20:11 MESZ | 21.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
18. Juni 2026 | M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert

Gewitter im Anmarsch: So verhalten Sie sich richtig

Gewitter im Anmarsch: So verhalten Sie sich richtig

Datum 18.06.2026

Die bevorstehende Hitze bringt nicht nur hohe Temperaturen, sondern auch zunehmende Gewittergefahr mit sich. Gerade im Sommer können sich rasch kräftige Gewitter bilden. Wer einige Verhaltensregeln kennt, kann Risiken deutlich reduzieren.

Derzeit rollt eine Hitzewelle auf Deutschland zu. Tageshöchstwerte von bis zu 38 Grad Celsius im Südwesten bringen uns in den kommenden Tagen ganz schön ins Schwitzen. Mit einer südwestlichen Strömung wird aber nicht nur heiße, sondern auch feuchte und energiereiche Subtropikluft nach Mitteleuropa geführt. In der Folge können sich in den kommenden Tagen teils kräftige Gewitter entladen.

Bereits ab der kommenden Nacht zum Freitag (19. Juni 2026) treten erste Gewitter im Nordwesten und Norden auf. Dabei ist die Unwettergefahr aber zunächst noch gering. Ab Freitagnachmittag bilden sich dann insbesondere über den westlichen und südwestlichen Mittelgebirgen sowie an den Alpen teils schwere Gewitter, die bezüglich Starkregen und Hagel auch unwetterartig ausfallen können. Innerhalb kurzer Zeit können kleinräumig Niederschlagsmengen erreicht werden, die einer halben Monatssumme oder mehr entsprechen. Darüber hinaus können lokal eng begrenzt auftretende (schwere) Sturmböen Äste abbrechen lassen oder vereinzelt Bäume umstürzen.

Am Wochenende breitet sich die Gewittergefahr dann landesweit aus. Lediglich im Südwesten könnten die Bedingungen für kräftige konvektive Entwicklungen aufgrund geringerer Feuchte und fehlender Auslöse weniger günstig sein. Am Sonntag lässt die Schauer- und Gewittergefahr in der im Norden einfließenden kühleren Nordseeluft dann nach. In der Mitte und im Süden muss aber weiterhin mit teils kräftigen Hitzegewittern gerechnet werden.


Cumulonimbus-Wolke bei Ernstthal am Rennsteig am 27. Juni 2020.


Wie so häufig bei sommerlichen Gewitterlagen gilt, dass nicht jeder Ort in Deutschland getroffen wird. Bilden sich die kräftigen Gewitter oder ziehen diese auf, erkennt man diese anhand der mächtigen, sich auftürmenden Wolkenformationen. Durch komplexe Prozesse innerhalb der Gewitterwolke werden elektrische Ladungen getrennt. Dadurch können Spannungen von mehreren Millionen Volt entstehen. Der Abbau dieser Spannung erfolgt dann in Form von Blitzen, vor denen man wohl besser in Deckung geht. Dort, wo die kräftigsten Entwicklungen auftreten, muss zudem mit Überschwemmungen, Hagelschlag und lokalen Sturmschäden gerechnet werden. Aber wie verhalte ich mich denn am besten, wenn ich im Freien von einem aufziehenden Gewitter überrascht werde?

Natürlich wäre die beste Lösung, Schutz in Gebäuden mit Blitzableitern oder Fahrzeugen mit metallener Karosserie zu suchen. Diese wirken nach dem Prinzip des Faradayschen Käfigs: Der elektrische Strom fließt über die Außenhülle und nicht durch den Innenraum, sodass die Gefahr von Verletzungen minimiert werden kann. Hat man im Moment des Gewitteraufzugs allerdings kein Gebäude oder Fahrzeug "zur Hand", ist man dann dem Gewitter hoffnungslos ausgeliefert?

Der Volksmund rät im Allgemeinen dazu, "vor Eichen zu weichen und Weiden zu meiden". Stattdessen sollte man "Buchen [auf]suchen". Davon ist allerdings abzuraten. Blitze suchen sich häufig hohe Objekte als Ziel aus, vor allem, wenn diese frei stehen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich dabei nun um eine Eiche oder eine Buche handelt. Ob ein Baum getroffen wird, hängt vor allem von seiner Höhe, seinem Standort und seiner Umgebung ab.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, sich von offenem Gelände, Berggipfeln sowie frei stehenden Objekten wie Bäumen, Antennen und ähnlich hohen Objekten fernzuhalten. Zu Überlandleitungen sollte ein Mindestabstand von 50 Metern unbedingt eingehalten werden. Schutz findet man möglichst in Bodensenken, sozusagen am niedrigsten Punkt der Umgebung. Dabei empfiehlt es sich, mit eng zusammengestellten Füßen in die Hocke zu gehen, damit die sogenannte Schrittspannung möglichst gering bleibt. Außerdem sollte man den Kopf und Nacken schützen, da Gewitter unter Umständen Hagelschlag verursachen. In leeren Flussläufen oder engen Schluchten sollte man jedoch bedenken, dass hier womöglich die Gefahr von Überschwemmungen aufgrund von Starkregen besteht. Außerdem empfiehlt es sich, nach Möglichkeit metallische Gegenstände vom eigenen Körper zu entfernen (z. B. Regenschirme, Golfschläger, Wanderstöcke, etc.). Diese erhöhen nicht die Wahrscheinlichkeit eines Blitztreffers, können aber bei einem Einschlag Verletzungen verursachen und sollten daher abgelegt werden.


Übersicht über geeignete Verhaltensregeln bei Gewittern im Freien.


Und falls ich mich nun zufällig in einem Wald befinde, wenn mich das Gewitter überrascht? Am besten suche ich dann Bereiche auf, an denen jüngere und kleinere Bäume stehen. Aber auch hier gilt, einen möglichst großen Abstand zu den höheren Bäumen einzuhalten. Denn dort kann nicht nur der Blitz einschlagen, kräftige Böen können Bäume auch durchaus zu Fall bringen.

Grundsätzlich sollte man bei einem Aufenthalt in der Natur immer aufmerksam sein und bei den ersten Anzeichen eines Gewitters, das heißt bei aufziehenden dunklen Wolken mit Blitz und Donner in der Ferne, möglichst einen sicheren Zufluchtsort suchen. Denn auch wenn sich das Gewitter nicht direkt über dem eigenen Standort befindet, ist Vorsicht geboten. Zum einen können Gewitterwolken eine große horizontale Ausdehnung erreichen, theoretisch ist darunter überall Blitzschlag möglich. Zum anderen können sich Blitze über mehrere Kilometer seitlich aus einer Gewitterwolke heraus ausbreiten und anschließend den Erdboden erreichen. Daher kann es in seltenen Fällen passieren, dass am Himmel die Sonne scheint und trotzdem ein Blitz aus dem Randbereich einer Gewitterwolke einschlägt - aus "heiterem Himmel" sozusagen. Bevor man sich nach einem Gewitter wieder ins Freie wagt, sollte man entsprechend möglichst so lange warten, bis sich die Wolke verzogen hat und man keinen Donner mehr hört.

Für den Ausflug ins Freie empfiehlt es sich natürlich, bereits im Vorfeld Informationen über mögliche Wettergefahren unter www.dwd.de einzuholen. Unterwegs lassen sich Wetterwarnungen auch bequem mit dem Smartphone über die DWD-WarnWetter-App empfangen.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?