Das heutige Thema des Tages stellt Personen vor, die Grundlagenforschung in den Bereichen Chemie, Messtechnik und Mathematik im 19. Jahrhundert betrieben haben, die die Wissenschaft der Meteorologie in hohem Umfang nutzte und nutzt. Im Bereich der AtmosphÀrenchemie tritt die erste Frau auf dem Gebiet der Grundlagenforschung in der Meteorologie auf. Im Bereich der Messtechnik bzw. Technik erscheint mit dem Arithmometer ein VorlÀufermodell des Computers. Beginnen wir mit dem Bereich der Chemie.
Der wĂŒrttembergisch-schweizerische Chemiker und Physiker Christian Friedrich Schönbein (1799â1868) war zunĂ€chst im Bereich Pharmazie tĂ€tig, ehe er sich der Chemie widmete. Bei Experimenten mit elektrischen Funken Ende der 1830er Jahre nahm Schönbein einen stechenden Geruch wahr und erkannte, dass es sich um den Geruch handelte, der oft nach einem starken Blitzschlag auftritt. 1839 gelang es ihm, das Gas zu isolieren, und er nannte es Ozon, abgeleitet vom griechischen áœÎ¶Î”ÎčΜ bzw. âozeinâ (riechen). Aus diesem Grund wird Schönbein die Entdeckung des Ozons zugeschrieben. Er beschrieb diese Entdeckung in einem Brief mit dem Titel âUntersuchungen ĂŒber die Natur des Geruchs bei bestimmten chemischen Reaktionenâ, den er 1840 der AcadĂ©mie des Sciences in Paris vorlegte. Neben der Entdeckung des Ozon gelang ihm auch die Entdeckung der SchieĂbaumwolle. Er prĂ€gte den Begriff der Geochemie und befasste sich mit biologischen Fragestellungen zum Blut.
Die US-amerikanische Erfinderin und Forscherin auf dem Gebiet der AtmosphĂ€renchemie Eunice Newton Foote (1819â1888) gilt heute als Entdeckerin des Treibhauseffekts. 1856 wies sie experimentell nach, dass eine höhere Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der AtmosphĂ€re zu einer signifikanten ErwĂ€rmung fĂŒhrt. In ihrem Heimlabor fĂŒhrte Foote ein fĂŒr die damalige Zeit geniales Experiment durch: Sie fĂŒllte Glaszylinder mit verschiedenen Gasen, darunter gewöhnliche Luft, Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid. Sie platzierte die Zylinder mit Thermometern in der Sonne und im Schatten, um die TemperaturverĂ€nderung zu messen. Der mit Kohlendioxid gefĂŒllte Zylinder heizte sich weitaus stĂ€rker auf als die anderen und kĂŒhlte zudem wesentlich langsamer ab. Daraus folgerte sie in ihrer Arbeit âCircumstances Affecting the Heat of the Sun's Raysâ als erster Mensch ĂŒberhaupt, dass eine AtmosphĂ€re aus diesem Gas unserer Erde eine hohe Temperatur verleihen wĂŒrde. Ihre Forschungsarbeit wurde 1856 auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) verlesen. Frauen durften zu dieser Zeit zwar Mitglieder der AAAS sein, aber es war nicht ĂŒblich, dass sie ihre Forschungsarbeiten selbst vortrugen. Ihre Arbeit wurde von dem Physiker und MitbegrĂŒnder der Smithsonian Institution, Henry (siehe Teil 19 der Serie zur Geschichte der Meteorologie), vorgetragen. Foote gilt als die erste Frau auf dem Gebiet der Grundlagenforschung in der Meteorologie.
Der polnische Chemiker und Physiker Zygmunt WrĂłblewski (1845â1888) aus dem damaligen russischen Grodno (heute WeiĂrussland bzw. Belarus) befasste sich zunĂ€chst mit physikalischen Theorien, ehe er zur Chemie gelangte. Zusammen mit dem polnischen Chemiker, Mathematiker und Physiker Karol Olszewski (1846â1915) aus dem damals österreichischen Galizien gelang WrĂłblewski erstmals die statische VerflĂŒssigung (Kondensation) von Sauerstoff und Stickstoff. ZunĂ€chst konnten beide Forscher im April 1883 erstmals Sauerstoff bei einer kritischen Temperatur von etwa -136 °C und unter hohem Druck in eine ruhige, durchsichtige FlĂŒssigkeit ĂŒberfĂŒhren. Nur wenig spĂ€ter glĂŒckte ihnen derselbe Durchbruch mit Stickstoff.
Im Folgenden werden bedeutende Entwicklungen auf dem Gebiet der Messtechnik bzw. Technik beschrieben.
Der französische Erfinder und Unternehmer Charles Xavier Thomas oder Charles Xavier Thomas de Colmar (1785â1870) erlangte historische Bedeutung durch die Entwicklung des Arithmometers, der ersten kommerziell erfolgreichen und in Serie produzierten mechanischen Rechenmaschine der Welt. Thomas war französischer Armee-Zahlmeister sowie ein erfolgreicher Versicherungsunternehmer. Er benötigte das GerĂ€t als zuverlĂ€ssiges Hilfsmittel fĂŒr umfangreiche kaufmĂ€nnische und administrative Berechnungen. Er erhielt 1820 das Patent fĂŒr das Arithmometer. Die Funktionsweise basiert auf dem Prinzip der Staffelwalze und beherrscht alle vier Grundrechenarten (Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division). Ab etwa 1851 wurde das Arithmometer in Paris in Serie gebaut. Bis etwa 1870 wurden rund 1.000 StĂŒck gefertigt. Die Produktion lief (unter Nachfolgern) bis ca. 1914 weiter. Das Arithmometer prĂ€gte ĂŒber Jahrzehnte hinweg die europĂ€ische Rechenmaschinenindustrie und diente als Vorbild fĂŒr spĂ€tere mechanische Rechenmaschinen. Es gilt als VorlĂ€ufer des Computers.
In der Meteorologie spielte das Arithmometer im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert eine entscheidende Rolle: Es wurde fĂŒr die aufwendigen mathematischen Berechnungen von Wetterdaten genutzt. Bevor es elektronische Computer gab, mussten Meteorologen riesige Tabellen mit Luftdruck-, Temperatur- und Windmessungen von Hand oder mithilfe solcher mechanischer Rechenmaschinen auswerten, um statistische Klimawerte zu ermitteln und erste theoretische Modelle zur Wettervorhersage zu berechnen.
Der französische Physiker Antoine CĂ©sar Becquerel (1788â1878) beschĂ€ftigte sich mit ThermoelektrizitĂ€t und baute ein elektrisches Thermometer, mit dem er die Körpertemperatur von Tieren, die Bodentemperatur in verschiedenen Tiefen und die Lufttemperatur in verschiedenen Höhen maĂ. Neben seiner Grundlagenforschung in der Elektrochemie interessierte er sich allgemein fĂŒr Fragen der Meteorologie, des Klimas und der Landwirtschaft.
Der britische Mathematiker, Philosoph, Erfinder und Ăkonom Charles Babbage (1791â1871) gilt weltweit als der âVater des Computersâ, da er die grundlegenden Konzepte fĂŒr die ersten mechanischen, programmierbaren Rechenmaschinen entwickelte. Seine Visionen nahmen die logische Struktur moderner Computer um mehr als ein Jahrhundert vorweg. Ab 1822 entwarf Babbage mit der Differenzmaschine (Difference Engine) eine mechanische Rechenmaschine, um fehlerfreie astronomische und mathematische Tabellen zu berechnen. Ein Prototyp wurde teilweise gebaut, das Gesamtprojekt scheiterte jedoch an Geldmangel und Fertigungsproblemen. Die Differenzmaschine nutzt die Methode der finiten Differenzen. Dadurch können Funktionswerte komplexer Polynome allein durch wiederholte Additionen berechnet werden, was menschliche Rechenfehler bei Drucktabellen verhindern sollte. Sie bestand aus tausenden feinmechanischen ZahnrĂ€dern, Achsen und Hebeln aus Messing und Stahl, ganz ohne Elektronik. Babbage kritisierte in den 1830er Jahren die mangelnde QualitĂ€t und Disziplin bei wissenschaftlichen Messungen, unter anderem in der damals aufstrebenden Meteorologie. Er half mit, Strukturen fĂŒr bessere Datenstandards zu schaffen. Ab 1837 konzipierte Babbage in Zusammenarbeit mit Ada Lovelace (siehe unten) mit der analytischen Maschine (Analytical Engine) einen dampfbetriebenen, universellen mechanischen Computer. Dieser sollte ĂŒber eine Zentraleinheit (Rechenwerk bzw. âMillâ), einen Speicher (âStoreâ), eine Eingabe ĂŒber Lochkarten sowie einen Drucker verfĂŒgen â exakt die Kernkomponenten heutiger Computer. Sie wurde zu seinen Lebzeiten nie vollendet. 1843 bauten der schwedische Verleger Georg Scheutz (1785â1873) und sein Sohn, der schwedische Ingenieur Edvard Scheutz (1821â1881), in Stockholm den ersten mechanischen Computer nach den Ideen von Babbage. Im gleichen Jahr entwickelte Lovelace (siehe unten) eine Methode zur Programmierung von Computern nach dem Babbage-System und schrieb damit das erste Computerprogramm.
Der irische Astronom Thomas Romney Robinson (1792â1882) war von 1823 bis zu seinem Tod Direktor der Sternwarte von Armagh. Die Sternwarte fĂŒhrte seit 1784 auch meteorologische Messungen durch. Das Wetterbeobachtungsprogramm wird bis heute fortgefĂŒhrt, und die gesamte Datenreihe stellt die lĂ€ngste ununterbrochene meteorologische Beobachtungsreihe in Irland dar. Obwohl er in erster Linie Astronom war, interessierte sich Robinson auch fĂŒr andere Bereiche der Wissenschaft. In der Meteorologie konzentrierte er sich auf Windmessungen. Robinson erkannte, dass er die frĂŒhen Konstruktionen verschiedener Windmesser verbessern konnte, und erfand das erste Schalenkreuz-Anemometer, dessen Grundkonstruktion noch heute bei einigen modernen Anemometern zum Einsatz kommt. Robinsons Instrument, das er 1846 fertig stellte, bestand aus vier halbkugelförmigen Schalen, die an horizontalen Armen befestigt waren, welche wiederum an einer vertikalen Welle angebracht waren. Robinson ging davon aus, dass sich die Schalen seines Anemometers mit einem Drittel der Windgeschwindigkeit bewegten, doch dies stellte sich spĂ€ter als falsch heraus. Viel spĂ€ter, in den 1920er Jahren, stellten Forscher fest, dass ein Anemometer mit nur drei Schalen gegenĂŒber der AusfĂŒhrung mit vier Schalen mehrere Vorteile hatte. Robinson installierte sein Anemometer bereits 1846 auf dem Dach des Armagh-Observatoriums. Im Jahr 1847 schloss er eine Uhrwerkvorrichtung an das GerĂ€t an, damit es eine kontinuierliche Aufzeichnung der WindverhĂ€ltnisse liefern konnte. Im Jahr 1867 wĂ€hlte das Board of Trade Armagh als eines von sieben neuen erstklassigen meteorologischen Observatorien auf den Britischen Inseln aus.
Der britische Mathematiker und Astronom Sir George Biddell Airy (1801â1892) erweiterte das wissenschaftliche Spektrum des Greenwich-Observatoriums, indem er innerhalb des Observatoriums eine Abteilung fĂŒr Magnetismus und Meteorologie unter der Leitung von James Glaisher (siehe Teil 18 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) einrichtete. Airy wollte nicht nur die Temperatur ermitteln und deren Auswirkungen auf astronomische Beobachtungen untersuchen, sondern auch ein allgemeineres Programm fĂŒr meteorologische Untersuchungen aufstellen. Unter Airys VorgĂ€nger waren am Observatorium bereits einige magnetische und meteorologische Messungen durchgefĂŒhrt worden, doch Airy fĂŒhrte systematische tĂ€gliche Messungen der Temperatur und anderer Variablen ein. Airy experimentierte zudem mit Barometern und Barometerskalen. Als Ergebnis dieser Arbeit wurde von der Firma Short and Mason ein Barometer hergestellt, das als âAirys Höhenbarometerâ bekannt ist und eine von ihm entworfene Skala (âAirys Höhenskalaâ) enthielt. Airy war an der Festlegung des Greenwich-Meridians als BasislĂ€ngengrad beteiligt, von dem aus andere LĂ€ngengrade gemessen werden. Die Zeitzone in Greenwich, ursprĂŒnglich als Greenwich Mean Time (GMT) bezeichnet und heute als UTC (Universal Time, Coordinated) bekannt, ist eine Standardzeit, die als internationale Referenz dient. In der Meteorologie werden synoptische Beobachtungen um 00 UTC, 06 UTC, 12 UTC und 18 UTC an allen Beobachtungsstationen weltweit durchgefĂŒhrt, unabhĂ€ngig von der Ortszeit.
Der französische Ingenieur, Physiker und Erfinder Lucien Vidie oder Lucien Vidi (1805â1866) folgte zunĂ€chst seiner Leidenschaft fĂŒr Dampfmaschinen und Druckmessungen. Seine bedeutendste Leistung ist die Erfindung des Aneroidbarometers 1843, mit der er die meteorologische Messtechnik revolutionierte. Durch seine Erfindung konnten Luftdruckmessungen erstmals ohne die Nutzung gefĂ€hrlicher und unhandlicher QuecksilbersĂ€ulen durchgefĂŒhrt werden. Vidie entwickelte ein mechanisches MessgerĂ€t, das auf einer luftdicht verschlossenen, evakuierten Metallkapsel basiert. Die nach ihm benannten Aneroid- oder Vidie-Dosen verformen sich minimal, je nachdem, wie stark der Ă€uĂere atmosphĂ€rische Druck auf sie einwirkt. Ein ausgeklĂŒgeltes System aus Federn und Hebeln ĂŒbertrĂ€gt diese feinen Bewegungen der Kapselwand direkt auf einen Drehzeiger auf der Skala des GerĂ€ts. Im Gegensatz zu den bis dahin ĂŒblichen Quecksilberbarometern waren Vidies Instrumente kompakt, robust und hervorragend zu transportieren. Sie fanden schnellen Einsatz in der maritimen Navigation und im Haushaltsbereich.
Der Jesuit, Astronom und Physiker Angelo Secchi (1818â1878) aus dem Herzogtum Modena erfand den Meteorographen, ein automatisches GerĂ€t zur Aufzeichnung von Luftdruck, Temperatur, Windrichtung und -geschwindigkeit sowie Niederschlagsmenge.
Secchi erfand die Secchi-Scheibe, mit der die Wasserdurchsichtigkeit in Ozeanen und Seen gemessen wird. Er untersuchte das Klima in Rom, die Nordlichter, die Auswirkungen von Blitzen und die Ursachen von Hagel. Er interessierte sich fĂŒr die Beobachtung des Erdmagnetfelds und grĂŒndete 1858 ein magnetisches Observatorium in Rom. 1853 richtete Secchi das erste geomagnetische Observatorium in Italien ein. Sein Labor umfasste mehrere Instrumente zur Messung der StĂ€rke und Richtung des Erdmagnetfelds, anhand derer er berechnen konnte, wie sich dieses im Laufe der Zeit verĂ€ndert. Secchi stellte ZusammenhĂ€nge zwischen diesen Schwankungen und verschiedenen Arten von SonnenaktivitĂ€t her. Damit war Secchi einer der ersten Wissenschaftler, die sich mit Weltraumwetter befassten.
Auch in anderen Bereichen wie der Fehleranalyse und der Statistik gab es BeitrĂ€ge zur Meteorologie, die im dritten Abschnitt dieser Abhandlung kurz vorgestellt werden. Ebenso werden Persönlichkeiten prĂ€sentiert, die die Grundlagen fĂŒr die in der Meteorologie genutzten Bewegungsgleichungen legten. Den Abschluss bildet eine Dame, deren Beitrag zur Meteorologie erst vor kurzem entdeckt und wissenschaftlich ausgewertet wurde.
Der preuĂische Astronom Friedrich Wilhelm Bessel (1784â1846) gehörte zu den Ersten, die erkannten, dass verschiedene Fehlerquellen bei astronomischen Beobachtungen beseitigt werden mussten, bevor man sich auf diese Beobachtungen verlassen konnte. So wusste er beispielsweise, dass atmosphĂ€rische Effekte wie die Lichtbrechung einen erheblichen Einfluss auf seine Beobachtungen haben konnten. Bessel vertraute auf die QualitĂ€t der Beobachtungen der britischen Astronomen James Bradley (1692â1762) und Nevil Maskelyne (1732â1811) aus Greenwich, da diese in ihren Arbeiten Faktoren analysiert hatten, die ihre Messungen beeinflussen konnten, darunter die Temperatur und der Druck der AtmosphĂ€re. Bessel nutzte Bradleys Beobachtungen, um Brechungstabellen zu erstellen. Bei seinen eigenen Beobachtungen bemĂŒhte sich Bessel, alle Fehlerquellen (optische, mechanische und meteorologische) zu beseitigen, um Daten zu erhalten, die wesentlich zuverlĂ€ssiger waren als jene aus frĂŒheren Arbeiten, bei denen die Fehlerquellen auĂer Acht gelassen worden waren. Die Methoden der Fehleranalyse gingen im Nachgang auch in die Meteorologie ein.
Der belgische Astronom und Statistiker Adolphe Quetelet (1796â1874) grĂŒndete 1828 die Königliche Sternwarte von Belgien und wurde deren erster Direktor. Die Sternwarte sollte zur Basis fĂŒr seine umfangreichen magnetischen und meteorologischen Beobachtungen werden. Er widmete sich der Anwendung statistischer Verfahren auf meteorologische Daten und beschrieb das Klima Belgiens in seinem Werk âSur le Climat de Belgiqueâ. Die Königliche Sternwarte war der VorlĂ€ufer des heutigen Königlichen Belgischen Meteorologischen Instituts, und Quetelet kann als âVaterâ des meteorologischen Dienstes in Belgien angesehen werden. Als Direktor der Königlichen Sternwarte war Quetelet einer der belgischen Vertreter bei der Internationalen Konferenz in BrĂŒssel im Jahr 1853 (siehe Teil 17 der Serie zur Geschichte der Meteorologie). Ziel der Konferenz war die Schaffung eines einheitlichen internationalen Systems fĂŒr meteorologische Beobachtungen auf See. TatsĂ€chlich handelte es sich hierbei um das frĂŒheste formelle Treffen, bei dem eine bedeutende internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Meteorologie sowohl geplant als auch umgesetzt wurde. In diesem Sinne kann sie als erste internationale meteorologische Konferenz angesehen werden. Ihr Erfolg ebnete den Weg fĂŒr die GrĂŒndung der Internationalen Meteorologischen Organisation (IMO) 20 Jahre spĂ€ter, der VorgĂ€ngerin der Weltorganisation fĂŒr Meteorologie (WMO). Quetelet wurde einstimmig zum PrĂ€sidenten der Internationalen Seekonferenz gewĂ€hlt. Quetelet fĂŒhrte auch einige Beobachtungen der Nordlichter (Aurora borealis) durch, darunter jene, die wĂ€hrend des Sonnensturms vom 28. August bis zum 2. September 1859 auftraten.
Verschiedene Wissenschaftler lieferten das theoretische Fundament der kontinuumsmechanischen und atmosphĂ€rischen Bewegungsgleichungen. Sie beschreiben die Dynamik von Gasen und FlĂŒssigkeiten (Fluiden), und zwar vom abstrakten physikalischen Grundgesetz bis hin zur konkreten Wetter- und Klimamodellierung. Der französische Mathematiker und Physiker Augustin-Louis Cauchy (1789â1857) lieferte das abstrakte mechanische GerĂŒst, die Cauchy-Gleichungen. Diese basieren auf den Cauchy-Eulerschen Bewegungsgesetzen (zu Euler siehe Teil 9 dieser Serie zur Geschichte der Meteorologie) und stellen die reinste Form des zweiten Newtonschen Gesetz (nach dem englischen Universalgelehrten Isaac Newton (1643â1727)) dar. Diese sind allgemein gĂŒltig, da sie noch keine Annahmen ĂŒber das konkrete Material wie Luft oder Wasser machen. Um die abstrakten Cauchy-Gleichungen nutzbar zu machen, fĂŒgten der französische Mathematiker, Bauingenieur und Physiker Claude Louis Marie Henri Navier (1785â1836) und der irische Mathematiker und Physiker George Gabriel Stokes (1819â1903) ein Materialgesetz fĂŒr Newtonsche Fluide (wie Luft oder Wasser) hinzu, die als Navier-Stokes-Gleichungen bekannt sind. Der französische Physiker und Mathematiker SimĂ©on Denis Poisson (1819â1903) lieferte die thermodynamischen oder mathematischen Hilfsmittel zum SchlieĂen des Systems. Die atmosphĂ€rischen Bewegungsgleichungen passen das Ganze an unsere rotierende Erde an, um unter anderem aus diesen Wettervorhersagen zu ermöglichen.
Der schweizerisch-US-amerikanische Naturforscher und Geograph Arnold Guyot (1807â1884) kompilierte im Auftrag der Smithsonian Institution ab den 1850er-Jahren wegweisende meteorologische und physikalische Datentabellen. Das als Standardwerk etablierte Buch erschien erstmals 1852 unter dem Titel âA Collection of Meteorological Tables, with other tables useful in practical meteorologyâ. Die umfassende Sammlung enthĂ€lt Tabellen zu Luftdruck (barometrische Höhenmessung), Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeiten sowie physikalische Umrechnungsformeln fĂŒr verschiedene MaĂeinheiten. Guyots mathematisch-physikalische Tabellen erlangten weltweite Verbreitung und bildeten ein wichtiges Fundament fĂŒr die moderne Klimatologie und Meteorologie.
Obwohl die britische Mathematikerin Augusta Ada King-Noel, Countess of Lovelace oder Ada Lovelace (1815â1852) vor allem als Pionierin der Informatik und erste Programmiererin der Welt bekannt ist, zeigen im Jahr 2024 in den Archiven der Royal Society entdeckte Briefe eine weitere Facette ihrer wissenschaftlichen Arbeit. In einer Korrespondenz aus dem Jahr 1848 mit dem berĂŒhmten britischen Astronomen Sir John Herschel (1792â1871) entwickelte Lovelace mathematische AnsĂ€tze, um den Einfluss von Klimabedingungen auf das Wachstum von Kulturpflanzen darzustellen. Sie modifizierte dafĂŒr bestehende statistische Methoden und bezog physikalische GröĂen wie die Solarkonstante mit ein. Diese mathematischen Modelle flossen direkt in einen wissenschaftlichen Artikel ĂŒber Agrarmeteorologie ein, der formell von ihrem Ehemann, dem britischen Mathematiker William King-Noel, Earl of Lovelace (1805â1893), veröffentlicht wurde. Da Frauen der direkte Zugang zu vielen wissenschaftlichen Institutionen damals verwehrt blieb, war dies ihr Weg, aktiv an der Forschung teilzuhaben.
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nÀchste Teil wird weitere Persönlichkeiten vorstellen, die BeitrÀge und Grundlagenforschung zur Meteorologie im 19. Jahrhundert leisteten.






