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14. Juli 2026 | M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

Datum 14.07.2026

Teils schwere Gewitter mit heftigem Starkregen und großem Hagel haben am gestrigen Montag über Teilen Norddeutschlands für schwere Schäden gesorgt. Auch heute sind erneut unwetterartige Gewitter möglich - wo und wie stark, soll daher das Thema des Tages sein.

Schwere Gewitter, darunter zeitweise auch rotierende Superzellen, haben am gestrigen Montagabend bis in die Nacht zum Dienstag hinein für Chaos in Norddeutschland gesorgt, bei dem auch die Region Hannover stark betroffen war. Innerhalb kürzester Zeit fielen um und über 25 l/m², was zu größeren Überflutungen führte. Andernorts sorgte Hagel mit 3-5 cm Durchmesser für Schäden an Vegetation, Autos und der Infrastruktur.

Nach den Unwettern ist jedoch vor den neuen Unwettern, denn an der Großwetterlage hat sich bis heute wenig geändert. Beim Blick auf die Bodenwetterkarte fällt das großräumige Hoch LAURENT über dem Nordwesten Europas auf, das bis nach Deutschland ragt. Auf der anderen Seite steht schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich entgegen, was aber insgesamt nur zu schwachen Luftdruckgegensätzen führt.


Die Bodenwetterkarte zeigt das umfangreiche Hoch LAURENT, dem nur schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich entgegensteht. Quelle: Deutscher Wetterdienst


Spannender ist dagegen ein Blick in rund 5,5 km Höhe: Hier sieht man ein umher waberndes Höhentief, dessen Zugbahn von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Es ist ein bisschen wie mit dem Fettauge in der Suppe: Es ist da, aber kleinste Impulse reichen für eine unvorhergesehene Verlagerung. Ebenso könnte man dieses Gebilde auch einfach als Höhenei bezeichnen.


In 5,5 km Höhe (500 hPa) ist deutlich das Höhentief über Mitteleuropa zu sehen, das wie ein Höhenei umher wabert und von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Quelle: Deutscher Wetterdienst


Dieses Höhentief war es gestern und ist es federführend auch heute, das die notwendige Hebung erzeugt, die zwingend für hochreichende Konvektion erforderlich ist. "Garniert" wird diese Gemengelage mit CAPE-Werten (siehe hierzu das Thema des Tages vom 01.07.2026) von rund 1.000 bis lokal 2.000 J/kg, die vor allem vom südlichen Niedersachsen bis zu den Alpen überregional zu finden sind. Die größte Feuchte jedoch liegt von der östlichen Mitte bis in den Süden vor, hier erreichen die Werte des niederschlagbaren Wassers bis zu 35-37 mm.

Fehlt zu guter Letzt noch das "i-Tüpfelchen", nämlich die Windscherung, also die Änderung des Windes mit der Höhe in Richtung und Geschwindigkeit. Hier wird deutlich, dass die besten Scherungsbedingungen vor allem von Hessen/Thüringen bis nach Franken, teils aber auch weiter südlich zu finden sind. Gegen Abend verstärkt sich diese mit einer zunehmenden Nordostströmung sogar noch etwas und erreicht Werte bis 25 m/s.


Die Zutaten für hochreichende, schwere Konvektion sind am heutigen Dienstag durchaus gegeben: Neben Hebung u.a. durch das Höhentief kommt es zu hohen CAPE-Werten über 1.000 J/kg, einem hohen Feuchtegehalt in der Luftmasse (PPW-Werte bis 37 mm) und guten Scherungsbedingungen, vor allem nachmittags und abends. Quelle: Deutscher Wetterdienst


Ergo kommt auch die Modellwelt zu dem Schluss, dass heute mit hochreichender, schwerer Konvektion sprich (unwetterartigen) Gewittern gerechnet werden muss. Diese bilden sich bereits ab dem frühen Nachmittag zunächst bevorzugt in bergigen Lagen der Mitte, um dann nach Lesart der deutschen Modellkette rund um ICON-D2 und ICON-RUC mehr und mehr in den Osten und Süden zu ziehen. Einzelne "Nachzügler" sind aber spätabends noch immer über der Mitte möglich.


Die prognostizierte Reflektivität für 18 Uhr zeigt deutliche Hinweise auf schwere Konvektion, vor allem von der Mitte bis in den Süden. Quelle: Deutscher Wetterdienst


Bei den Begleiterscheinungen steht heute vor allem der Starkregen im Fokus, der lokal bis zu 40 l/m², strichweise sogar zwischen 40 und 60 l/m² erreichen kann. Dazu kommen Sturmböen oder schwere Sturmböen zwischen 70 und lokal um 100 km/h. Vor allem im Initiierungsprozess eines Gewitters kann auch größerer Hagel über 3 cm dabei sein, später ist mit größeren Hagelansammlungen zu rechnen.

Am morgigen Mittwoch beruhigt sich das Wetter zwar über der Landesmitte, dem Süden drohen vor allem nachmittags und abends abermals starke Gewitter bis hin zu ausgewachsenen Unwettern. Mehr dazu im Laufe des Mittwochs.



© Deutscher Wetterdienst

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