Die Tropopause wurde schon vielfach in der Rubrik Thema des Tages in unterschiedlichen ZusammenhĂ€ngen erwĂ€hnt, oder auch explizit als GrenzflĂ€che zwischen den beiden untersten AtmosphĂ€renschichten eingefĂŒhrt. Sie stellt dabei eine konzeptionelle Transportbarriere dar, zwischen der TroposphĂ€re, in der das allgemeine Wettergeschehen mit Transport und Mischung von Luftmassen auf recht kurzen Zeitskalen stattfindet, und der stabil geschichteten StratosphĂ€re mit Luftmassentransport auf langen Zeitskalen. Die Tropopause lĂ€sst sich anhand unterschiedlicher charakteristischer Eigenschaften der angrenzenden AtmosphĂ€renschichten definieren. Je nachdem, ob dabei thermische, dynamische oder chemische Eigenschaften betrachtet werden, ergeben sich unterschiedliche Definitionen und teilweise auch variierenden Höhenlagen der Tropopause.
Die thermische Tropopause
Die erste international standardisierte und bis heute meist verwendete Definition geht auf die Weltorganisation fĂŒr Meteorologie (WMO) zurĂŒck. Im sechsten Jahrgang ihres meteorologischen Mitteilungsbulletins definiert die WMO die Tropopause als die unterste Höhe, in der der vertikale Temperaturgradient (auf Englisch "lapse rate" namensgebend fĂŒr die sogenannte lapse rate tropopause (LRT)) auf 2 °C pro Kilometer oder weniger abnimmt, sofern diese Bedingung auch in den folgenden zwei Kilometern darĂŒber erhalten bleibt. Vereinfacht gesagt: Die Tropopause markiert den Ăbergang von einer Luftschicht, in der die Temperatur mit der Höhe normalerweise abnimmt, zu einer Schicht, in der sie kaum noch abnimmt oder sogar wieder ansteigt. Die Zusatzbedingung in der Definition soll sicherstellen, dass keine lokalen Inversionsschichten fĂ€lschlicherweise als Tropopause identifiziert werden.
Dieses Temperaturverhalten hat weitreichende Folgen fĂŒr die vertikale Bewegung der Luft. In der TroposphĂ€re nimmt die Temperatur mit der Höhe im Mittel ab. Aufsteigende Luftpakete, die in guter NĂ€herung keine WĂ€rme mit ihrer Umgebung austauschen und sich demnach beim Aufstieg mit dem trockenadiabatischen Temperaturgradienten abkĂŒhlen, beziehungsweise bei Wolkenbildung und Freisetzung latenter WĂ€rme mit dem feuchtadiabatischen Gradienten, können so abhĂ€ngig von der genauen AusprĂ€gung der Schichtung in der TroposphĂ€re wĂ€rmer und leichter als ihre Umgebung bleiben und immer weiter aufsteigen. Mit der Stabilisierung der Schichtung an der Tropopause erfahren die Luftpakete dann allerdings keinen Auftrieb mehr, und es kommt höchstens noch zum ĂberschieĂen der Tropopause durch den bereits vorhandenen Bewegungsimpuls.
Diese Eigenschaft gab der darĂŒberliegenden AtmosphĂ€renschicht ihren Namen: StratosphĂ€re. Anders als in der TroposphĂ€re, deren Name auf die Durchmischung zurĂŒckgeht, ist die StratosphĂ€re durch eine ausgeprĂ€gte stabile Schichtung gekennzeichnet. Der Austausch zwischen beiden AtmosphĂ€renschichten ist daher eingeschrĂ€nkt, wenn auch keineswegs vollstĂ€ndig unterbunden.
Die dynamische Tropopause
Die thermische Definition beschreibt die Tropopause anhand der Temperatur. In der Wetter- und Klimaforschung wird jedoch hÀufig eine andere Definition verwendet: die dynamische Tropopause, die auf der potentiellen Vorticity (PV) beruht.
Die potentielle Vorticity ist eine physikalische GröĂe, die Informationen ĂŒber die Rotation und die vertikale Schichtung der AtmosphĂ€re miteinander verbindet. Sie nimmt beim Ăbergang von der TroposphĂ€re zur StratosphĂ€re typischerweise sprunghaft zu. Ein wesentlicher Grund dafĂŒr ist die starke Zunahme der statischen StabilitĂ€t: WĂ€hrend die Luft in der TroposphĂ€re vergleichsweise leicht vertikal bewegt werden kann, ist die StratosphĂ€re deutlich stabiler geschichtet. Dieser Ăbergang erzeugt einen ausgeprĂ€gten vertikalen PV-Gradienten.
Ein besonderer Vorteil der potentiellen Vorticity besteht darin, dass sie unter idealisierten Bedingungen â bei adiabatischen und reibungsfreien Bewegungen â erhalten bleibt. Sie eignet sich deshalb hervorragend, um Luftmassen und ihre groĂrĂ€umigen Bewegungen zu verfolgen. Die dynamische Tropopause lĂ€sst sich so nĂ€herungsweise als GrenzflĂ€che zwischen troposphĂ€rischen und stratosphĂ€rischen Luftmassen auffassen.
In der Forschung wird hĂ€ufig ein bestimmter PV-Wert als Tropopausenhöhe verwendet, besonders verbreitet sind 2 PVU (Potential Vorticity Units, in SI Einheiten 10â6âm2 K kgâ1âsâ1). Daneben werden aus statistischen Ăberlegungen heraus aber auch andere Werte verwendet. Welcher Wert am besten geeignet ist, hĂ€ngt unter anderem von der Fragestellung, der geografischen Lage und der gewĂŒnschten Abgrenzung zwischen troposphĂ€rischer und stratosphĂ€rischer Luft ab. Ein weiterer, verhĂ€ltnismĂ€Ăig neuer Ansatz ist die Definition der Tropopause ĂŒber ein Maximum im Gradienten der potenziellen Vorticity.
Die dynamische Definition ist besonders nĂŒtzlich aufgrund der Erhaltungseigenschaft der PV. Im Bereich der groĂskaligen Wellenbewegungen in der Höhenströmung und den Residuen wenn solche Wellen brechen - also im Bereich von Trögen, RĂŒcken, abgeschlossene Höhentiefs - kann sich die Tropopause stark verformen, wobei zum Beispiel stratosphĂ€rische Luftmassen weit nach unten in Höhenbereiche gelangen, in denen man generell troposphĂ€rische Luft erwarten wĂŒrde. Solche Prozesse spielen mitunter eine wichtige Rolle beim Austausch von Spurengasen zwischen den beiden AtmosphĂ€renschichten, was uns unmittelbar weiterfĂŒhrt zu der...
...chemischen Tropopause
Auch die chemische Zusammensetzung der AtmosphĂ€re unterscheidet sich deutlich zwischen TroposphĂ€re und StratosphĂ€re. Diese Unterschiede ermöglichen eine weitere Definition der Tropopause: die chemische Tropopause. Sie beruht auf charakteristischen Ănderungen des MischungsverhĂ€ltnisses bestimmter Spurengase.
Ein besonders anschauliches Beispiel ist der Wasserdampf. In der TroposphĂ€re ist die Luft vergleichsweise feucht, wobei der Wasserdampfgehalt stark mit Temperatur, Höhe und Wetterbedingungen variiert. In der StratosphĂ€re ist die Luft dagegen vergleichsweise sehr trocken, was unter anderem daran liegt dass aufsteigende Luft an der Tropopause stark abgekĂŒhlt wird und ein GroĂteil ihres Wasserdampfs auskondensiert, wodurch der troposphĂ€rische Eintrag von Wasserdampf in die StratosphĂ€re Ă€uĂerst gering ist - welche Prozesse wann und wo ĂŒberhaupt Transport durch die Tropopause ermöglichen ist dabei mindestens ein Thema des Tages fĂŒr sich! Wasserdampf wird in wissenschaftlichen Untersuchungen also mitunter als troposphĂ€rischer Tracer zur Identifizierung der Tropopausenregion verwendet. Allerdings ist sein vertikales Profil auch von Temperatur, Konvektion, der groĂrĂ€umigen Zirkulation, und Bildung durch bestimmte chemische Prozesse in der StratosphĂ€re abhĂ€ngig, was die Interpretation oft schwierig gestaltet.
Ein weiterer wichtiger Tracer ist das Ozon (O3). Der ĂŒberwiegende Teil des atmosphĂ€rischen Ozons entsteht in der StratosphĂ€re durch photochemische Prozesse. Dort sind die Ozon-MischungsverhĂ€ltnisse erheblich höher als in der TroposphĂ€re. Entsprechend zeigt sich ĂŒber der Tropopause hĂ€ufig ein ausgeprĂ€gter Anstieg der Ozonkonzentration. Wird die Tropopause durch die groĂrĂ€umige atmosphĂ€rische Dynamik abgesenkt oder stark gefaltet, kann stratosphĂ€rische, ozonreiche Luft in deutlich tiefere Höhen gelangen. Solche VorgĂ€nge können beispielsweise in Verbindung mit Höhentrögen und Cut-off-Lows auftreten und fĂŒhren zu charakteristischen VerĂ€nderungen der Ozonverteilung.
Auch Distickstoffmonoxid (N2O, Lachgas) eignet sich besonders gut als chemischer Tracer. Es wird ĂŒberwiegend durch mikrobielle Prozesse in Böden und Ozeanen freigesetzt, insbesondere durch Nitrifikation und Denitrifikation im Stickstoffkreislauf. In der TroposphĂ€re ist N2O aufgrund seiner langen atmosphĂ€rischen Lebensdauer gut durchmischt, was sich durch eine langsam aber stetig steigendes troposphĂ€rischen Hintergrund-MischungsverhĂ€ltnis abzeichnet. In der StratosphĂ€re wird N2O hingegen photochemisch abgebaut, was auch hier mit einem ausgeprĂ€gten scharfen Gradienten ĂŒber die Tropopause hinweg einhergeht. An dieser Stelle könnte man noch einige weitere atmosphĂ€rische Spurengase mit charakteristischen Vertikalprofilen aufzĂ€hlen. Ein naheliegender nĂ€chster Schritt wĂ€re es dann, sich tatsĂ€chlich Mischungsprozesse an der Tropopause anzuschauen, deren "FuĂabdrĂŒcke" in der atmosphĂ€rischen Zusammensetzung besonders eindrĂŒcklich anhand von Mischungslinien in Spurengas-Korrelationen identifiziert werden können. Der Autor hebt sich diese Thematik allerdings fĂŒr ein folgendes Thema des Tages auf.




