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14. Mai 2012 |

Mitten unter Eisheiligen

Im Witterungsablauf eines Jahres gibt es bestimmte Wetterlagen, die
jährlich nahezu um die gleiche Zeit wiederkehren. Zu diesen
meteorologischen Singularitäten oder Witterungsregelfällen gehören
die sog. Eisheiligen, auch "Eismänner" oder "gestrenge Herren" (mit
Dame!) genannt. Als Eisheilige zählen, je nach Region, drei bis fünf
Namens- und/oder Gedenktage von Heiligen und Märtyrern aus
frühchristlicher Zeit. Es sind dies Mamertus - 11. Mai, Pankratius -
12. Mai, Servatius - 13. Mai, Bonifatius - 14. Mai und nicht zu
vergessen "die kalte Sophie" am 15. Mai.

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Das Auftreten der Eisheiligen ist mit einer Kältewelle und
Nachtfrösten verbunden, die Schäden an empfindlichen Pflanzen oder
Saatgut verursachen. Laut Volksglauben stellt sich erst nach Ablauf
der Eisheiligen endgültig mildes Frühlingswetter ein, was sich in
diversen Bauernregeln widerspiegelt, wie z.B. "Vor Nachtfrost Du nie
sicher bist, bis Sophie vorüber ist." In Norddeutschland gelten der
11. bis 13. Mai, im süddeutschen Raum der 12. bis 15. Mai als
Eisheilige. Aber man sollte es mit dem Datum nicht so genau nehmen,
denn in Deutschland ist das Klima regional sehr unterschiedlich und
derartige Verallgemeinerungen sind wenig hilfreich. Fakt ist
vielmehr: auch im Mai sind noch Spätfröste möglich!

Eine typische "Eisheiligen-Großwetterlage" besteht dann, wenn
zwischen einem Hochdruckgebiet bei den Britischen Inseln und einem
Tief über Fennoskandinavien mit nördlicher oder nordwestlicher
Strömung polare Meeresluft nach Mitteleuropa fließt und unter
Hochdruckeinfluss gerät. So trug es sich seit Sonnabend, dem 12. Mai
2012, zu. In der Nacht zu Sonntag gab es dann in einem Streifen etwa
zwischen Westfalen und den östlichen Mittelgebirgen leichten Frost um
-1 °C, leichter Bodenfrost trat verbreitet auf. Noch sind die klaren
Nächte lang genug für markante Abkühlungsbeträge. Bis heute früh sank
das Quecksilber in der Mitte und im Süden Deutschlands verbreitet auf
-3 °C, in Erdbodennähe örtlich sogar bis -7 °C.

Bodenminima der vergangen Nacht


Im statistischen Mittel prägen sich die Eisheiligen heutzutage nur
noch alle fünf Jahre deutlich aus, während sie vor etwa einhundert
Jahren in sieben von zehn Fällen registriert wurden. Die Beantwortung
der Frage, ob die Eisheiligen dem Martyrium einer mutmaßlichen
globalen Erwärmung zum Opfer fallen, sei den Klimaforschern
überlassen. Auch wenn in den kommenden Tagen Tiefausläufer mit Wolken
und Niederschlägen die Atmosphäre durchmischen, die nordwestliche
Strömung bleibt uns im Wesentlichen erhalten, so dass es nachts
insbesondere bei klarem Himmel noch vielerorts frisch bis leicht
frostig werden kann.


Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.05.2012

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



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