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07. April 2026 | M.Sc. Fabian Chow

Einheitenchaos - Teil 1: Temperatur

Einheitenchaos - Teil 1: Temperatur

Datum 07.04.2026

Temperatur, Windgeschwindigkeit, Niederschlag, Feuchte: Es gibt eine ganze Reihe an meteorologischen Größen, die irgendwie gemessen werden müssen. Das Problem: Nicht überall werden die gleichen Einheiten verwendet. Heute beginnen wir uns, durch den Maßeinheiten-Dschungel zu kämpfen.

Vielen hat es sich wohl im Physik- oder Matheunterricht in den Kopf gebrannt. Der Lehrer stellt eine Rechenaufgabe und plötzlich muss im Stress die Antwort berechnet werden und aus Versehen begeht man den unverzeihlichen Fehler die korrekte Einheit hinter sein Ergebnis zu setzen. Die darauf sofort folgende Frage: "XX was? Äpfel, Birnen, …?" wurde damals natürlich nur als vorsätzliche Quälerei wahrgenommen. Natürlich war es das nicht, denn es ist durchaus wichtig, die richtigen Maßeinheiten zu verwenden. Leider gibt es in der Meteorologie derart viele, dass man leicht den Überblick verliert. Daher wird es höchste Zeit, ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Beginnen wir mit der Temperatur. Das uns übliche vertraute Maß orientiert sich an der Celsiusskala. Anders Celsius, ein schwedischer Astronom, veröffentlichte 1742 die Idee, den Gefrierpunkt und den Siedepunkt von Wasser bei Normaldruck als Ausgangspunkte zu verwenden und den gemessenen Unterschied auf einem Quecksilberthermometer in 100 gleiche Teile zu unterteilen. Ursprünglich war sie jedoch noch umgekehrt definiert, sodass eine Erwärmung dazu führte, dass die Temperatur sank. Erst später wurde eine Invertierung beschlossen, die zu der nun bekannten Skala führte.
Die Kelvinskala wurde circa 200 Jahre später eingeführt. Sie ist der Celsiusskala sehr ähnlich. Der einzige Unterschied ist, dass der Nullpunkt den absoluten Nullpunkt und nicht den Gefrierpunkt von Wasser beschreibt. Das hat zur Folge, dass die beiden Skalen lediglich verschoben zueinander sind und die Umrechnung sehr einfach gestaltet: Zur Temperatur in Grad Celsius muss 273,15 hinzuaddiert werden, um bei Kelvin herauszukommen.

Diese zwei Alternativen sollten eigentlich genügen, aber so einfach ist es leider nicht. Insbesondere in der USA wird ein eigenes Süppchen gekocht und die Einheit Fahrenheit verwendet. Zugegebenermaßen sind wir daran gewissermaßen "selbst schuld", denn ihr Namensgeber ist der deutsche Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit. Er setzte seinen Nullpunkt bei -17,8 °C, da dies die kälteste Temperatur war, die er erzeugen konnte. Den Gefrierpunkt von reinem Wasser definierte er als 32 °F und die Körpertemperatur eines Menschen 96 °F (35,6 °C). Das macht leider die Umrechnung in Celsius komplizierter [°C] = ([°F] - 32) * 5/9. Auf Grundlage dieser Skala wurde außerdem die sogenannte "Rankine-Skala" definiert. Diese ist so verschoben (um 459,67 Einheiten), dass 0 °Ra dem absoluten Nullpunkt entsprechen. Sie ist somit das Pendant zu Kelvin.


Abb. 1: Darstellung der Celsius- und der Fahrenheit-Skala


Des Weiteren gibt es noch einige weitere historische, heutzutage nicht mehr verwendete Maßeinheiten. So ähnelt beispielsweise die Delisle-Skala, benannt nach dem französichen Astronomen Joseph-Nicolas Delisle, der ursprünglichen Celsiusskala. Der Siedepunkt von Wasser entspricht 0 °De und der Schmelzpunt 150 °De. Auch Isaac Newton entwarf ein eigenes Maß, dabei entsprechen 1 °N in etwa 3 °C, da der Siedepunkt von Wasser bei 33 °N festgelegt ist. Wenn also demnächst jemand die aktuelle Lufttemperatur wissen möchte, sollten Sie nun genügend Optionen haben, um Verwirrung zu stiften.



© Deutscher Wetterdienst

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