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10. Dezember 2025 | M.Sc.Felix Dietzsch

Ein erster Griff in die Spekulatiuskiste

Ein erster Griff in die Spekulatiuskiste

Datum 10.12.2025

Das hiesige „Winter”-Wetter neigt, salopp gesagt, zur Langeweile. In den nächsten Tagen erwartet uns Dauergrau bei Plusgraden. Da hilft nur der Blick in die Zukunft: Nur noch 14 Tage bis Heiligabend! Da kann man ja vielleicht doch schonmal lunzen…?

Alle Jahre wieder… stellt sich die Frage nach der Weißen Weihnacht. Und ja, hin und wieder ist man ja der jährlichen Fragerei zugegebenermaßen auch etwas überdrüssig. Aber bei dem gegenwärtigen „Nicht-Wetter” wird es uns selbst zu bunt, und wir werfen mal einen Blick in die Kiste mit dem Wetter-Spekulatius. Irgendwie muss man sich ja die Zeit vertreiben ;-)

Ein erster Griff in die Kiste fördert den aktuellen Hauptlauf des europäischen Modells (ECMWF/IFS) zutage. Und der lässt einen ziemlich bedröppelt dreinschauen. Denn abgesehen von einem kurzen Übergreifen des Atlantiks um den 20. Dezember herum ist hier von Winterwetter nicht das Geringste zu sehen. Im Gegenteil: Blockierender Hochdruckeinfluss soll ohne Ende das Zepter schwingen und auch zu Heiligabend wetterbestimmend bleiben. Also Langeweile pur, vermutlich vielfach bei Dauernebel, grauem Himmel und alles andere als winterlichen Temperaturen. Na schöne Bescherung…

Das erfordert den Griff zum nächsten Spekulatius. Mal schauen, was die Amerikaner so im Gepäck haben. Das GFS-Modell neigt ja gerne mal zu fantastischen Spielereien und gar lustig anzuschauenden Wetterkarten – als wenn von denen am Ende ein einziges jemals Wirklichkeit geworden wäre… In den aktuellen Modellläufen hätte hier zumindest die meteorologische Langeweile deutlich schneller ein Ende. Allerdings: Auch hier von Winter keine Spur. Stattdessen übernimmt die Westdrift mit dem Atlantik und zahlreichen Tiefausläufern das Wettergeschehen. Das hätte auch ab Mitte kommender Woche zunehmend nasses und zeitweise wohl auch windiges Wetter zur Folge. Von Schnee und Kaltluft ist aber überhaupt nichts zu sehen. Aber immerhin käme es hier zu etwas Neuschneeauflage in den Alpen.

Aller guten Dinge sind aber drei, und so gibt es noch einen weiteren Griff zum Spekulatius. Der fördert die Ensemblerechnungen der Modelle zu Tage, die immerhin noch einen Rückschluss auf gewisse Wahrscheinlichkeiten zulassen. Das GEFS (also das Ensemble des amerikanischen Modells) zeigt zu Weihnachten im Mittel eine Hochdruckbrücke ausgehend von Südwest- über Mitteleuropa bis weit nach Russland. Kein echtes Winterszenario, sondern eher ziemlich risikobehaftet, was die Fortsetzung der meteorologischen Langeweile betrifft. Kalte Luftmassen lassen sich in diesem Szenario jedenfalls nicht ausmachen. Gleiches trifft für die Lösung der europäischen Modellkette zu. Da geht es am Ende nur um Detailunterschiede in der Lage von Druckgebieten. Interessant scheint hier maximal ein Tief über Oberitalien zu sein, das im Alpenraum für Neuschnee sorgen könnte.

 

Statistik: Weiße Weihnachten in Offenbach am Main seit 1954


Es sieht also gar nicht gut aus für die Weiße Weihnacht. Auch in diesem Jahr. Neu dürfte das für kaum jemanden sein. Hier bei uns in Offenbach gehen wir damit wohl in das fünfzehnte schneefreie Weihnachten in Folge. Dazu gibt es übrigens abschließend von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung eine schöne interaktive Darstellung. Dort kann man sich für seinen eigenen Wohnort die Geschichte der Weißen Weihnachten selbst visualisieren lassen. Mal sehen, wie es dann in zwei Wochen wirklich aussieht, denn schließlich gilt auch im Jahre 2025: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

 



© Deutscher Wetterdienst

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