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08. März 2026 | M.Sc. Meteorologe Nico Bauer

Gewitter und Saharastaub

Gewitter und Saharastaub

Datum 08.03.2026

Aktuell sorgt Saharastaub teils für eine deutliche Eintrübung des Himmels. Diese Staubpartikel können das Wettergeschehen maßgeblich beeinflussen. Können sie auch Gewitter verstärken?

Hoch KONRAD und sein Mitspieler JANNIS bestimmen das Wettergeschehen in weiten Teilen von Mitteleuropa. Auf der Rückseite des Hochs werden dabei sehr milde Luftmassen nach Deutschland geführt. Gleichzeitig beeinflusst ein Höhentief den südwestlichen Mittelmeerraum sowie Teile Nordafrikas. Dort kommt es über Nordafrika und der Sahara zu Schauern und Gewittern, wodurch Saharastaub aufgewirbelt und weit nach Norden bis nach Mitteleuropa transportiert wird.

Trotz Hochdruckeinfluss präsentiert sich der Himmel am heutigen Sonntag daher vielerorts nicht völlig klar. Sichtbar wird der Saharastaub durch eine milchig-weiße bis leicht gelbliche Einfärbung des Himmels. Diese entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts an den Staubpartikeln in der Atmosphäre.

Die Staubaerosole wirken zudem als Eiskeime und können dadurch die Wolkenbildung beeinflussen. Bei solchen Wetterlagen bilden sich daher häufig hohe Schleierwolken, die die Sonneneinstrahlung dämpfen. Dadurch kann auch die Temperaturentwicklung etwas geringer ausfallen als ursprünglich prognostiziert.

Analysekarte für Sonntag, den 08.03.2026 um 12 UTC. Weiterhin bestimmt hoher Luftdruck das Wettergeschehen in weiten Teilen Mitteleuropas. (Quelle: DWD)



Vorhersage der Staubkonzentration über Europa für Montag, den 09.03.2026 um 06 UTC. Erhöhte Staubkonzentrationen befinden sich vor allem über Südwest- und Westdeutschland. (Quelle: DWD)


Doch welchen Einfluss haben solche Staubausbrüche auf die Gewitterbildung?

Gelangen größere Mengen Saharastaub in höhere Schichten der Troposphäre, kann dies die atmosphärische Stabilität verändern. Staubpartikel absorbieren einen Teil der kurzwelligen einfallenden Sonnenstrahlung, wodurch sich in der Höhe eine relativ warme Luftschicht bildet. Diese wirkt wie eine Art Deckel und kann die Entwicklung von Schauern und Gewittern zunächst hemmen.

Gleichzeitig agieren Staubpartikel jedoch auch als Kondensations- und Eiskeime. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass Hagelereignisse bei erhöhter Staubbelastung über Mitteleuropa häufiger auftreten können. In den untersuchten Fällen lag die Staubkonzentration an Tagen mit Hagel im Durchschnitt etwa 1,8-mal höher als an Tagen ohne Hagel.

Durch die erhöhte Anzahl an Aerosolen in der Troposphäre verzögert sich häufig der Niederschlagsbeginn. Dadurch können sich mehr unterkühlte Wassertröpfchen bilden – ein entscheidender Prozess für die Entstehung von Hagel.

Allerdings zeigt sich dieser Effekt vor allem bei moderaten Staubmengen. Bei sehr hohen Staubkonzentrationen überwiegt die stabilisierende Wirkung der erwärmten Luftschicht. In diesem Fall werden Aufwinde abgeschwächt und die Entwicklung kräftiger Gewitter kann teilweise unterdrückt werden.

Betrachtet man verschiedene Gewittertypen, zeigt sich ein differenziertes Bild: Schwache Einzelzellengewitter werden durch Saharastaub häufig eher gehemmt. Multi- und Superzellengewitter können hingegen unter bestimmten Bedingungen sogar begünstigt werden. Durch die größere Anzahl an Aerosolen entstehen mehr unterkühlte Wassertröpfchen und der Niederschlagsbeginn verzögert sich. Dies kann langlebige Gewitterzellen fördern.

Zudem kann bei solchen Gewittern auch eine erhöhte Blitzaktivität auftreten. Durch die größere Anzahl an Eispartikeln in der Gewitterwolke kommt es verstärkt zu Ladungstrennungen – ein wichtiger Prozess für die Blitzentstehung. Besonders Wolkenblitze können dadurch häufiger auftreten.

Aktuell ist vor allem im Südwesten des Landes eine erhöhte Staubkonzentration erkennbar. Dazu sind bereits Morgen über dem südwestlichen Bergland einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Am Dienstag und vor allem am Mittwoch treten dann voraussichtlich etwas häufiger Gewitter auf. Da es sich dabei meist um schwache Einzelzellengewitter handeln dürfte, könnte die erhöhte Konzentration an Saharastaub in der Troposphäre einen hemmenden Einfluss auf deren Entwicklung nehmen.



© Deutscher Wetterdienst

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