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13. November 2025 | M.Sc. Fabian Chow

Die Deckenkugel

Die Deckenkugel

Datum 13.11.2025

Unsere AtmosphÀre ist eine vielschichtige Gesellin. Im Thema des Tages vom 17.10.2025 wurde ihr vertikaler schichtartiger Aufbau skizziert. Nachdem es am 01.11. um die unterste Schicht, die TroposphÀre, ging, setzen wir heute die Reihe mit der nÀchsten Schicht fort: Der StratosphÀre. Es geht um einen weltumspannenden Schutzschild, Teamarbeit und Perlmutt.

Die AtmosphĂ€re ist eine Zwiebel! Dieser Satz eignet sich als "Icebreaker" hervorragend, stimmt aber natĂŒrlich nicht. Dass der schichtartige Aufbau der AtmosphĂ€re eine gewisse Ähnlichkeit zur Struktur einer Zwiebel hat, ist jedoch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Im Thema des Tages vom 17.10.2025 wurde schon ein kurzer Überblick ĂŒber die verschiedenen Schichten gegeben. Dem Aufbau der AtmosphĂ€re folgend, ist nun nach Betrachtung der TroposphĂ€re im TdT am 01.11.2025, die StratosphĂ€re an der Reihe.

Der Name dieser Schicht leitet sich aus dem lateinischen Wort "strātum" – Decke/Schicht und dem altgriechischen Wort "sphaira" – Kugel ab. Die StratosphĂ€re schließt an den oberen Rand der TroposphĂ€re (bzw. der Tropopause) an und erstreckt sich bis in eine Höhe von etwa 50 km, wo sie dann von der Stratopause begrenzt wird. Da sich das Wetter vorrangig unter ihr abspielt, ist sie wie eine Decke, die darĂŒber liegt. Der Name "Deckenkugel" beschreibt diesen Aspekt also ziemlich treffend.

Grundlage fĂŒr die Abgrenzung dieser Schicht ist der vertikale Temperaturgradient. In der TroposphĂ€re ist dieser negativ, in der StratosphĂ€re kehrt er sich jedoch auf einmal um und es wird wĂ€rmer mit der Höhe - von -50°C bis -80°C an der Unterkante, liegt die Temperatur am Oberrand der StratosphĂ€re wieder bei rund 0°C! Woran liegt das? Ausschlaggebend hierfĂŒr ist einerseits natĂŒrlich die Einstrahlung der Sonne, andererseits spielt ein ganz besonderes MolekĂŒl eine große Rolle. Es ist das Ozon(O3).

Von Ozon hört man oft genau dann viel, wenn es gerade fehlt. Ozon hat die Eigenschaft, dass es einen ganz speziellen Teil der Sonneneinstrahlung absorbiert. Die absorbierte Energie wird in WĂ€rmeenergie umgewandelt und erklĂ€rt die Temperaturinversion in der Schicht. Der sogenannte "Chapman-Zyklus" beschreibt dabei den Kreislauf des Ozons. Ultraviolette Strahlung (der WellenlĂ€nge λ<230nm) lĂ€sst SauerstoffmolekĂŒle(O2) in zwei einzelne Sauerstoffatome(O) zerfallen. Solch ein Sauerstoffatom kann sich nun wiederum an ein SauerstoffmolekĂŒl hĂ€ngen und es entsteht Ozon. Nach dieser Rechnung wird nun andauernd Ozon produziert. Ein Gleichgewicht stellt sich dadurch ein, dass Ozon unter Einfluss ultravioletter Strahlung (der WellenlĂ€nge λ<310nm) zu einem SauerstoffmolekĂŒl und einem Sauerstoffatom zerfĂ€llt und somit abgebaut wird. Das Ozon filtert somit die fĂŒr uns gefĂ€hrliche UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht.


Abb. 1: Schematische Darstellung des Chapman-Zyklus.
Abb. 1: Schematische Darstellung des Chapman-Zyklus.


Ein Fehlen jenes Schutzschildes in Form des bekannten Ozonlochs ist deshalb gefĂ€hrlich. Die Maßnahmen zum Schutze der Ozonschicht, allen voran das Montrealer Protokoll von 1987, regulieren die Verwendung von Ozon-abbauenden Stoffen und helfen bei der Wiederherstellung des ursprĂŒnglichen Zustandes der Ozonschicht. Dies ist das beste Beispiel dafĂŒr, dass globale Probleme tatsĂ€chlich durch Zusammenarbeit und Abkommen zwischen möglichst vielen LĂ€ndern lösbar sind!

Ein anderes spannendes Thema der StratosphĂ€re sind "Polare StratosphĂ€renwolken", die sogar entstehen, obwohl so gut wie kein Wasserdampf in dieser Schicht vorhanden ist. Im jeweiligen Winter ist es möglich, dass die Temperatur im Umfeld der Pole unter -78°C fĂ€llt. Diese Temperaturen sind tief genug, damit sich unterkĂŒhlte Tröpfchen oder Kristalle aus Salpeter- oder SchwefelsĂ€ure bilden können. Wenn Licht auf die Kristalle fĂ€llt, dann entstehen durch Beugungseffekte und Interferenz des Lichts faszinierende FarbverlĂ€ufe, weswegen diese Art der Wolken auch "Perlmuttwolken" genannt wird.


Abb. 2: Bild von StratosphÀrenwolken.
Abb. 2: Bild von StratosphÀrenwolken.


Nun können wir noch einen Blick auf die mittlere Luftzirkulation in der StratosphĂ€re werfen. Hier ist die "Brewer-Dobson-Zirkulation" das hervorstechende Element. Sie entsteht dadurch, dass tropische Luft bis in die StratosphĂ€re und sogar zum Teil in die darĂŒber befindliche MesosphĂ€re aufsteigt. Dort teilt sie sich und wird wĂ€hrend sie absinkt polwĂ€rts verlagert. Sie sorgt dafĂŒr, dass die StratosphĂ€re sowohl mit der TroposphĂ€re gekoppelt ist.


Abb. 3: Schematische Darstellung der Brewer-Dobson-Zirkulation.
Abb. 3: Schematische Darstellung der Brewer-Dobson-Zirkulation.


Wir haben nun etwas ĂŒber die Wichtigkeit von Ozon gelernt und ein hervorragendes Beispiel dafĂŒr kennengelernt, dass selbst so komplexe Probleme wie das Ozonloch durch Zusammenarbeit vieler Nationen bewĂ€ltigt werden können. Anschließen wurde ein Blick auf bunte Wolken geworfen. Zum Schluss gab es noch einen Abstecher in die Zirkulation und es ist ersichtlich geworden, dass die StratosphĂ€re zwar ein bisschen wie eine "Decke" fĂŒr das Wetter ist, aber dennoch mit der darunter und darĂŒberliegenden Schicht im Austausch ist und sie sich gegenseitig beeinflussen. Nun warten weitere atmosphĂ€rische Schichten darauf, etwas genauer betrachtet zu werden. Aber das ist eine Geschichte fĂŒr ein andermal...



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