Social
Drucken
29. Oktober 2026 | Dipl.-Met. Marcus Beyer

Wo bewegt sich der Herbst 2026?

Wo bewegt sich der Herbst 2026?

Datum 29.10.2026

Wie sich der Herbst 2026 bisher im Vergleich zu anderen Jahren zeigt, soll im heutigen Tagesthema näher unter die Lupe genommen werden.

Bisher milder bis sehr milder Herbst

Der Herbst zeigte sich in diesem Jahr bisher von seiner milden Seite. Betrachtet man den Zeitraum vom 1. September bis zum heutigen Tag, ergibt sich für das Flächenmittel über ganz Deutschland derzeit eine Abweichung vom vieljährigen Mittelwert von rund +2,1 K im Vergleich zu 1961–1990 beziehungsweise +1,7 K im Vergleich zu 1991–2020. Damit liegt der Herbst aktuell unter den zehn wärmsten Herbstperioden seit Beginn der Aufzeichnungen.

Im Oktober 2012 bereits regional tiefwinterlich

Entsprechend gab es in Deutschland bisher auch kaum winterliche Wettererscheinungen. Schnee wurde bislang allenfalls in höheren Lagen der Mittelgebirge, beispielsweise auf dem Brocken, oder in den Alpen registriert. In anderen Jahren sah das schon ganz anders aus. So lag beispielsweise am Morgen des 28. Oktober 2012 bis ins Vorland von Erzgebirge, Thüringer Wald und Alpen eine Schneedecke. Zudem gab es landesweit leichte bis mäßige Nachtfröste. Auf dem Fichtelberg lagen bereits 36 cm, in Neuhaus am Rennweg 23 cm Schnee. Selbst in München (8 cm) und am Flughafen Erfurt/Weimar (5 cm) gab es eine geschlossene Schneedecke.


Schneehöhen am Morgen des 28.Oktober 2012 in Deutschland.



Bilder aus Fürstenfeldbruck zum frühen Wintereinbruch 2012, Quelle: Christopher Roth


Aktuell ist Deutschland bis in die höheren Berglagen hinein schneefrei. Man muss schon auf die Zugspitze wandern oder fahren, um einen Hauch von Winter zu erleben. Ähnlich sieht es bei den Temperaturen aus: In vielen Regionen gab es bislang noch keinen Nachtfrost. Im Süden und Osten hat es zumindest regional für wenige Frosttage gereicht.

2003 als Extrembeispiel für eine frühe Kaltphase

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass in manchen Jahren frostempfindliche Pflanzen wie die Kapuzinerkresse zu diesem Zeitpunkt längst aus den Gärten verschwunden waren. Ein Beispiel ist das Jahr 2003 mit einem der kältesten Oktobermonate seit Beginn der Aufzeichnungen. Damals war es nahezu überall in Deutschland in mindestens einer Nacht frostig. Oft wurden sogar 10 bis 15 Frostnächte registriert. Auf dem Fichtelberg waren es 24, in Neuhaus am Rennweg 18 Frostnächte. In München und Erfurt kam man auf 9 beziehungsweise 11 Nächte. Zusammengefasst war das Jahr 2003 in der Nordosthälfte Deutschlands das frostreichste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn.

Ganz anders zeigt sich der Oktober 2022 mit einer Abweichung noch oben von 3,5 K im Vergleich zu 1961 bis 1990 (bzw. 3,1 K im Vergleich zu 1991-2020)


Auf der linken Karte wird das Temperaturmittel und die Abweichung zum vieljährigen Mittel für das Jahr 2003 gezeigt, in der Mitte für 2022. Rechts sieht man die Jahre mit den meisten Oktoberfrosttagen mit Jahr.


Entwicklung des Zeitpunktes für den ersten Nachtfrost der Wintersaison

Ein Blick auf die Langzeitstatistik zeigt, dass sich der Zeitpunkt des ersten Frostes im Jahr in einigen Regionen immer weiter nach hinten verschiebt. Betrachtet man beispielsweise Frankfurt am Main, trat der erste Nachtfrost im Mittel der Jahre 1961 bis 1990 häufig bereits am 20. Oktober auf. Im Zeitraum von 1991 bis 2020 war es dagegen erst der 1. November. Betrachtet man nur die letzten 15 Jahre, fällt der mittlere Termin sogar auf den 5. November. Den bisher spätesten ersten Frost gab es am 26. November 2022. Am frühesten war das Jahr 1979 mit dem 16. September dran. Im vergangenen Jahr 2025 trat der erste Nachtfrost am 17. November auf.


Die Karte zeigt von 1950 bis 2025 den ersten Frost der jeweiligen Wintersaison für die Station Frankfurt Flughafen.


Dieser Trend lässt sich allerdings nicht auf alle Regionen Deutschlands übertragen, wie der Blick auf einige andere Wetterstationen zeigt. In Essen und Oberstdorf lässt sich kein eindeutiger Trend ausmachen. Bei den Mittelwerten lag der Zeitraum 1991–2020 sogar etwas früher. Die Verschiebung nach hinten ist vor allem in tieferen Lagen im Süden und Südwesten deutlich erkennbar, wie auch das Beispiel der Station München Stadt zeigt.


Die Karten zeigen von 1950 bis 2025 den ersten Frost für Hamburg, Essen, München und Oberstdorf.



In der Tabelle sieht man den frühesten und spätestens Frost in der Wintersaison zwischen 1950 und 2025 für die Stationen Essen, Hamburg, Görlitz, Jena, München, Oberstdorf und Stuttgart.


Wie geht es weiter mit dem Herbst 2026

Schauen wir auf die weiteren Aussichten, so gestaltet sich das Wetter unter Hochdruckeinfluss in den kommenden Tagen ruhig. In einigen Regionen bleibt es ganztägig neblig-trüb. Frostige Nächte sind am ehesten im Alpenvorland oder im höheren Bergland zu erwarten. In den Hochlagen der südöstlichen Mittelgebirge und der Alpen ist für das kommende Wochenende sogar etwas Schnee vorhergesagt.

Für große Teile des Landes sind ein Wintereinbruch und frostige Nächte vorerst aber weiterhin nicht in Sicht. So wird auch der Flughafen Frankfurt zunächst weiter auf seinen ersten Frost des Winterhalbjahres 2026/27 warten müssen.

Sollten Sie den Eindruck haben, dass sich Gewitter im Allgemeinen und Tornados im Speziellen in diesem Jahr zurückhalten, dann liegen Sie nicht falsch. Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen prägen den Sommer 2026 in vielen Landesteilen.

Entsprechend liegt die Zahl der bisher in Deutschland bestätigten Tornados derzeit bei nur 13 Fällen. Ruft man sich die durchschnittliche jährliche Zahl von 49 bestätigten Tornados in Deutschland in Erinnerung, so gibt es noch reichlich Luft nach oben. Auch der August und der September gehören zu den Monaten, in denen häufiger Tornados auftreten. Zudem kann es sein, dass einzelne Verdachtsfälle später noch bestätigt werden. Trotzdem deuten die aktuellen Zahlen stark darauf hin, dass es 2026 eine deutlich unterdurchschnittliche Tornadosaison geben wird.


Die Grafik zeigt die Vorhersage der Höchst- und Tiefsttemperaturen für die nächsten fünf Tage in Deutschland.




© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

29.10. - Wo bewegt sich der Herbst 2026?

28.10. - Von der Feder zur digitalen Analyse - Die Wetterkarte Teil 1

26.10. - Herbstwetter mit zwei Gesichtern

25.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 21: Meteorologie im 19. Jahrhundert (b)

24.10. - Tief Manja: Schnell unterwegs, nicht nur beim Wind, sondern auch in der Entwicklung

23.10. - Sturmtiefs im Doppelpack

22.10. - Teils immer noch sehr trockene Böden

21.10. - Wer hatte Recht?

20.10. - Kulinarisches im Herbst

19.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

18.10. - Mission impossible

17.10. - Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

16.10. - Es grünt so grün

15.10. - Kaltfront in Lauerstellung

14.10. - Verifikation von Wettermodellen - Teil 2

13.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2

12.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1

11.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2

03.10. - Navier-Stokes - ein (un)lösbares Problem?

02.10. - Deutschlandwetter im September 2026

01.10. - Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

30.09. - Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!

29.09. - Kunterbuntes zum Monatswechsel