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10. April 2026 | M.Sc. Felix Dietzsch (Meteorologe)

Von Türmchen, Fasern und Linsen

Von Türmchen, Fasern und Linsen

Datum 10.04.2026

Die Hochdruckwetterlage der vergangenen Tage erzeugte regional einige interessante Wolkenformen, die man nicht so häufig beobachten kann. Eine passende Gelegenheit, um ein paar dieser speziellen Formationen unter die Lupe zu nehmen.

Jede Wolke ist für sich genommen ein Unikat. Nichtsdestotrotz treten verschiedene Bewölkungsformen immer wieder auf, sodass man eines Tages ein Klassifizierungssystem entwickelt hat, um diese Formen einzuordnen. Dabei hat man sich an der Biologie orientiert und unterteilt die verschiedenen Wolkenformen nach Gattung, Art und Unterart. Daneben gibt es noch bestimmte Zusatzeigenschaften, die an allen Wolkenarten auftreten können.

Grundsätzlich unterteilt man Bewölkung in drei bzw. vier verschiedene Gattungen nach der Höhe ihres Auftretens: Tiefe, Mittelhohe und Hohe Wolken. Neben diesen drei gibt es noch Wolkengattungen, die sich über mehrere oder alle Stockwerke erstrecken. Es existieren insgesamt zehn Gattungen. Zu den hohen Wolken gehören dabei Cirrus (Ci), Cirrocumulus (Cc) und Cirrostratus (Cs). Zu den mittelhohen Wolken gehören Altocumulus (Ac) und Altostratus (As). Stratocumulus (Sc) und Stratus (St) bilden die tiefe Bewölkung. Daneben gibt es mit Cumulus (Cu), Nimbostratus (Ns) und Cumulonimbus (Cb) drei Gattungen mit großer vertikaler Ausdehnung über mehrere Stockwerke.

All diese Wolkengattungen können in Form verschiedener Arten auftreten. Einige interessante davon sind z.B. Castellanus, Lenticularis und Fibratus.

Castellanus

Castellanus (cas) bezeichnet Wolkenarten, die Quellungen in Form kleiner Türmchen aufweisen, die aber an ihrer Basis miteinander in Verbindung stehen. Sie können an Cirrus-, Cirrocumulus-, Altocumulus- oder Stratocumulusbewölkung auftreten. Castellanus-Wolken weisen auf vorhandene Labilität in der Troposphäre hin und können erste Anzeichen bevorstehender Gewitterentwicklungen sein.


Altocumulus castellanus ( Quelle:Bild: Rüdiger Manig, DWD)


Lenticularis

Lenticularis (len) bezeichnet linsenförmige Wolken. Sie zeichnen sich durch eine laminare Erscheinungsform aus und können mitunter auch wie eine Art „UFO” aussehen. Lenticularis-Wolken treten in erster Linie bei Föhn auf und bilden sich oft auf der Leeseite der Gebirge durch dort entstehende Schwerewellen. Abseits davon können sich Lenticularis auch bei starker Richtungsscherung und dadurch entstehenden Scherungswellen bilden. Sie treten hauptsächlich an Cirrocumulus, Altocumulus und Stratocumulus auf.


Altocumulus lenticularis (Ac len). (Quelle:Rüdiger Manig, DWD)


Fibratus

Fibratus-Wolken (fib) entstehen vor allem an Cirrus- oder Cirrostratus-Wolken. Dabei bezeichnen sie dem Namen nach einen bestimmten faserigen Charakter, wobei sich diese Fasern mitunter über einen größeren Teil des Himmels erstrecken können. Sie entstehen u.a. durch hohe Windscherung in großen Höhen.


Cirrus fibratus (Ci fib). (Quelle:Rüdiger Manig, DWD)


Neben einigen Arten gibt es auch noch Unterarten und Spezialformen, die es sich lohnt, näher zu betrachten.

Mammatus

Mammatuswolken (mam)) bezeichnen Wolken mit beutelförmigen Ausbuchtungen nach unten. Am häufigsten kommen diese an den Eisschirmen bzw. dem Amboss von Cumulonimbuswolken vor. Daneben können sie aber auch an fast allen anderen Gattungen auftreten. Der genaue Entstehungsmechanismus von Mammatuswolken ist nicht vollständig erforscht, eine Rolle spielen hohe Windscherung sowie Verdunstungs- und Abkühlungsvorgänge an der Unterseite der Wolke.


Mammatuswolken über Gotha. (Quelle:Gertraud Vollrath)


Virga

Virga (vir) bezeichnet einen Niederschlagsfallstreifen unterhalb einer Wolke, der aber den Boden nicht erreicht. Meistens handelt es sich dabei um Niederschlag in fester Form (Schnee, Eiskörner, Kristalle, etc.), an tiefer Bewölkung aber auch in flüssiger Form, der in darunterliegenden trockenen Schichten verdunstet, bevor er den Erdboden erreicht.


Altocumulus virga (Ac vir). (Quelle:Rüdiger Manig,DWD)


Cirrus virga und Altocumulus virga waren beispielsweise in den letzten Tagen vermehrt im südlichen Hessen zu beobachten, vor allem in der Region zwischen Frankfurt am Main und dem Rheingau westlich von Mainz und Wiesbaden.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Wolkentypen finden sich im „International Cloud Atlas” der WMO oder im Karlsruher Wolkenatlas.



© Deutscher Wetterdienst

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