12:45 MESZ | 09.08.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
09. August 2026 | Dipl.-Met. Markus Eifried

Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

Datum 09.08.2026

Ab etwa 1800 setzten in den verschiedenen Staaten meteorologische Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Diensten ein. Schwerpunkt dieses Artikels bilden Länder vorwiegend im östlichen und südlichen Europa.

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Gründung und Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die als Vorläufer nationaler Wetterdienste gelten, im westlichen europäischen Raum beleuchtet. In diesem Artikel folgt der östliche und südliche europäische Raum.

In Russland begannen tägliche meteorologische Beobachtungen in Sankt Petersburg 1743 und an der Universität Moskau 1799. Letztere wurden 1808 als systematische Wetterbeobachtungen vom russischen Physiker Pjotr Iwanowitsch Strachow (1757−1813) organisiert und gingen bis Napoleons Russlandfeldzug 1812. Sie wurden 1820 fortgesetzt. 1805 fanden an der Universität Kasan erste meteorologische Experimente statt. Mit der Eröffnung des dortigen Observatoriums 1812 startete eine Messreihe und die Meteorologische Schule Kasan wurde unter dem bayerisch-schweizerischen Physiker Franz Xaver Bronner (1758−1850) begründet. Der russische Staatsmann, Schriftsteller und Erfinder Wassili Nasarowitsch Karasin (1773−1842) aus der Sloboda-Ukraine schlug 1810 vor, ein meteorologisches Messnetz im Zarenreich zu errichten, das von Kola im Norden bis Tiflis im Süden und von Libau im Westen bis Nishne-Kamtschatsk (heute Kljutschi) auf Kamtschatka im Fernen Osten reichen sollte. Der russische Mathematiker und Physiker Adolph Theodor Kupffer (1799−1865), ein Deutsch-Balte aus Mitau im Kurland, initiierte 1829 erste erdmagnetische Messungen in St. Petersburg, Peking und Sitka im damaligen Russisch-Amerika (heute Alaska). 1833 schlug er ein Messnetz aus erdmagnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen vor, das an einigen Orten verwirklicht wurde (Nertschinsk in Sibirien 1832, Jekaterinburg und Lugansk 1836, Tiflis 1837).


Adolph Theoder Kupffer, Quelle: Historischer Überblick über die Hauptphysikalische Sternwarte in ihren 50-jährigen Tätigkeiten 1849-1899 (Исторический очерк Главной физической обсерватории за 50 лет ее деятельности 1849-1899), Michail Alexandrowitsch Rykatschew, 1899, Kaiserlich-Russische Akademie der Wissenschaften, Sankt Petersburg, via Russische Staatsbibliothek, Moskau, über Wikimedia Commons


1849 wurde in der damaligen russischen Hauptstadt Sankt Petersburg das Physikalische Observatorium eröffnet, welches als eines der ersten zentralen meteorologischen Institute in Europa und Nordamerika gilt. Erster Direktor war Kupffer. Bis zu seinem Tod wurden 50 meteorologische Beobachtungsstationen im Zarenreich errichtet. Sein Nachfolger, der preußische Physiker und Meteorologe Ludwig Friedrich Kämtz (1801−1867), brachte ein Lehrbuch der Meteorologie heraus. Unter den beiden nachfolgenden Direktoren, dem Schweizer Meteorologen und Physiker Heinrich von Wild oder Heinrich Iwanowitsch Wild (1833−1902) und dem russischen Meteorologen Michail Alexandrowitsch Rykatschew (1841−1919) wurden neue meteorologische Stationen eröffnet und die Zahl der Institutsmitarbeiter erhöht. Wild führte ein einheitliches metrisches System und die Temperaturmessung in Grad Celsius ein. Rykatschew verfügte 1884 die Durchführung der Wetterbeobachtungen an den Messstationen mit standardisierten Messinstrumenten. Er gab mehrere Werke zur Meteorologie und Ozeanographie sowie zum Erdmagnetismus heraus. Die Monographie des russischen Geographen Iwan Nikolajewitsch Smirnow (ca. 1840?−1880) „О предсказуемости погоды и о весенних бурях в России“ (in deutscher Übersetzung „Über die Vorhersehbarkeit von Wetter- und Frühlingsstürmen in Russland“) von 1870 bildete die wissenschaftliche Grundlage für Wettervorhersagemethoden und damit für die synoptische Meteorologie. Darin wurde die erste Wetterkarte aus Russland publiziert. Die zunehmende Urbanisierung der Hauptstadt machte die Verlegung des Physikalischen Observatoriums in die Umgebung nach Pawlowsk 1878 notwendig. In Irkutsk wurde 1886 ein Observatorium für Sibirien gegründet. 1912 wurden in Pawlowsk erste systematische Strahlungsmessungen in Europa durchgeführt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das heutige Staatsgebiet Italien in mehrere Staaten aufgeteilt, teils unter österreichischer Verwaltung und überwiegend land- und forstwirtschaftlich dominiert. Meteorologische Forschung diente hauptsächlich diesen Zwecken, insbesondere zum Niederschlag. An allen italienischen astronomischen Observatorien wurden meteorologische Messungen durchgeführt, in Mailand ab 1760, in Padua ab 1767, in Rom ab 1787 und in Turin ab 1820. Erste Versuche, nach dem 17. Jahrhundert erneut ein Messnetz einzurichten, verfolgte der Direktor des astronomischen Observatoriums in Padua, der venezianische Astronom, Meteorologe und Abt Giuseppe Toaldo (1719−1797), der Daten von 60 Wetterbeobachtern in einem Messnetz der Republik Venedig sammeln konnte. Das heutige italienische Messnetz geht auf den neapolitanischen Meteorologen und Astronom Francesco Denza (1834−1894) zurück. Er gründete das meteorologische Observatorium Moncalieri bei Turin und von dort aus das Wetterbeobachtungsnetzwerk Corrispondenza Meteorologica Italiana, welches zunächst primär aus Stationen aus Piemont und dem Aostatal bestand. Denza veröffentlichte Daten und Studien in seiner Fachzeitschrift Bullettino Meteorologico sowie in etlichen wissenschaftlichen Monographien. Ab 1865 ging aus seinem Netzwerk, dem sich nach der Einigung Italiens Stationen aus anderen Landesteilen anschlossen, die Società Meteorologica Italiana hervor. 1865 wurde im Marineministerium ein meteorologisches Büro eingerichtet, dem 20 Küstenwetterwarten unterstanden. 1876 wurde der staatliche italienische Wetterdienst „Ufficio Centrale di Meteorologia“ gegründet. Dieser übernahm die Wetterwarten und Stationen der Società Meteorologica Italiana. 1878 wurden erste Bergstationen in den Alpen eröffnet, 1894 erfolgten systematische Niederschlagsmessungen. 1880 übernahm das Hydrographische Institut in Genua die Aufgaben des Wetterdienstes für die Seeschifffahrt. 1913 wurde ein spezieller Wetterdienst für die Luftfahrt gegründet.

Erste meteorologische Messungen in Österreich-Ungarn wurden durch den österreichischen Astronom und Mathematiker Anton Pilgram (um 1731−1793) von 1762 bis 1786 in Wien durchgeführt. Im Benediktinerstift Kremsmünster wurden meteorologische Messungen ab 1763 und erdmagnetische Messungen ab 1838 durchgeführt. Nach der Gründung der Akademie der Wissenschaften 1847 in Wien wurden die meteorologischen Messungen vereinheitlicht. Der österreichische Physiker und Staatsmann Andreas von Baumgartner (1793−1865) aus Böhmen stattete die Wetterstationen mit entsprechenden Messinstrumenten aus. Aus einer Kommission an der Akademie gründete sich 1851 die Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. Zum ersten Direktor wurde der österreichische Astronom und Meteorologe Karl Kreil (1798−1862), damals Leiter der Sternwarte in Prag, bestellt. Meteorologische Messungen begannen an der Centralanstalt 1852 und 1872 in einem neuen Gebäude im damaligen Wiener Vorort Döbling (heute ein Gemeindebezirk von Wien).


Julius-Hann-Haus, seit 1872 Sitz der Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus, später Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), Hohe Warte, Wien-Döbling, Foto von 2012, Quelle: Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) über Wikimedia Commons


Unter Kreils Nachfolger, dem Prager Professor Karl Jelinek (1822−1876), einem österreichischen Meteorologen aus Mähren, wurden an der Centralanstalt die Wetterberichte gesammelt und eine Abteilung für Wettervorhersagen eingerichtet. Die Anzahl der Wetterstationen wurde massiv ausgebaut. 1865 wurde die Österreichische Gesellschaft für Meteorologie gegründet. Zusammen mit ihrem deutschen Pendant wurde ab 1866 die Meteorologische Zeitschrift herausgegeben. Auf Vorschlag des österreichischen Naturwissenschaftlers Guido Schenzl (1823−1890) und des ungarischen Geographen János Hunfalvy (1820−1888) aus der Slowakei wurde 1870 in Budapest das Ungarische Zentralinstitut für Meteorologie und Erdmagnetismus gegründet. Dessen erster Direktor wurde Schenzl. 1877 wurde der österreichische Mathematiker und Physiker Julius von Hann (1839−1921) zum Leiter der Centralanstalt berufen. Das Observatorium Sonnblick wurde auf seine Initiative hin erreichtet und 1886 eingeweiht. Von Hann entwickelte eine Gewichtung von Messwerten, die als Hann-Fenster bekannt ist. Er gilt als Begründer der modernen Meteorologie. Ab 1888 wurden in Ungarn durch das Zentralinstitut für Meteorologie und Erdmagnetismus Wetterberichte veröffentlicht. Der ungarische Astronom und Meteorologe Miklós Konkoly-Thege (1842−1916), Institutsdirektor ab 1890, richtete 1890 eine Abteilung für Wetterprognosen ein.

In der Schweiz wurde 1798 durch den Naturwissenschaftler Marc Auguste Pictet (1752−1825) aus der Alten Eidgenossenschaft in Genf eine erste Messstation mit regelmäßigen Beobachtungen etabliert. 1817 folgte eine Bergstation auf dem Großen St. Bernhard. Pictet warb bei der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft 1823 für die Errichtung eines ersten Beobachtungsnetzes, das dann bis 1837 betrieben wurde. Da nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Bevölkerung Interesse an Wetterdaten hatten, beschlossen die Kantone Bern (1830), Tessin (1843) und Thurgau (1855), ein eigenes kantonales Beobachtungsnetz aufzubauen. Die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft richtete 88 Beobachtungsstationen mit einheitlichen Regeln und Messinstrumenten im Jahr 1863 ein. 1878 erschien zum ersten Mal eine tägliche Wetterprognose in der Neuen Zürcher Zeitung. 1880 beschloss der Bundesrat die Gründung der Meteorologischen Zentralanstalt, die ein Jahr später ihre Arbeit vom Hauptsitz in Zürich aufnahm. Erster Leiter wurde der Schweizer Astronom und Mathematiker Robert Billwiller (1849−1905). 1887 wurde ein Observatorium auf dem Säntis eingerichtet. Eine erste umfassende Klimatologie der Schweiz erschien 1909.

In Serbien startete der serbische Statistiker und Meteorologe Vladimir Jakšić (1824−1899), Hochschullehrer am Lyzeum des Fürstentums Serbiens in Belgrad, ab 1848 mit täglichen Aufzeichnungen des Wettergeschehens und hielt zunächst Temperatur, Bewölkungszustand, Niederschlag und später die Luftfeuchtigkeit in Belgrad fest. 1856 etablierte er ein erstes, aus 20 Wetterstationen bestehendes, Messnetz in Serbien. Ab 1862 nahm die Anzahl der Wetterstationen ab, einige hielten jedoch durchgehend Wetteraufzeichnungen aufrecht. 1880 wurde an der Philosophischen Fakultät der Belgrader Hohen Schule der Lehrstuhl für Astronomie und Meteorologie gegründet. Zum ersten Lehrstuhlinhaber wurde der serbische Physiker, Mathematiker, Astronom und Meteorologe Milan Nedeljković (1857−1950) gewählt. Er gründete 1887 das Astronomische und Meteorologische Observatorium in Belgrad und baute das meteorologische Beobachtungsnetzwerk erheblich aus. 1902 wurden erste Wettervorhersagen veröffentlicht. 1907 wurde der serbische Geograph und Meteorologe Pavle Vujević (1881−1966) zum Professor für Meteorologie an die 1905 zur Universität umgewandelte Hohe Schule gewählt. Er analysierte die Daten aus dem Beobachtungsnetzwerk und veröffentlichte mehrere Berichte zum Mikroklima in der Meteorologischen Zeitschrift: „Die Temperaturverhältnisse der untersten Luftschichten“ (1911), „Die Temperaturen verschiedenartiger Bodenoberflächen“ (1912) und „Ueber die Beschaffenheit der täglichen Temperaturkurve“ (1914). Nach dem Ersten Weltkrieg ging Serbien im neu geschaffenen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen auf, dem späteren Jugoslawien. Die meteorologischen Arbeiten am Geophysikalischen Institut Zagreb (Agram) und am Institut für Meteorologie und Geodynamik in Ljubljana (Laibach) wurden als Ergebnis einer Konferenz 1921 in Zagreb unter dem Dach des Astronomischen und Meteorologischen Observatoriums in Belgrad unter Leitung von Nedeljković koordiniert. Das Geophysikalische Institut Zagreb wurde zu diesem Zeitpunkt vom kroatischen Geophysiker Andrija Mohorovičić (1857−1936) aus dem Österreichischen Küstenland geleitet, der ab 1887 in Bakar bei Fiume (Rijeka) und ab 1891 in Zagreb in Kroatien meteorologische Beobachtungen durchführte und erstmals Rotorwolken bei der Bora, einem Fallwind an der kroatischen Küste, beschrieb. In Montenegro starteten erste systematische Messungen 1882 in Podgorica. 1931 wurde ein zentraler meteorologischer Dienst gegründet.

In Rumänien wurden erste meteorologische Beobachtungen in Iaşi (Jassy) ab 1770 und in Bukarest ab 1773 durchgeführt. Erste systematische Messungen wurden an der Academia Mihăileană in Iaşi durch den rumänischen Physiker und Mathematiker Teodor Stamati (1812−1852) im Zeitraum 1839 bis 1840 durchgeführt. An der Academia Mihăileană in Iaşi wurde Meteorologie als Wissenschaft gelehrt, wobei ein Manuskript in griechischer Sprache aus der Bibliothek des Metropolitenklosters verwendet wurde. 1884 wurde das Meteorologische Insitut Rumäniens gegründet. Der rumänische Physiker und Meteorologe Ştefan Hepites (1851−1922) wurde dessen erster Leiter. Schon zuvor hatte Hepites ab 1878 eine Wetterstation in Brăila eingerichtet, in der er tagsüber stündlich Wetterbeobachtungen durchführte.


Portrait von Ștefan Hepites, Quelle: France, Boulogne, Portraits, Mr Stefan C. Hepites, 1920, Auguste Léon (1857-1942), über Wikimedia Commons


Neben dem nationalen meteorologischen Netzwerk betrieb das Institut weitere nationale Versorgungsdienste wie Messungen und Gewichte nach dem rumänischen Beitritt zur Meterkonvention, Bestimmung der genauen Zeit, Seismologie und Geomagnetismus. 1908 wurde das Meteorologische Institut Rumäniens in das 1888 erbaute Astronomische und Meteorologische Observatorium unter der Aufsicht des Ministeriums für öffentliche Bildung integriert. 1915 begann die systematische Erforschung der Atmosphäre mittels Ballonsonden.

In Bulgarien gab es im 19. Jahrhundert gelegentlich meteorologische Beobachtungen in Sofia und Russe (Rustschuk). Der bulgarische Physiker Astronom Marin Bachevarov (1859−1926) veranlasste 1887 die Errichtung einer meteorologischen Beobachtungsstation in Sofia. Im selben Jahr führte er erste systematische Messungen durch. 1890 wurde die Sofioter meteorologische Bobachtungsstation vom Bildungsministerium zur Meteorologischen Zentralstation aufgewertet. Dies markiert den Beginn des Meteorologischen Dienstes Bulgariens. Erster Leiter wurde der bulgarische Physiker Spas Vatsov (1856−1928). Auf Erlass von Prinz Ferdinand von Bulgarien (1861−1948) wurde 1894 eine eigenständige staatliche Einrichtung für Meteorologie gegründet – die Direktion für Meteorologie im Bereich des Bildungsministeriums. Vatsov wurde dessen erster Leiter, gefolgt von dem bulgarischen Meteorologen Kiro Kirov oder Kiro Kiroff (1897−1961).

Finnland war zwischen 1809 und 1917 ein autonomer Landesteil des Russischen Reiches. Wissenschaftliche Forschung und Beobachtungen waren an der Universität Helsinki organisiert und arbeiteten unabhängig von russischen wissenschaftlichen Institutionen, finanziert durch die finnische Regierung. 1838 wurde auf Initiative von Adolph Kupffer (s.o.) das Magnetische und Meteorologische Observatorium in Helsinki gegründet. Zum ersten Direktor wurde der finnische Physiker und Meteorologe Johan Jakob Nervander (1805−1848) bestellt. Neben Arbeiten im Bereich des Erdmagnetismus interessierte sich Nervander auch für Klimatologie. Ab 1844 starteten am Magnetischen und Meteorologischen Observatorium in Helsinki tägliche Beobachtungen zum Wetter (Temperatur, Luftdruck, Niederschlag, Windrichtung und Windgeschwindigkeit) und zum Erdmagnetismus. Nervanders Nachfolger, der finnische Naturforscher Henrik Gustaf Borhenius (1802−1894) aus der Provinz Wiborg (Südkarelien) führte Messungen und Beobachtungen weiter. Im Vorfeld des Internationalen Polarjahres wurde 1881 die Verwaltung des Magnetischen und Meteorologischen Observatoriums von der Universität Helsinki an die Finnische Wissenschaftliche Gesellschaft übertragen und das Observatorium selbst in Zentrales Meteorologisches Institut umbenannt. Der finnische Meteorologe Nils Karl Nordenskiöld (1837−1889) modernisierte die Arbeit der Wetterbeobachtung und verhinderte eine Integration des finnischen Instituts in das russische Pendant. Neue Messungen wurden gestartet wie beispielsweise die des Meeresspiegels, die für Hochwasserprognosen für Sankt Petersburg sehr hilfreich war. Im Internationen Polarjahr, zu welchem die Regionen der Arktis und der Antarktis durch meteorologische Beobachtungen erforscht werden sollte, wurde in Sodankylä in Lappland nördlich des Polarkreises ein geophysikalisches Observatorium errichtet, in dem unter der Gesamtleitung des finnischen Physikers Selim Lemström (1838−1904) Polarlichter und unter der Leitung des finnischen Meteorologen Ernst Biese (1856−1926) meteorologische Beobachtungen durchgeführt wurden. Größere Überschwemmungen 1898 und 1899 mit erheblichen Schäden in der Landwirtschaft waren der Auslöser zur Errichtung hydrologischer Messstationen und der Gründung des Hydrologischen Dienstes 1908. Zwei Jahre später wurde zur Erforschung der oberen Atmosphäre ein aerologisches Observatorium nahe Helsinki eröffnet. Nach der Unabhängigkeit 1917 wurde das Finnische Meteorologische Institut 1919 dem Agrarministerium untergeordnet. Erster Direktor wurde der finnische Physiker und Meteorologe Gustaf Melander (1861−1938).

Erste systematische Wetterbeobachtungen in Warschau in der damaligen Adelsrepublik Polen-Litauen wurden zwischen 1725 und 1728 durch den kursächsischen Mediziner, Botaniker und Meteorologen Christian Heinrich Erndel oder Christian Heinrich Erndtel (1676−1734) durchgeführt. Seine täglich aufgezeichneten Luftdruck-, Temperatur- und Windmessungen sowie Bewölkungsbeobachtungen waren die ersten Statistiken dieser Art in Warschau. Nach politischen Krisen war Polen im 19. Jahrhundert ein Teil des Russischen Reiches und wurde dort als Weichselland bezeichnet. Aus dieser Zeit gibt es nur wenig Erkenntnisse zur Meteorologie. Der polnische Mathematiker und Naturforscher Władysław Kwietniewski (1837−1902), der an der Hauptschule von Warschau, einer polnischen Hochschule, lehrte, war mit mathematischen und meteorologischen Arbeiten aktiv am wissenschaftlichen Leben Warschaus vertreten. Nach der Unabhängigkeit 1918 wurde das Staatliche Meteorologische Institut 1919 gegründet. Seine Aufgabe war die Durchführung meteorologischer Beobachtungen und Forschungen sowie Wetterdienste für die Landwirtschaft und Luftfahrt, letzteres besonders für den militärischen Bereich. Erster Direktor wurde der polnische Meteorologe und Klimatologe Władysław Gorczyński (1879−1953). Das Institut richtete ein synoptisches Messnetz mit zunächst sieben Wetterstationen ein: Warschau, Posen, Lemberg (Lwów), Vilnius (Wilna), Danzig und Pinsk.

Im modernen Griechenland ist die Entwicklung der Meteorologie eng an die Astronomie geknüpft. Das Nationale Observatorium Athen wurde 1842 gegründet. Nachdem die ursprünglich dafür in einer Schenkung zur Verfügung gestellten Mittel erschöpft waren, ging das Observatorium in den Besitz des Staates über. Dieser organisierte das Observatorium als staatliches Forschungszentrum. 1890 wurde es um die Abteilungen zur Meteorologie und Seismologie erweitert. Zwischen 1890 und 1934 hatte der griechische Astronom, Physiker und Mathematiker Demetrios Eginitis (1862−1934) die Leitung des Nationalen Observatoriums Athen inne. Er lieferte Arbeiten zum Klima von Griechenland (1908) und zur Praktischen Meteorologie (1909). Die Abteilungen zur Meteorologie und Seismologie wurden 1942 zu Instituten aufgewertet.

Seit dem Mittelalter wurden im Osmanischen Reich im Wesentlichen astronomische Beobachtungen zur Festlegung von Gebetszeiten durchgeführt. Meteorologische Erkenntnisse drangen nur langsam durch wenige Übersetzungen europäischer Lehrbücher ins Türkische im 18. Jahrhundert in das Osmanische Reich. Erste meteorologische Beobachtungen in Konstantinopel (Istanbul) wurden ab 1830 durch Privatpersonen durchgeführt. 1868 wurde in Konstantinopel ein Observatorium errichtet und mit Messinstrumenten aus Europa ausgestattet. Meteorologische Beobachtungen des Großherrlichen Observatoriums in Konstantinopel wurden per Telegraph nach Paris gesendet. Ab 1868 wurden meteorologische Beobachtungsstationen in anderen Provinzen des Osmanischen Reiches aufgebaut. Bis zum Ende des 19. Jahrhundert wurde im Osmanischen Reich lediglich der Zustand der Atmosphäre gemessen und notiert, was auch in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht wurde. Schritte hin zu einer Wettervorhersage wurden bis dahin keine unternommen. Der Direktor des Observatoriums in Konstantinopel, der französische Meteorologe Aristide Coumbary (1828−1896), schlug 1886 die Verwendung meteorologischer Daten aus Europa und dem Osmanischen Reich zur Vorhersage von Stürmen, die aus Westen auf das Osmanische Reich zuzogen, vor. Coumbary veröffentlichte auch ein Werk zur Windbeobachtung. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden im Osmanischen Reich Wettervorhersagen etabliert. Im Nachfolgestaat Türkei wurde 1925 in Ankara das erste meteorologische Institut, Rasâdât-ı Cevviye, durch den ungarischen Meteorologen Antal Réthly (1879−1975) gegründet. In diesem wurden meteorologische Studien von Wetterdaten der Wetterstation Ankara durchgeführt. Aus diesem erwuchs der meteorologische Dienst der Türkei.

In den nächsten beiden Teilen dieser Serie wird dieselbe Entwicklung außerhalb Europas beleuchtet. Der Schwerpunkt liegt im nächsten Teil bei Asien und Ozeanien. Der übernächste Teil wird dann Amerika und Afrika behandeln.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

09.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

08.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

07.08. - Starke Bodentrockenheit

06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS

05.08. - Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026

01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

30.07. - Was ist eine Fallböe?

29.07. - Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

28.07. - Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

27.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

26.07. - Tag der Seenotrettung

25.07. - Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

24.07. - Von Hunden und Erfrischungen

23.07. - Kühle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI