Je weiter eine Wettervorhersage in die Zukunft reicht, desto stĂ€rker verlĂ€sst sie den Bereich der konkreten Einzelprognose und bewegt sich in Richtung statistischer AbschĂ€tzung möglicher Entwicklungen. Der Grund dafĂŒr liegt in der chaotischen Natur der AtmosphĂ€re: Schon kleine Unsicherheiten in den Anfangsbedingungen können im Laufe der Zeit zu deutlich unterschiedlichen WetterverlĂ€ufen fĂŒhren. Um diese Unsicherheit abzubilden, werden in der modernen Wettervorhersage sogenannte Ensembles verwendet. Dabei wird ein numerisches Wettermodell viele Male mit leicht verĂ€nderten Anfangsbedingungen gerechnet. Interessiert man sich dann zum Beispiel fĂŒr die Wetterentwicklung ĂŒber Europa in einer Woche, wĂ€re der unmittelbarste Ansatz, sich jeden einzelnen Modelllauf des Ensembles anzuschauen.
WĂ€hrend dieser Ansatz sĂ€mtliche Information der einzelnen Ensemble-Member erhĂ€lt, ist er in der Praxis generell weder intuitiv noch ĂŒbersichtlich. ZusĂ€tzlich zeigt Abbildung 1 nur einen Zeitpunkt pro Ensemble-Member. Um sich einen Ăberblick zu verschaffen ist es also wichtig den Output der vielen ModelllĂ€ufe zu verdichten, um relevante Informationen ĂŒber die mögliche VariabilitĂ€t der Wetterentwicklung herauszufiltern - ein zentraler Aspekt in der heutigen Wettervorhersage.
Ein möglicher Ansatz, der direkt aus Abbildung 1 folgt, ist die sogenannte Cluster-Analyse. Dabei werden die Ensemble-Mitglieder anhand bestimmter Fehlermetriken nach Ă€hnlichen Mustern (hier im 500 hPa Geopotenzial) gruppiert, sodass typische Szenarien in der Wetterentwicklung sichtbar werden. Abbildung 2 zeigt, dass fĂŒr die Tage um den 19. MĂ€rz 2026 die Reichweite der möglichen Entwicklungen vergleichsweise ĂŒbersichtlich ist, da sich vier reprĂ€sentative Cluster aus den einzelnen Ensemble-Mitgliedern ergeben. Diese Cluster fassen die wesentlichen Varianten der prognostizierten Wetterentwicklung zusammen und erleichtern damit die Interpretation des Ensembles erheblich.
Eine weitere Möglichkeit, die Informationen eines Ensembles zu verdichten, besteht darin, gezielt auf Extremwerte einzelner meteorologischer Parameter zu schauen. Einen solchen Ansatz verfolgt der sogenannte Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF. Der EFI fasst die Ensemble-Informationen zu einem bestimmten Parameter, beispielsweise der Temperatur oder des Niederschlags, in einem einzigen Wert zusammen. Er gibt Aufschluss darĂŒber, wie ungewöhnlich ein wahrscheinlich bevorstehender Wert im Vergleich zur klimatologischen Verteilung ist.
Der EFI wird berechnet, indem die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Ensemble-Mitglieder fĂŒr einen bestimmten Zeitpunkt und Ort mit der entsprechenden Klimaverteilung verglichen wird. Je stĂ€rker und konsistenter sich die Vorhersagen des Ensembles von der Klimaverteilung entfernt, desto nĂ€her liegt der EFI bei Werten von plus oder minus 1:
- EFI nahe 0: Die prognostizierten Bedingungen liegen im Bereich des fĂŒr die Jahreszeit ĂŒblichen Modellklimas.
- EFI deutlich positiv (z. B. > 0,7): Ein groĂer Teil der Ensemble-Vorhersagen liegt im oberen Extrembereich oder jenseits der klimatologischen Verteilung - ein Hinweis auf ungewöhnlich hohe Werte.
- EFI deutlich negativ: Die Prognose bewegt sich im unteren Extrembereich, etwa bei ungewöhnlicher KÀlte oder sehr niedrigen Werten.
Der VollstĂ€ndigkeit halber zeigt Abbildung 3 den EFI fĂŒr die Temperatur ĂŒber Zentral-Europa um den 19. MĂ€rz. Das Signal ist hier insgesamt nicht stark ausgeprĂ€gt, was bedeutet, dass die prognostizierten Temperaturen gröĂtenteils im normalen Rahmen fĂŒr die Jahreszeit liegen. Positive Werte ĂŒber dem Ărmelkanal und der Biskaya deuten auf höhere Wahrscheinlichkeiten fĂŒr lokal ungewöhnlich warme Bedingungen hin.
WĂ€hrend ĂŒber Zentral-Europa um den 19. MĂ€rz nur ein schwaches EFI-Signal fĂŒr auĂergewöhnliche Temperaturen sichtbar ist, zeigt sich ĂŒber dem Westen der USA im selben Zeitraum ein deutlich ausgeprĂ€gteres Signal. Der EFI weist hier verbreitet Werte um 1 auf, was auf hohe Wahrscheinlichkeiten fĂŒr das Auftreten auĂergewöhnlich warmer Temperaturen fĂŒr diese Jahreszeit hinweist. Nachdem das robuste Signal mithilfe der abstrakten EFI-KenngröĂe identifiziert wurde, lohnt es sich, die zugehörige Wetterlage und konkrete Temperaturen zu betrachten. Das identifizierte Signal hĂ€ngt mit einem ausgeprĂ€gten stationĂ€ren HöhenrĂŒcken zusammen, der sich Ende kommender Woche ĂŒber dem westlichen Nordamerika etabliert hat (Abbildung 5). FĂŒr Los Angeles in Kalifornien werden ĂŒber mehrere Tage hinweg Temperaturen ĂŒber 30 Grad erwartet, in Phoenix (Arizona) sogar ĂŒber 36 Grad. FĂŒr weite Regionen im Westen der USA ist das gleichbedeutend mit einer mehrtĂ€gigen Abweichung vom klimatologischen Temperaturmittel um mehr als 10 Grad!







