Facebook Twitter
Drucken
09. August 2025 | Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Der Sommer mit Hindernissen nimmt zur neuen Woche richtig Fahrt auf!

Der Sommer mit Hindernissen nimmt zur neuen Woche richtig Fahrt auf!

Datum 09.08.2025

Nach einer recht kühlen und unbeständigen Witterungsperiode im Juli konnte der Sommer letzte Woche endlich seinen Neustart geben. Auch wenn ruhiges und trockenes Sommerwetter nachhaltig nicht in Sicht ist, zeigen zumindest die Temperaturen, was der Sommer auf Lager hat.

Hoch JULIA über dem Ostatlantik und Hoch INES über Osteuropa versuchen gemeinsame Sache zu machen und so die Wetterküche in Europa nachhaltig zu dominieren. Doch ganz geben die Tiefs nicht auf, die sich von Neufundland über den Nordatlantik bis nach Skandinavien tummeln und auch zahlreiche Frontenzüge im Gepäck haben. Da Deutschland zwischen JULIA im Westen und INES im Osten liegt, besteht genau hier eine Schwachstelle in der ausgeprägten Hochdruckzone. Diese nutzen derzeit wiederholt Tiefausläufer, um zumindest den Norden zu streifen (vgl. Grafik 1).


Prognostizierte Wetterlage Samstag, 9. August um 14 Uhr mit Hoch Julia über dem Ostatlantik und Hoch INES über Osteuropa. (Quelle: TKB-DWD)
Prognostizierte Wetterlage Samstag, 9. August um 14 Uhr mit Hoch Julia über dem Ostatlantik und Hoch INES über Osteuropa. (Quelle: TKB-DWD)


Zudem sorgen Prozesse in größeren Höhen dafür, dass das Wetter im Norden und teilweise auch in der Mitte derzeit zwar sommerlich warm, aber nicht ganz frei von Störungen ist. Neben dichteren Wolkenfeldern tröpfelte es am gestrigen Freitag vor allem von Hessen bis nach Sachsen und Franken bzw. der Oberpfalz. Dieser zusätzliche Feuchteinput sorgte schließlich dafür, dass es schwül wurde und die sehr warmen bis heißen Temperaturen schon wieder gen unerträglich gingen. Da half nur der Sprung ins kühlere Wasser, egal ob See, Fluss oder Schwimmbad. In der vergangenen Nacht und am heutigen Morgen tröpfelte es von Rheinland-Pfalz über Süd- und Mittelhessen hinweg bis nach Franken und Südthüringen weiter. Nicht nur, dass die dichteren Wolken das nächtliche Abkühlen ausbremsten und somit Tiefstwerte zwischen 20 und 16 Grad brachten, der leichte Regen feuchtete die Luft nochmals an, sodass im Tagesverlauf bei zunehmendem Sonnenschein schwül-heiße Werte zum Schwitzen anregen. Dies beschreibt auch die Karte für das thermische Empfinden mittels der gefühlten Temperatur für den heutigen Samstag. Vor allem südlich von Mosel und Main sowie in Teilen Ostdeutschlands werden heiße Werte über 32 Grad erwartet (vgl. Grafik 2). Vor allem für wetterfühlige und beeinträchtigte Menschen kann es demnach im Süden und Teilen der Mitte und Ostens zu einer hohen Gefährdung der allgemeinen Befindensbeeinträchtigungen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Beschwerden) kommen (vgl. Grafik 3).


Gefühlte Temperaturen für Samstag, 9. August (links) und für die Nacht auf Sonntag, 10. August (rechts). Vor allem im Süden tagsüber ein heißes thermischen Empfinden. (Quelle: DWD)
Gefühlte Temperaturen für Samstag, 9. August (links) und für die Nacht auf Sonntag, 10. August (rechts). Vor allem im Süden tagsüber ein heißes thermischen Empfinden. (Quelle: DWD)





Gesundheitliche Bedeutung für Wetterfühlige bezüglich allgemeiner Befindensbeeinträchtigungen mit einer hohen gesundheitlichen Gefährdung im Süden und Teilen der Mitte und des Ostens. (Quelle: DWD)
Gesundheitliche Bedeutung für Wetterfühlige bezüglich allgemeiner Befindensbeeinträchtigungen mit einer hohen gesundheitlichen Gefährdung im Süden und Teilen der Mitte und des Ostens. (Quelle: DWD)


Aber zurück zu unseren Hochs. Vor allem JULIA wird in den kommenden Tagen das Wetter in Deutschland prägen. Sobald der Tiefausläufer des Tiefs zwischen Island und Norwegen ost- bis südostwärts gezogen ist und voraussichtlich nur im Norden ein paar Regentropfen abgeladen hat, zieht Hoch JULIA am Sonntag mit seinem Schwerpunkt Richtung Britische Inseln und die südwestliche Nordsee. Damit schiebt JULIA aber hinter der Kaltfront vorübergehend nochmals kühlere Nordseeluft ins Land, die fast bis zu den Alpen vorankommt. Diese gelangt vor allem in der Südwesthälfte rasch unter den Einfluss von JULIA. Bei nur wenigen Wolken kann dort die Sonne lange scheinen. Anders im Norden und Osten, wo die Kaltfront samt der feuchten Luft teilweise dichtere Wolkenfelder produziert und lokal auch mal etwas Regen bringen könnte. Auch wenn die Kaltfront nahezu wetterinaktiv den Weg nach Südosten sucht, wird der Luftmassenwechsel bei den Temperaturen sichtbar. Im Norden sollen die Höchstwerte unter den Wolken mal wieder wenig sommerliche Werte unter 25 Grad erreichen. Der mäßige und stark böige Nordwestwind lässt schließlich die Temperaturen noch etwas kühler wirken (Wind-Chill-Effekt). Aber auch sonst gehen die Temperaturen im Vergleich zum heutigen Samstag zurück und pendeln zwischen 24 und 30 Grad, im Südosten örtlich auch nochmals bis heiße 32 Grad.

Zur neuen Woche will es Hoch JULIA aber so richtig wissen und nimmt Südwest-, West und Mitteleuropa in die Hitzezange. Denn JULIA wandert mit ihrem Schwerpunkt nach Polen bzw. Rumänien. Gleichzeitig kann sich von den Britischen Inseln ein Tief Richtung Nordwestfrankreich schieben. Damit kann von der Iberischen Halbinsel richtig heiße Luft über Frankreich bis nach Mitteleuropa gelangen (vgl. Grafik 4). Entsprechend sollen die Höchstwerte hierzulande dann von 21 bis 32 Grad am Montag auf 27 bis 37 Grad am Mittwoch ansteigen. Zudem macht sich die heiße subtropische Luft auch in der Nacht zum Mittwoch bemerkbar, indem die Temperaturen vor allem in der Südwesthälfte des Landes regional nicht mehr unter 20 Grad sinken (tropische Nacht, vgl. Grafik 5). Leider verliert aber auch das Hoch an Einfluss, sodass ruhiges und trockenes Hochdruckwetter eher nicht nachhaltig in Sicht ist. Stattdessen steigt ab Dienstag von Süden und Westen das Gewitterrisiko. Gebietsweise kann sich wieder ordentlich etwas zusammenbrauen. Die Folge wären mal wieder starke, teils schwere Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel. Zudem wäre die Luft schwül-heiß und daher für viele Menschen eher unerträglich.

Im Trend soll es voraussichtlich sommerlich warm, aber auch unbeständig bleiben. Wie immer sind die mittelfristigen Prognosen aber auch mit größeren Unsicherheiten behaftet.


Prognostizierte Wetterlage für Dienstag, 12. August um 14 Uhr mit Hoch JULIA über Osteuropa, einem Randtief über England sowie Zufuhr heißer subtropischer Luft von Süden. (Quelle: DWD)
Prognostizierte Wetterlage für Dienstag, 12. August um 14 Uhr mit Hoch JULIA über Osteuropa, einem Randtief über England sowie Zufuhr heißer subtropischer Luft von Süden. (Quelle: DWD)



Prognostizierte Tiefsttemperaturen für die Nacht auf Mittwoch mit tropischer Nacht (> 20 Grad) im Westen und Südwesten (links) und Höchstwerte mit Maxima bis 37 Grad (rechts). (Quelle: DWD)
Prognostizierte Tiefsttemperaturen für die Nacht auf Mittwoch mit tropischer Nacht (> 20 Grad) im Westen und Südwesten (links) und Höchstwerte mit Maxima bis 37 Grad (rechts). (Quelle: DWD)




© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

21.01. - Inversionen soweit das Auge reicht

20.01. - Eisnebelhalos - ein himmlisches Phänomen auf Erden

19.01. - Sturmtief „Harry“ und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum

18.01. - Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland

17.01. - Sonne rauf, Temperaturen runter, Niederschlag Fehlanzeige

16.01. - Jahresvorausschau 2025 - Ein Rückblick

15.01. - Sicher auf dem Eis?!

14.01. - Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr

13.01. - Rückblick und Warnmanagement

12.01. - Wie geht es weiter mit dem Glatteis?

11.01. - Überregionale Glatteislage - Winterabschied mit der Brechstange

10.01. - Rückblick auf Sturmtief ELLI

09.01. - Bergland oder Tiefland? Wozu gehöre ich?

08.01. - Die Außenkugel

07.01. - Vollkorn oder Graupel?

06.01. - Brisante Wetterlage im Anmarsch?!

05.01. - Winterwunderland Deutschland – aber nicht überall!

04.01. - Gekommen, um zu bleiben

03.01. - Deutschlandwetter im Jahr 2025

02.01. - Deutschlandwetter im Dezember 2025

01.01. - Turbulente erste Tage im Jahr 2026!

31.12. - Das Wetter in der Silvesternacht – der Winter zeigt viele Facetten!

30.12. - Jahresvorausschau 2026

29.12. - Silvesterwetter

28.12. - Schneeflocken nicht nur aus Papier

27.12. - Nicht aufs Glatteis führen lassen

26.12. - Kleines meteorologisches Weihnachtsgedicht

25.12. - Kaltes Hochdruckwetter prägt Weihnachten

24.12. - Weihnachten vor 15 Jahren: "Scarlett" schneite den Süden Deutschlands ein

23.12. - Wie lange hält das hochdruckdominierte Wetter an?