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29. März 2026 | Dipl.-Met. Martin Jonas

Blick in die Karwoche

Blick in die Karwoche

Datum 29.03.2026

Das heutige Thema des Tages wirft einen Blick auf die erwartete Wetterentwicklung der bevorstehenden Karwoche.

Die Karwoche ist im christlichen Kirchenjahr die letzte Woche vor Ostern, wobei die Silbe "kar" laut wikipedia aus dem althochdeutschen abgeleitet wird und soviel wie "Klage", Kummer" oder "Trauer" bedeutet. Die Karwoche beginnt traditionell mit dem heutigen Palmsonntag und dauert bis zum Karsamstag, der manchmal fälschlicherweise als Ostersamstag bezeichnet wird.

Diese Genauigkeit soll an dieser Stelle nur zeigen, dass der Autor sich darüber im Klaren ist, dass die Überschrift "Blick in die Karwoche" nicht ganz sauber ausformuliert wurde. Denn genauer betrachtet werden soll in diesem Thema des Tages das Zeitfenster vom morgigen Montag (30.03.) bis zum Mittwoch (01.04.).

Die Bodendruckverteilung sowie die erwartete Lage der Fronten am Montagmittag ist in Abbildung 1 dargestellt. Der langgestreckte und wie ein Sprungseil durchhängende Frontenzug von Tief ODILE hat zu diesem Zeitpunkt von Nordwesten her schon große Teile Deutschlands überquert, während ODILE selbst über der Norwegischen See ihre Kreise zieht. Auf der Rückseite der Front dreht der Wind nicht nur auf Nordwest, er frischt auch merklich auf, was Sturmböen an den Küsten - speziell an der Nordsee, aber auch in den Hochlagen erwarten lässt.


Bodendruck- und Frontenvorhersagekarte für Montag, 30.03.2026, 12 UTC; Basis ICON, Lauf vom 29.03.2026, 00 UTC


Bezüglich der Sturmböen ist es damit aber nicht getan, denn auch in kräftigen Schauern und kurzen Gewittern, die recht verbreitet auftreten können, kommt die eine oder andere Sturmböe "um die Ecke". Das Ganze ist, auch wenn es noch Ende März ist, ein schönes Beispiel für Aprilwetter. Die charakteristischen Eigenschaften von Aprilwetter sollen morgen an dieser Stelle beleuchtet werden, daher dazu hier und jetzt nichts Tiefschürfendes. Außer der Prognose, dass das Aprilwetter auch am Dienstag anhält - wenn auch in abgeschwächter Form. Es wird dann nicht mehr so verbreitet "schauern" und "gewittern", insbesondere im Norden kommt häufiger mal die Sonne raus und im Vergleich zum morgigen Montag ist auch der Wind nicht mehr ganz so ruppig unterwegs. Letzteres ist schon ein Hinweis darauf, dass zum Mittwoch hin der Druck steigt und sich das Wetter beruhigt. Und in der Folge lassen auch die Niederschläge an den Alpen nach.

Beim Blick auf die Niederschläge zeigt sich die in der kommenden Nacht einfließende subpolare Kaltluft recht schneeaffin. Natürlich liegt die Schneefallgrenze je nach Region, Niederschlagsintensität, Tageszeit und Wind (Stichwort: Durchmischung) unterschiedlich hoch. Grob kann man aber anpeilen, dass oberhalb von 600 bis 800 m wohl eine oder mehrere Schneefallwarnungen fällig werden.

Die Abbildung 2 zeigt die akkumulierten Schneehöhen bis in die Nacht zum Donnerstag, links nach dem europäischen Modell IFS, rechts nach dem DWD-Modell ICON-EU. Auf den ersten Blick scheinen die Grafiken recht unterschiedlich, was auch den Einheiten und der Farbgebung geschuldet ist. Die Einheiten können aber tatsächlich 1:1 umgerechnet werden, und auch die unterschiedliche Farbgebung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei genauerem Hinsehen die Diskrepanzen nicht so hoch sind. So entspricht der Farbübergang von grün zu orange bei IFS (links) der von rot zu violett bei ICON-EU (rechts). Und der besagte Übergang liegt bei beiden Modellen am Alpenrand. Auch wenn beide Darstellungen ein mögliches teilweises Abschmelzen der Schneedecke mit der Zeit nicht berücksichtigen und der überwiegend nasse Schnee sich nicht so stark akkumuliert wie trockener Schnee, so können in den Alpen doch 20 bis 40 cm Neuschnee zusammenkommen. Auch in exponierten Mittelgebirgslagen sind hohe einstellige oder niedrige zweistellige Neuschneehöhen erreichbar. Manch einer oder eine mag schon keinen Schnee mehr sehen, andere freuen sich über eine - zumindest regionale - Verlängerung des Winters.


Akkumulierte Schneehöhen bis in die Nacht zum Donnerstag, links nach IFS, rechts nach ICON-EU


Unabhängig von Freud und Leid des teils winterlichen Wetters gilt es aber vor allem auch in den Nächten aufzupassen. Mit der Wetterberuhigung zur Wochenmitte breitet sich der Frost wieder vom Süden bis in die Mitte, teils auch bis in den Norden aus. Da heißt es nicht nur Vorsicht im Straßenverkehr, sondern auch nachts empfindliche Pflanzen zu schützen.

Der scheue Blick auf die zweite Wochenhälfte und die Osterfeiertage offenbart, dass nach derzeitigem Stand der Modelle in der zweiten Wochenhälfte die Kaltluft allmählich ausgeräumt wird. An den Osterfeiertagen könnten die Höchstwerte am Oberrhein dann schon wieder an der 20°C-Marke kratzen.



© Deutscher Wetterdienst

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