12:38 MESZ | 24.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
09. Februar 2022 |

Zwei neue Weltrekorde

Zwei neue Weltrekorde

Datum 09.02.2022

Die meteorologische Weltrekordliste wurde vor kurzem durch zwei neue Beiträge ergänzt. Beide Eintragungen betreffen Megablitze - und zwar hinsichtlich maximaler Reichweite und längster Andauer.

Vor wenigen Tagen, mit Pressemitteilung vom 01.02.2022 (siehe weiterführende Informationen unter t1p.de/dfbb4), bestätigte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO, World Meteorological Organization) neue spektakuläre Weltrekorde. Bei zwei Blitzentladungen, einer in Nord-, der andere in Südamerika, konnten neue Höchstwerte gemessen bzw. beobachtet werden. Das für Wetter- und Klimaextreme zuständige Komitee bediente sich dabei zur genauen Beurteilung der Megablitze neuesten Satellitentechnologien.


Zum Vergrößern bitte klicken


Der nun längste jemals beobachtete Einzelblitz fand am 29. April 2020 im Süden der Vereinigten Staaten statt und legte eine horizontale Distanz von 768 km zurück (bei einem Unsicherheitsbereich von +/- 8 km). Um diese Entfernung richtig einordnen zu können, muss man sich vor Augen führen, dass dies ungefähr die Nord-Süd-Ausdehnung Deutschlands, d.h. die Luftlinie zwischen Flensburg und der Zuspitze ist. Der alte Rekord war um etwa 60 km kürzer (709 km) und trat am 31.10.2018 im südlichen Brasilien auf. Die Erhebungsmethodologie war dabei identisch ("great circle distance" bzw. "Großkreismethode").

Der am längsten andauernde Blitz stammt ebenfalls vom amerikanischen Kontinent, allerdings vom südlichen Teil. Dieser erhellte am 18. Juni 2020 den Himmel zwischen Uruguay und dem nördlichen Argentinien für satte 17,102 Sekunden (von seinem Anfang bis zum Ende) mit einer geringfügigen Messungenauigkeit von +/- 0,002 Sekunden). Damit blieb der Rekord in Südamerika, denn auch der bis dahin gültige Rekordblitz wurde in Argentinien mit 16,73 Sekunden gemessen (am 04. März 2019).

Natürlich sind Ereignisse solcher Dimension mit einem räumlich limitierten bodengebundenen Messnetz, wie es seit vielen Jahre zur Anwendung kommt, nur schwer zu detektieren. Daher extrahieren die damit befassten Wissenschaftler ihre Erkenntnisse, wie auch sonst häufig bei meteorologischen Untersuchungen, aus dem umfangreichen Datenschatz der geostationären Satelliten. Diese beobachten die Erdoberfläche und die Atmosphäre in einer Höhe von ca. 35 800 km Höhe über dem Äquator, denn dadurch ist sichergestellt, dass sich der Satellit relativ zur Erde nicht bewegt. Damit sind kontinuierliche Untersuchungen eines gewünschten Zielgebiets möglich. Ein für solche spezielle Zwecke konstruiertes Messgerät ist beispielsweise der sog. "Lightning Mapper", der auf den US-amerikanischen GOES-16 und 17 (detektierten die Rekorde) sowie auf dem europäischen Pendant Meteosat (dritte Generation, MTG) und einem chinesischen Satelliten verbaut ist.

Selbstverständlich kommen solche Megablitze nicht bei einem "gewöhnlichen" Gewitter vor, sondern sind eingebettet in große Gewittersysteme, sogenannten "Mesoscale Convective Systems (MCS)". Einige Regionen der Erde bieten besonders gute meteorologische, klimatologische und topographische Randbedingungen für die Entstehung solcher MCS. Unter anderem fallen darunter auch jene Regionen bzw. angrenzenden Gebiete, in denen nun diese Megablitze aufgetreten sind, wie das La-Plata-Becken in Südamerika und die Great Plains in den USA.

Die neuesten wissenschaftlichen Methoden erlauben nun, die komplexen Vorgänge bei einem Gewitter und die dabei entstehenden Blitzentladungen auf einer globalen Skala in hoher Auflösung zu untersuchen (sowohl Wolken-Erde-Blitze als auch jene innerhalb der Wolken). Die daraus abgeleiteten Erkenntnisse dienen anschließend dazu, die Auswirkungen und Gefahren von (Mega-) Blitzen neu einschätzen zu können. Besonders Länder mit einer noch eingeschränkten meteorologischen Überwachung werden davon besonders profitieren. Aber auch für unsere Breiten sind solche Forschungen von großem Nutzen, denn selbst in Deutschland sterben beispielsweise fast jährlich Menschen durch Blitzeinschläge. Besonders gefährlich sind dabei jene Blitze, die nicht in unmittelbarer Nähe zum Zentrum der Gewitterzelle in den Boden einschlagen. Daher sind zum Beispiel schon bei einem 10 km entfernten Gewitter schützende Bereiche aufzusuchen.

Zu den Untersuchungen erschien auch eine offizielle Publikation im "Bulletin of the American Meteorological Society" (siehe Links unter t1p.de/dfbb4).

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.02.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!