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26. Oktober 2025 | Dipl.-Met. Robert Hausen

Wassermassen im Paradies

Wassermassen im Paradies

Datum 26.10.2025

Jamaika und weitere Inselstaaten in der Karibik bereiten sich auf verheerende Auswirkungen durch Hurrikan MELISSA vor. Vor allem großräumige Überschwemmungen sind zu befürchten.

Während hierzulande das umfangreiche Sturmtief JOSHUA mit Zentrum bei Dänemark für klassisches Herbstwetter mit viel Wind, Regen und kühle Temperaturen sorgt, kommt es für Teile der Karibik in den kommenden Stunden knüppeldick mit Gefahr für Leib und Leben. So schickt sich zur langsam aber sicher zu Ende gehenden Hurrikansaison (im Normalfall bis Ende November) Hurrikan MELISSA an, der bis dato eher ruhigen Saison nochmal ein gewaltiges Ausrufezeichen zu verpassen.

Wobei man hierbei differenzieren muss. So war die Vorhersage des Klimaprognosezentrums der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) für eine tendenziell leicht überdurchschnittliche Wirbelsturmaktivität auf dem Nordatlantik durchaus zutreffend ( Thema des Tages vom 08.08.2025) und eben nicht gerade ruhig. Ein teilweise verzerrtes Bild in der Öffentlichkeit ist dadurch entstanden, dass bisher so gut wie keine Auswirkungen auf die US-Küste oder Karibikstaaten entstanden sind und es in der Mehrheit "nur" sogenannte Fischstürme über offenem Wasser waren. Die avisierten 6 bis 10 Hurrikans sind zwar noch nicht erreicht, MELISSA ist aber bereits der 5. Hurrikan der Saison und nach ERIN, GABRIELLE und HUMBERTO bereits der 4. Major Hurrikan (Kategorie 3+). Dabei ist die Prognose bezüglich der Anzahl schwerer Hurrikans bis zum Limit ausgereizt (vorhergesagt waren 2-5).


Satellitenbild von 12 UTC mit Hurrikan MELISSA südlich von Kingston/Jamaika (Quelle:DWD)


Mit einem Kerndruck von rund 950 hPa steuert der Wirbel nun allmählich auf Jamaika zu, liegt aktuell rund 200 km südöstlich des Inselstaates. Im Satellitenbild von 12 UTC erkennt man gut das Auge des Hurrikans (Bild 1). In den letzten 24 Stunden hat sich MELISSA extrem intensiviert, die Mittelwinde um rund 50 Knoten (entspricht knapp 100 Kilometer pro Stunde) auf über 120 Knoten (circa 220 km/h) zugenommen. Damit hat der Wirbel mal eben so die Hürde von einem Tropensturm zu einem Hurrikan der Kategorie 4 genommen, soll sich laut Prognosen des National Hurricane Centers bis zum noch auf Kategorie 5 mit dann 140 Knoten im Mittel hochschrauben. Spitzenböen können unfassbare 300 km/h überschreiten. Dafür findet MELISSA ideale Bedingungen mit Wassertemperaturen nahe 30 °C und keinerlei nennenswerter Änderungen der Windrichtung und -geschwindigkeit in höheren Luftschichten vor.

Als wäre das alles nicht schon genug, kommt nun noch erschwerend hinzu, dass sich der Hurrikan nur sehr langsam verlagert, derzeit mit gerade einmal 7 Kilometern pro Stunde westwärts. Laut übereinstimmenden Berechnungen erfolgt zum Montag dann der langsame Abzweig nordwärts, so dass das System in der Nacht zum Dienstag an der Ostseite Jamaikas aufschlagen dürfte. Dabei lädt es unvorstellbare Regenmassen ab. Aktuelle Prognosen gehen von verbreitet 300 bis 500, kleinräumig von mehr als 750 Litern auf den Quadratmetern (entspricht auch Millimetern/mm) aus, teilweise innerhalb von 24 Stunden (Bild 2). Zum Vergleich: Die durchschnittliche jährliche Niederschlagssumme liegt in Berlin bei etwa 600, in Düsseldorf bei rund 800 Litern pro Quadratmeter. Das bedeutet, dass sämtliche Summen aus winterlichen Niederschlägen und sommerlichen Gewittern hierzulande in diesem tropischen System binnen eines Tages abgeladen werden. Wahnsinn!


Prognostizierte 24-stündige Niederschlagssumme ab Sonntag, 26.10.2025 18 UTC (Quelle:DWD)


Dementsprechend sind bereits zahlreiche Warnungen der Behörden ausgegeben worden. Für Jamaika, zur Wochenmitte auch in Teilen Haitis, der Dominikanischen Republik und der Ostteil Kubas besteht erhöhte Gefahr von schweren Überschwemmungen, Landrutschen, zerstörter Infrastruktur und von der Außenwelt abgeschnittenen Regionen. Eine Flutwelle bis zu 4 Metern wird prognostiziert. Erst zum Donnerstag, wenn der Hurrikan von einem Höhentrog über dem Osten der USA eingefangen und dadurch beschleunigter nordostwärts geführt wird, kann Entwarnung gegeben werden. Es steht zu befürchten, dass man diesbezüglich bis dahin in den kommenden Tagen aber erstmal einiges an verheerendem Bild- und Videomaterial in den einschlägigen Medien zu sehen bekommen wird.



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