Die Idee der internationalen Zusammenarbeit durch weltweite Netzwerke von Beobachtungsstationen, die gleichzeitig wissenschaftliche Messungen durchfĂŒhren, ist eines von von Humboldts VermĂ€chtnissen. Er war der Erste, der eine solche Idee (vor allem fĂŒr magnetische Beobachtungen) formulierte und sie bis zur Vollendung umsetzte.

Der Jurist, Botaniker und Amateurastronom Francisco JosĂ© de Caldas (1768−1816) aus dem Vizekönigtum Neugranada (heute Kolumbien) entwickelte Ende des 18. Jahrhunderts ein Interesse an den Naturwissenschaften. Er eignete sich die Grundlagen der Astronomie und Meteorologie im Selbststudium durch Beobachtungen an, da ihm keine BĂŒcher als Leitfaden zur VerfĂŒgung standen. Anschließend baute er ein Barometer und nutzte es zur DurchfĂŒhrung von Druckmessungen. Das „Hypsometer“ (oder „hypsometrisches Thermometer“) ist ein Instrument, das die Höhe indirekt messen kann, indem es mithilfe eines Thermometers die Temperatur von kochendem Wasser in dieser Höhe misst und anschließend die ZusammenhĂ€nge zwischen dem Siedepunkt von Wasser und dem Luftdruck sowie zwischen dem Luftdruck und der Höhe anwendet. FrĂŒhere Arbeiten zu diesem Instrument waren de Caldas unbekannt. Er erfand das Hypsometer unabhĂ€ngig davon einige Zeit vor dem Besuch von Alexander von Humboldt in Kolumbien im Jahr 1801. Von Humboldt unterrichtete de Caldas in Meteorologie, Astronomie und Berechnungstechniken. 1804 fĂŒhrte de Caldas eigene Messungen in Quito durch, deren Ergebnis Ă€hnlich denen von von Humboldts waren.

Die beiden nordamerikanischen Entdecker Meriwether Lewis (1774−1809) und William Clark (1770−1838) aus der Kolonie Virginia unternahmen von 1804 bis 1806 eine umfangreiche Entdeckungsreise durch den Westen Nordamerikas bis zum Pazifik, die heute als Lewis-und-Clark-Expedition bekannt ist. Diese Region war zu dieser Zeit grĂ¶ĂŸtenteils Neuland. Lewis und Clark stießen auf FlĂŒsse, die „mit Eis zugefroren“ waren, auf heftige Winde, Sturzfluten und in den High Plains der Dakotas auf Tage mit großen Temperaturunterschieden. Lewis und Clark waren die ersten, die wissenschaftliche Wetterbeobachtungen im Westen Nordamerikas durchfĂŒhrten. Zu Beginn der Expedition verfĂŒgten sie ĂŒber drei Thermometer, die sie sorgfĂ€ltig kalibrierten. Vom 19. September 1804 bis zum 6. September 1805, dem Tag des Verlusts des letzten Thermometers, maßen sie tĂ€glich die Temperatur, jeweils bei Sonnenaufgang und erneut um 16 Uhr. Diese Temperaturmessungen wurden in den Gebieten durchgefĂŒhrt, die heute South Dakota, North Dakota und Montana sind. Überzeugt vom wissenschaftlichen Wert ihrer Arbeit fĂŒhrten sie sorgfĂ€ltige Aufzeichnungen ihrer Beobachtungen. Im heutigen Oregon notierte Lewis: „Ich bin ĂŒberzeugt, dass das Klima hier viel wĂ€rmer ist als auf dem gleichen Breitengrad am Atlantik.“ In ihren TagebĂŒchern beschrieben sie das Winterwetter an der KĂŒste von Oregon wegen des stĂ€ndigen Regens als „schrecklich“ und „elend“. Lewis und Clark waren wahrhaftige Pioniere, sowohl als Entdecker als auch als Wissenschaftler. Ihre Erkundung des nordamerikanischen Westens war ein wegweisendes Ereignis in der US-amerikanischen Geschichte.

Der britische Marinekommandant und Polarforscher Sir John Ross (1777−1856) unternahm mehrere Expeditionen in die heutige kanadische Arktis. 1818 erreichte er den Lancaster Sound, welcher die östliche Einfahrt zur Nordwestpassage darstellt. Dort wurde er jedoch durch eine Fata Morgana getĂ€uscht und glaubte, dass Berge den weiteren Weg nach Westen versperrten. WĂ€hrend dieser Expedition fĂŒhrte er auf Anweisung der britischen AdmiralitĂ€t und der Royal Society geomagnetische, meteorologische und ozeanographische Beobachtungen durch. Bei der Expedition von 1829 bis 1833 ging das Schiff 1832 im Eis verloren, und die Besatzung strandete und konnte in Felix Harbour im folgenden Jahr gerettet werden. WĂ€hrend dieser Reise fĂŒhrte Ross magnetische Beobachtungen durch und lokalisierte den magnetischen Nordpol. Außerdem machte er meteorologische Beobachtungen.

Der norwegische Astronom und Physiker Christopher Hansteen (1784−1873) war ein Pionier auf dem Gebiet des Erdmagnetismus und der Erforschung der Polarlichter. Auf einer Expedition nach Sibirien um 1830 suchte er nach einer Region mit maximaler magnetischer IntensitĂ€t. Schließlich stellte er fest, dass die Polarlichter in einem Ring mit maximaler HĂ€ufigkeit um den nördlichen Magnetpol auftreten. Er richtete mehrere geomagnetische Beobachtungsstationen ein und vereinbarte mit SchiffskapitĂ€nen, das Magnetfeld weltweit zu beobachten und aufzuzeichnen. Die von ihm gesammelten Daten ermöglichten es ihm, eine der ersten Magnetkarten der Erde zu erstellen. Hansteen beobachtete in Norwegen die Aurora borealis wĂ€hrend eines heftigen Magnetsturms, der vom 28. August bis zum 2. September 1859 auftrat. Er kam zu dem Schluss, dass „die Auswirkungen dieser Aurora auf die Telegrafenleitungen in Norwegen viel grĂ¶ĂŸer waren als in Frankreich und Deutschland“. Heute ist bekannt, dass starke MagnetstĂŒrme sowohl Stromnetze und die drahtlose Kommunikation als auch die Telegrafenkommunikation beeintrĂ€chtigen können.

Die folgenden Personen leisteten wichtige allgemeine BeitrÀge zur Meteorologie.

Der britische Mathematiker und Physiker Sir John Leslie (1766−1832) stellte 1804 fest, dass eine mattschwarze OberflĂ€che WĂ€rme effektiver abstrahlt als eine polierte OberflĂ€che, was auf die Bedeutung der Schwarzkörperstrahlung hindeutet. 1810 gelang es ihm, Wasser kĂŒnstlich zu Eis zu gefrieren.

Zu den zahlreichen BeitrĂ€gen des französischen Mathematikers und Physikers Joseph Fourier (1768−1830) gehörte der Nachweis, dass sich jede stetige Funktion in Kombinationen trigonometrischer Funktionen zerlegen lĂ€sst − eine Methode, die als Fourier-Analyse bezeichnet wird. Sie findet in der modernen numerischen Analysis und bei Berechnungen breite Anwendung. 1820 berechnete Fourier, dass die Erde kĂ€lter sein mĂŒsste, als sie es ist, wenn die einzige WĂ€rmequelle die Sonnenenergie wĂ€re, die von der OberflĂ€che des Planeten absorbiert werden kann. Er zog auch andere mögliche WĂ€rmequellen in Betracht (die innere WĂ€rme der Erde selbst und interstellare Strahlung), stellte jedoch fest, dass auch diese nicht genĂŒgend WĂ€rme liefern konnten. Anschließend untersuchte er ein Experiment, das von de Saussure (siehe Teil 10 der Geschichte der Meteorologie) durchgefĂŒhrt worden war. Dieser setzte Glasscheiben, die durch Luftschichten voneinander getrennt waren, in eine isolierte Vase ein und ließ Sonnenlicht in die Vase einfallen. Das Sonnenlicht durchdrang die Glasscheiben und die Luftschichten. De Saussure beobachtete, dass die resultierenden Temperaturen im Inneren der Vase in tieferen Schichten unter mehr Glasschichten höher waren. Fourier stellte die Hypothese auf, dass die ErdatmosphĂ€re möglicherweise wie diese Glasscheiben als „Isolator“ wirke. Die AtmosphĂ€re ist natĂŒrlich komplexer, doch Fouriers Beobachtung, fĂŒr die ein GewĂ€chshaus mit GlaswĂ€nden als Analogie dient, gilt als erste Formulierung dessen, was heute als atmosphĂ€rischer „Treibhauseffekt“ bezeichnet wird. 1822 fĂŒhrte Fourier in seiner „ThĂ©orie analytique de la chaleur“ die Verwendung von Dimensionen fĂŒr physikalische GrĂ¶ĂŸen formell ein.

Der britische Pharmakologe Luke Howard (1772−1864) beschĂ€ftigte sich mit Meteorologie. Er gilt als Wegbereiter der modernen Wolkenkunde. Seine Wetterbeobachtungen fĂŒhrten 1818 zur Veröffentlichung seines Buches „The Climate of London“, das erste Werk, das sich mit der Klimatologie einer stĂ€dtischen Umgebung befasste. Howards meteorologische Beobachtungen in und um London waren der erste Hinweis auf einen stĂ€dtischen WĂ€rmeinseleffekt. Howards wichtigster Beitrag zur Meteorologie war die EinfĂŒhrung des Wolkenklassifizierungssystems, das den Kern der modernen Klassifikation von Wolken bildet. Er wurde als der „Mann, der den Wolken Namen gab“ bekannt. Howard war fasziniert von der „Großen Nebelwolke“, die zwischen Mai und August 1783 den Himmel ĂŒber Europa bedeckte und einen Dunst darstellte, der aus Staub und Asche der VulkanausbrĂŒche des Laki-Kraters in Island sowie des Asama auf HonshĆ« in Japan bestand. Im Laufe seiner Beobachtungen stellte Howard bestimmte gemeinsame Merkmale von Wolken fest und entwickelte auf dieser Grundlage ein System zu deren Klassifikation. Im Dezember 1802 stellte er sein System der Askesian Society in London vor. Er schlug beschreibende Kategorien mit lateinischen Namen vor. Howards drei Grundkategorien waren Cumulus („Haufen“), Stratus („Schicht“) und Cirrus („HaarstrĂ€hne“). Eine vierte Kategorie, Nimbus („Regen“), bezeichnete „eine Wolke, die gerade dabei ist, sich zu Regen, Hagel oder Schnee zu verdichten“. Laut Howard „kann es keinen Regen geben, solange die Wolken, mit Ausnahme des Nimbus, ihre ursprĂŒngliche Form beibehalten; erst durch die Beobachtung der VerĂ€nderungen und ÜbergĂ€nge der Wolkenform lĂ€sst sich das Wetter vorhersagen“. Howard fasste seine Arbeit 1803 in seinem „Essay on the Modifications [d. h. ‚Classification‘] of Clouds“ zusammen.


Darstellung von verschiedenen Wolken im Essay on the Modifications of Clouds von Luke Howard, Ausgabe 1803, Quelle: Ton Lindemann, Meteo-Maarssen, Maarssenbroek, Niederlande


Howards System fand rasch sowohl in Großbritannien als auch im Ausland breite Akzeptanz und verdrĂ€ngte frĂŒhere Wolkenklassifikationen. Howards Werk „Seven Lectures on Meteorology“ (1837) war das erste moderne Lehrbuch zur Meteorologie.

Der britische Mediziner und Botaniker Robert Brown (1773−1858) entdeckte 1827 die Brownsche Bewegung von Pollen- und Farbstoffpartikeln im Wasser, die erst spĂ€ter als physikalischer Prozess verstanden wurde.

Der irische Marineoffizier und Hydrograph Sir Francis Beaufort (1774−1857) begann schon frĂŒh in seiner Karriere auf See, ein meteorologisches Tagebuch in Form von kurzen Anmerkungen zur allgemeinen Wetterlage zu fĂŒhren. Diese Praxis behielt er bis zu seinem Tod bei. Beauforts Name ist allen Seefahrern aufgrund seiner WindstĂ€rkenskala und seiner Wetternotationscodes bekannt, die er in den frĂŒhen Jahren seines Kommandos, beginnend um 1805, entwickelte. Die WindstĂ€rkenskala basierte auf Beauforts Beobachtungen der Auswirkungen des Windes auf vollgetakelte Fregatten auf See und umfasste ursprĂŒnglich 14 WindstĂ€rkegrade, von Windstille bis zum Orkan. Die Wetternotation wurde 1833 zum Standard fĂŒr die britische Flotte fĂŒr alle LogbucheintrĂ€ge gemacht. Im Jahr 1838 schrieb die britische AdmiralitĂ€t die Verwendung der Beaufort-Windskala mit 13 WindstĂ€rkegraden offiziell fĂŒr alle LogbucheintrĂ€ge der Schiffe vor. Die Beaufort-Skala ist die Ă€lteste systematische Methode zur Beurteilung von WindstĂ€rke und -geschwindigkeit. Sie wird auch heute noch in modifizierter Form von Seeleuten auf der ganzen Welt verwendet und ist darĂŒber hinaus auch auf Landseite sehr gĂ€ngig.


Sir Francis Beaufort, 1850, Stephen Pearce (1819-1904), Quelle: National Portrait Gallery, London, ĂŒber Wikimedia Commons


Der Physiker und Chemiker Amadeo Avogadro (1776−1856) aus dem Piemont beschĂ€ftigte sich mit dem Zusammenhang der elektrochemischen Spannungsreihe und der AffinitĂ€t der Elemente, der spezifischen WĂ€rme von Gasen und Atom- und Molvolumina. Sein Ziel war es, die chemischen Eigenschaften der Verbindungen durch physikalische Eigenschaften zu beschreiben. Er ist vor allem fĂŒr das Avogadro-Gesetz (gleiche Volumina verschiedener Gase enthalten bei gleicher Temperatur und gleichem Druck die gleiche Anzahl an MolekĂŒlen) und die Avogadro-Zahl (die Anzahl der MolekĂŒle in einem Mol eines Stoffes) bekannt. WĂ€hrend seiner LehrtĂ€tigkeit in Turin hatte er LehrstĂŒhle in den Bereichen Statistik, Meteorologie sowie Maße und Gewichte inne.

Der Mathematiker und Physiker Carl Friedrich Gauß (1777−1855) aus dem FĂŒrstentum Braunschweig-WolfenbĂŒttel beschĂ€ftigte sich mit dem Erdmagnetfeld und damit dem oberen Teil der AtmosphĂ€re. Im Jahr 1838 bewies er, dass der ĂŒberwiegende Teil des Erdmagnetfelds endogen ist, also seinen Ursprung im Erdinneren hat. Im Jahr 1839 stellte er jedoch die Vermutung auf, dass elektrische Ströme in einer leitfĂ€higen Schicht der oberen AtmosphĂ€re kleine Schwankungen im gesamten Magnetfeld verursachen, was er wiederum mit der Aurora borealis in Verbindung brachte.

Der dĂ€nische Physiker, Chemiker und Naturphilosoph Hans Christian Ørsted oder auch Hans Christian Oersted (1777−1851) entdeckte die magnetische Wirkung des elektrischen Stromes und gilt als MitbegrĂŒnder der ElektrizitĂ€tslehre und Elektrotechnik. Er fĂŒhrte Forschungen zu den Eigenschaften von FlĂŒssigkeiten und Gasen durch, wobei sein Hauptaugenmerk auf deren KompressibilitĂ€t lag.

Neue Entwicklungen in der Messung des Taupunkts und in der Feuchtigkeitsmessung förderten die folgenden Wissenschaftler zutage:

Der schwedische Mediziner und Chemiker Jöns Jakob Berzelius oder auch Jacob Berzelius (1779−1848) entwickelte eine Methode zur Messung des Taupunkts und der relativen Luftfeuchtigkeit. Im „TraitĂ© de Chimie“ schlug er vor, dass die Temperatur eines Feuchtthermometers dem arithmetischen Mittelwert aus der tatsĂ€chlichen Lufttemperatur und der Taupunkttemperatur entsprechen sollte. Da sowohl die Feuchtthermometertemperatur als auch die Lufttemperatur (mithilfe eines gewöhnlichen Trockenthermometers) gemessen werden konnten, ließ sich anhand dieser Beziehung der Taupunkt berechnen. Mit diesen Informationen konnte er dann die relative Luftfeuchtigkeit abschĂ€tzen. Der Chemiker Johann Wolfgang Döbereiner (1780−1849) aus Franken stellte um 1822 die Prinzipien des Taupunkt-Hygrometers oder Kondensationshygrometers vor. Die Erfindung des Taupunkt-Hygrometers wird jedoch allgemein dem britischen Chemiker John Frederic Daniell (1790−1845) zugeschrieben, der 1820 ein Instrument entwickelte, das zum Standard fĂŒr die Feuchtigkeitsmessung werden sollte.


Taupunkt-Hygrometer nach Daniell, Holzstich, Quelle: Physikalisches Praktikum mit besonderer BerĂŒcksichtigung der physikalischen-chemischen Methoden von Eilhard Wiedemann und Hermann Ebert, 3. Auflage 1897, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig, ĂŒber Wikimedia Commons


Der nĂ€chsten Teile der Serie der Geschichte der Meteorologie werden sich mit Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Instituten in Europa und bedeutenden außereuropĂ€ischen Staaten widmen, ehe weitere Persönlichkeiten mit ihren Erkenntnissen zur Meteorologie im 19. Jahrhundert vorgestellt werden.



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