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15. Oktober 2026 | Dipl.-Met. Martin Jonas

Kaltfront in Lauerstellung

Kaltfront in Lauerstellung

Datum 15.10.2026

Das Hochdruckgebiet FLORIAN zieht nach Osten ab - und nimmt das ruhige Herbstwetter mit. Was auf FLORIAN folgt, insbesondere am kommenden Wochenende, wird im heutigen Thema des Tages beleuchtet.

Das Leben ist kein Wunschkonzert - und als Bestätigung dafür reicht ein Blick auf die Wetterentwicklung der kommenden Tage über Mitteleuropa. Viele hätten es sicherlich gerne gesehen, dass das ruhige Herbstwetter, das uns Hoch FLORIAN beschert, bis zum Wochenende anhalten würde. Aber leider beginnt das Wetter am morgigen Freitag, beginnend im Nordwesten, mit einer markanten Umstellung. Beim Blick auf das Satellitenbild lässt sich dies auch schon erahnen.

Abbildung 1: Satellitenbild und Bodendruck (Linien in hPa) am heutigen Donnerstag, 15.10.2026, 12 UTC (14 MESZ)


So ist in Abbildung 1 ein breites Wolkenband zu erkennen, das sich von den Azoren kommend über Irland, Großbritannien und Norwegen hinweg bis ins Nordmeer erstreckt. Es gehört zu dem am oberen Bildrand erkennbaren Orkantief nordöstlich von Island, das sich mit einem Kerndruck von unter 960 Hektopascal (hPa) als ordentlicher Kaventsmann erweist. Bevor der Blick auf das Übergreifen der Front auf Mitteleuropa am Freitag und in der Nacht zum Samstag gerichtet werden soll, bleiben wir aber noch einen Moment bei dem sehr eindrucksvollen Satellitenbild.

Ausgesprochen hübsch anzusehen ist dabei die westlich der Front über weiten Teilen des Nordatlantiks einfließende labil geschichtete Kaltluft, erkennbar an den an einen Streuselkuchen erinnernden Cumuluswolken. Faszinierend ist aber auch die Region zwischen Litauen im Norden und Rumänien im Süden sowie zwischen Zentralpolen im Westen und der zentralen Ukraine im Osten. Dort umfassen bläulich wirkende, aus Eis bestehende hohe Cirruswolken einen ovalen Kern, in dem "nur" flache, weißlich-grün wirkende Wolken beobachtet werden können. Geschuldet ist diese auffällige Struktur einem Höhentief, welches dort in Richtung Süden unterwegs ist. Im Bereich des Höhentiefs hat sich eine Inversion ausgebildet, die das Wolkenwachstum in einer Höhe von etwa 750 hPa, also in etwa 2,5 km Höhe, begrenzt. In der Abbildung 2, die den Verlauf von Temperatur und Feuchte mit der Höhe über Nordostpolen zeigt (rotes Kreuz in Abbildung 1, Modell ICON-EU) ist dies der blau markierte Höhenbereich. Dort steigt die Temperatur mit zunehmender Höhe vorübergehend an, und folglich können die Wolken nicht über diesen Höhenbereich hinaus anwachsen. Letztendlich lassen sich so auch die Unterschiede in den Wolkenarten erklären.

Abbildung 2: Modellsounding von ICON-EU für den heutigen Donnerstag, 15.10.2026, 12 UTC (Lauf 00 + 12) im Bereich Nordostpolen


Doch jetzt wieder zurück zur erwarteten Wetterentwicklung bei uns. Die Abbildung 3 zeigt die erwartete Lage der Fronten sowie die Druckverteilung am morgigen Freitag um 12 UTC (14 MESZ). An der langgestreckten Front soll sich ein kleinräumiges Tief bilden (IRIMA). Die Vorhersagemodelle erwarten IRIMA in den morgigen Mittagsstunden an der Nordspitze Dänemarks, von dort soll IRIMA nach Nordosten weiterziehen. Damit kann aber auch der sich südlich an IRIMA anschließende Teil des langgestreckten Frontenzuges als Kaltfront auf Mitteleuropa übergreifen.

Abbildung 3: Vorhersage der Fronten und des Bodendrucks für den morgigen Freitag, 16.10.2026, 12 UTC (14 MESZ)


Was die Vorhersagemodelle aktuell recht unisono vermuten ist, dass die Front bis Samstagmorgen die Mitte erreicht und somit in der Westhälfte Regen fällt, die Osthälfte aber noch trocken bleiben soll. Danach beginnen die Modelle in ihren Niederschlagsverteilungen auseinander zu driften. Denn während manche Modelle wie beispielsweise das Modell IFS des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) die neuerliche Entwicklung eines kleinräumigen Tiefs an der Front andeutet, diesmal allerdings über Mitteldeutschland, geht unser DWD-Modell ICON einen anderen Weg. Letzteres schiebt die Front anfangs recht "glatt" nach Südosten durch, ohne dass über der Mitte oder dem Osten eine Intensivierung der Niederschläge vorgesehen wäre.

Abbildung 4: 72-stündiger Niederschlag nach IFS (links) und ICON-EU (rechts) bis Montagmorgen (19.10.2026) um 06 UTC (08 MESZ); ICON-EU: Lauf 06 + 96, IFS Lauf 00 + 102


Mit den Modellunterschieden geht es aber am Sonntag munter weiter. Dann sind es u. a. markante Unterschiede in den Strömungsmustern in 850 hPa (etwa 1,5 km Höhe), die zu verschieden gelagerten Niederschlagsverteilungen und Schwerpunkten führen. Ein Beispiel gefällig: Während IFS in den 24 Stunden von Sonntagfrüh bis Montagfrüh im Westen maximal 5 l/qm an Regen erwartet, sind es bei ICON lokal über 30 l/qm. Letztendlich zeigt Abbildung 4 die 72-stündigen Niederschlagssummen von IFS und ICON bis zum Montagmorgen 06 UTC (08 MESZ). Es bleibt abzuwarten, welches Modell der Realität am Ende am nächsten ist.



© Deutscher Wetterdienst

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15.10. - Kaltfront in Lauerstellung

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