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06. Juni 2026 | Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)

Eine Nebelnacht im Juni

Eine Nebelnacht im Juni

Datum 06.06.2026

In der vergangenen Nacht von Freitag auf Samstag waren die Bedingungen in Deutschland recht verbreitet gut für Nebelbildung. Ein kurzer Rückblick und ein wenig Kontext.

Tiefdruckgebiet PEGGY hatte Deutschland in den vergangenen Tagen einiges an teils unwetterartigem Niederschlag beschert. Mit Durchgang der dem Tiefdruckgebiet zugeordneten Kaltfront, sowie den zahlreichen teils schweren Gewittern in deren Peripherie war bereits am Donnerstag, dem 04.06.2026 relative verbreitet einiges an Niederschlag zusammengekommen. Für weite Teile Deutschlands fielen 5 bis 10 mm oft in kurzer Zeit, bei stärkeren Gewitterzellen oder Mehrfach-Treffern von Gewittern am selben Ort auch um 20 mm. Im Süden und Südosten von den Alpen bis zum Allgäu hielt sich der frontale Niederschlag dann ab Donnerstagabend etwas länger, und brachte auch dort bis in den Freitag hinein zwischen 10 und 15 mm Niederschlagssummen, teils auch etwas mehr. Rückseitig der durchgezogenen Kaltfront traten am gestrigen Freitag noch einmal verbreitet Schauer und insbesondere in der Nordhälfte Gewitter auf. Die Schaueraktivität ließ zum Abend hin nach und Zwischenhoch DJAMSCHID sorgte verbreitet für eine sternenklare Nacht. Die Taupunkte lagen in vielen Regionen nach den Niederschlägen noch vergleichsweise hoch, während die feuchten Böden durch Verdunstung zusätzlich Wasserdampf an die bodennahe Luftschicht abgaben. Mit der nächtlichen Abkühlung sank die bodennahe Lufttemperatur unter klarem Himmel rasch ab und näherte sich, trotz der vergleichsweise kurzen Nacht, vielerorts dem Taupunkt an. Dadurch stieg die relative Luftfeuchtigkeit kontinuierlich an, bis örtlich Sättigung erreicht wurde. Besonders in windschwachen Niederungen, Fluss- und Tallagen konnte sich die Luft in Bodennähe stark auskühlen, sodass Wasserdampf an Aerosolen kondensierte und sich dort Strahlungsnebel bildete.


Animation des Nebels/niedrige Wolken Produkts des EUMETSAT MTG Satelliten, für die Nacht vom 05.06.2026 auf den 06.06.2026.


Die Animation des EUMETSAT Satellitenprodukts zeigt anschaulich wie sich noch vor Mitternacht und in der zweiten Nachthälfte zunehmend Nebel entlang der unteren Donau und den angrenzenden Flusstälern Richtung Westen ausbreitete. In westlichen Landesteilen zog zeitweise hohe und mittelhohe Bewölkung herein, aber auch hier ist zwischen den Wolken sichtbar wie sich Nebel durch die Fluss- und Gebirgstäler "fraß": entlang des Mittel- und Niederrheins, der Mosel, verbreitet in Nordhessen und im Sieger- und Sauerland, sowie weiter südlich entlang des Mains.
Das dargestellte "Nebel/niedrige Wolken" Produkt (Fog/Low Clouds Night Microphysics) basiert auf Daten des SEVIRI Sensors an Bord des geostationären MTG (Meteosat Third Generation) Satelliten. Zur nächtlichen Nebelerkennung wird vor allem die Differenz der Helligkeitstemperaturen der infraroten Ausstrahlung bei 10,8 und 3,9 µm genutzt. Nebel und tiefe Stratuswolken bestehen überwiegend aus sehr kleinen Wassertröpfchen mit Radien in der Größenordnung von 10 µm. Die kleinen Nebeltröpfchen emittieren bei 3,9 µm weniger effizient als bei 10,8 µm, sodass die gemessene Helligkeitstemperatur im 3,9-µm-Kanal niedriger ausfällt. Daraus ergibt sich eine Temperaturdifferenz die charakteristisch für Nebel und tiefe Wasserwolken ist.


Warnkarte aus der WarnWetter-App vom 06.06.2026 um kurz vor 6 Uhr morgens, kurz bevor einige der ausgegebenen Nebelwarnungen ausgelaufen sind.


In der vergangenen Nacht entstand teilweise auch dichter Nebel mit Sichtweiten unter 150 Metern. Dementsprechend wurden in der zweiten Nachthälfte auch Nebelwarnungen vom DWD herausgegeben, wie auf der dargestellten Warnkarte von heute früh zu sehen. Nach Sonnenaufgang löste sich der Nebel rasch auf, die Sichtweiten stiegen wieder und die Warnungen liefen dementsprechend um 6:00 beziehungsweise 6:30 Uhr aus.



© Deutscher Wetterdienst

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