18:00 MESZ | 22.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
14. April 2026 | M.Sc.-Met. Thore Hansen

Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres

Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres

Datum 14.04.2026

Die Signale für ein neues El-Niño-Ereignis im Jahr 2026 verdichten sich. In der Fachwelt wird bereits über die Intensität diskutiert, während die Modelle eine enorme Spannbreite an Szenarien liefern. Warum Prognosen zu diesem Zeitpunkt besonders schwierig sind und wie der globale Temperaturtrend die Ergebnisse beeinflusst, zeigt unser Blick auf die aktuellen Daten.

El-Niño wird das Auftreten ungewöhnlicher und unregelmäßig wiederkehrender Veränderungen der Meeresströmungen im ozeanografisch-meteorologischen System des äquatorialen Pazifiks genannt. Das Phänomen tritt in unregelmäßigen Abständen von durchschnittlich vier Jahren auf. Durch veränderte Zirkulationsmuster in der Atmosphäre ändern sich auch die oberflächennahen Meeresströmungen und es kommt großräumig zu höheren Meeresoberflächentemperaturen als im Normalzustand. Weiterführende Informationen zu El-Niño und seinem Gegenstück La-Niña finden Sie unter: Klimalexikon.

In der vergangenen Woche wurde El-Niño in einigen Medien zum Thema gemacht und tatsächlich liefern verschiedene Modelle deutliche Hinweise auf das Auftreten dieses Phänomens im Laufe des Jahres. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch die Komplexität der Datenlage. In Abbildung 1 sind für den September 2026 von verschiedenen Modellen die prognostizierten Abweichungen der Meeresoberflächentemperatur für den relevanten Teil des Pazifiks dargestellt. Für jedes Modell ist dann nochmal die Bandbreite innerhalb des Modells als Farbbereich aufgetragen. Ab +0,5 Grad Abweichung spricht man von einem El-Niño-Ereignis. Die meisten Modellergebnisse konzentrieren sich bei Anomalien um +2 Grad. Die Bandbreite reicht aber von -0,5 bis +4 Grad. Ab +2 Grad Abweichung spricht man von einem sehr starken El-Niño. Das Modell des Deutschen Wetterdienstes ist dabei ein eher "kühler" Vertreter mit Abweichungen um +1 Grad. Das Modell des Europäischen Zentrums für Mittelfristvorhersage (ECMWF) befindet sich mit etwa +2 Grad Abweichung im Mittelfeld der Modelle.


Vorhersage der Temperaturabweichung der Meeresoberflächentemperatur für Teile des Pazifiks von verschiedenen Klimamodellen.


Die Signale für einen El-Niño sind sehr deutlich, für einen sehr starken El-Niño ungewöhnlich hoch. Doch wie sicher sind solche Prognosen eigentlich? Das ECMWF hat diesbezüglich einen Artikel veröffentlicht: ECWMF

In diesem Artikel wird auf die Unsicherheiten der Prognose eingegangen. Unter anderem wird auf die sogenannte "spring predictability barrier" verwiesen. Diese besagt, dass Änderungen des Klimasystems im Frühling schwieriger vorherzusagen sind als im Rest des Jahres. Erst ab Ende Mai oder Juni, wenn die Kopplung zwischen Ozean und Atmosphäre (z. B. schwächer werdende Passatwinde) deutlicher wird, steigt die Zuverlässigkeit der Prognosen.

Als eine Möglichkeit die Vorhersagekraft einzuordnen, wird der Vergleich vergangener Prognosen mit der Wirklichkeit genannt. In Abbildung 2 werden dazu die Prognosen vom 1. April 2023 und 2017 (rote Kurven) mit der Wirklichkeit (blaue Kurve) gegenübergestellt. 2023 lagen die Abweichungen im Herbst etwas höher als im Frühling simuliert. 2017 kam es entgegen der Simulationen nicht zu einem El-Niño, sondern zu einem schwachen La-Niña Ereignis.

Zusätzlich macht der voranschreitende Klimawandel die Prognosen komplexer. Nicht alle Prozesse und Wechselwirkungen im Klimasystem können perfekt dargestellt werden. Systematische Modellfehler könnten nichtlinear mit dem Klimawandel interagieren. Durch den allgemeinen Anstieg der Meerestemperaturen wird es schwieriger, einen "Normalzustand" zu definieren und Abweichungen davon zu berechnen. Im Hinblick auf die Auswirkungen von El-Niño könnte der Klimawandel zu anderen oder in der Intensität anderen Auswirkungen führen.

Zusammenfassung: Ein El-Niño-Ereignis ist wahrscheinlich, die Stärke noch sehr unsicher und der Klimawandel sorgt für zusätzliche Unsicherheiten in der Prognose eines solchen Ereignisses und im Hinblick auf mögliche Auswirkungen.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden