Carl Gustaf Rossby wurde 1898 in Stockholm geboren und galt spĂ€ter als Pionier in der Meteorologie, da er zum ersten Mal die groĂrĂ€umigen Bewegungen der AtmosphĂ€re in Bezug auf die Strömungsmechanik hinreichend erklĂ€rte.
In der Schule erhielt Rossby zunĂ€chst eine klassische geisteswissenschaftliche Bildung. Seine HochschulzugangsprĂŒfung legte er 1917 im Fach Latein ab, bevor er kurz darauf auch die ZusatzprĂŒfung ĂŒber die naturwissenschaftlichen FĂ€cher bestand.
Rossby nahm zunÀchst ein Studium der Medizin auf, bevor er zu den mathematischen Wissenschaften wechselte. 1918 beendete er bereits nach weniger als einem Jahr sein Grundstudium an der UniversitÀt Stockholm in den FÀchern Astronomie, Mathematik und Mechanik.
Nach seinem Abschluss setzte Carl Gustaf Rossby seine Studien an der UniversitĂ€t Stockholm ein Jahr lang fort und besuchte unter anderem eine Vorlesung von Vilhelm Bjerknes. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt keine meteorologischen Vorkenntnisse besaĂ, bewarb er sich auf Vorschlag seines Mathematikprofessors Ivar Bendixson als wissenschaftlicher Assistent von Bjerknes, der mittlerweile im norwegischen Bergen forschte. Bjerknes hatte dort gemeinsam mit seinen Kollegen seit 1917 die Bergener Schule aufgebaut, die theoretische und experimentelle Methoden zur Wettervorhersage kombinierte und kurz zuvor unter anderem die Polarfronttheorie erstmals beschrieben hatte.
1925 erhielt Rossby ein Stipendium der Sweden-America Foundation, um die Anwendung der Polarfronttheorie auf amerikanische WetterverhĂ€ltnisse zu untersuchen. WĂ€hrend er im US-Wetteramt in Washington DC eben daran arbeitete, war er auch an der Einrichtung des ersten Wetterdienstes fĂŒr die Zivilluftfahrt beteiligt.
In den 1930-er Jahren hatte Rossby akademische und wissenschaftliche Engagements am Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI), dem US Weather Bureau und der University of Chicago inne, wo er sich dem VerstĂ€ndnis des GroĂen widmete, d.h. groĂrĂ€umigen atmosphĂ€rischen Bewegungen. Er identifizierte und charakterisierte sowohl den Jet-Stream (Starkwindband am oberen Rand der TroposphĂ€re) als auch die langen Wellen in der so genannten Westwinddrift (vorherrschende westliche Strömung in den hohen und mittleren Breiten). Diese wurden spĂ€ter nach ihm als planetarische, also polumlaufende "Rossby-Wellen" (sinusförmige Wellenbewegung mit eingelagerten Gebieten hohen und tiefen Luftdrucks) bezeichnet.
Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete er mit anderen Wissenschaftlern zusammen, um mathematische Beschreibungen der atmosphĂ€rischen Dynamik zu entwickeln sowie Methoden und Konzepte fĂŒr die numerische Wettervorhersage zu etablieren, und dass zu einer Zeit, als die Computer zunehmend zum Einsatz kamen.
1957 starb Rossby im Alter von 59 Jahren an den Folgen eines chronischen Herzleidens.
Hier sollen kurz seine gröĂten Verdienste speziell fĂŒr die Meteorologie aufgefĂŒhrt werden:
Im August 1939 veröffentlichte Rossby erstmals seine theoretische Abhandlung zur globalen atmosphĂ€rischen Zirkulation, die er in die Tradition der geophysikalischen Hydrodynamik stellte. Sein bekanntestes Resultat war die Formel fĂŒr die Phasengeschwindigkeit der planetarischen Rossby-Wellen.
Seine wissenschaftlichen Arbeiten zu planetarischen Wellen beeinflussten vor allem die synoptische Meteorologie, innerhalb der die Vorhersage der langen Wellen bereits Ende der 1940-er Jahre als Routine etabliert war.
Heutzutage spielen planetarische Rossby-Wellen eine bedeutende Rolle fĂŒr die Wetter- und Klimaforschung. Auch in der Ozeanographie sind sie Teil aller modernen Theorien der groĂrĂ€umigen ozeanischen Zirkulation, auch wenn sie erst seit Mitte der 1990-er Jahre zuverlĂ€ssig experimentell nachgewiesen werden konnten.
Die bis heute bestehende Konvention, auf Wetterkarten Warmfronten rot und Kaltfronten blau zu kennzeichnen, geht ĂŒbrigens auch auf einen Vorschlag Rossbys zurĂŒck.
Der Wissenschaftshistoriker James Fleming bezeichnet Rossby nicht von ungefÀhr als "wohl einflussreichsten und innovativsten Meteorologen des 20. Jahrhunderts".
Dr. rer. nat. Jens Bonewitz
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 31.08.2020
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