22:59 MESZ | 22.07.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
18. September 2018 |

Die Entstehung der modernen Wetterdienste

Die Entstehung der modernen Wetterdienste

Datum 18.09.2018

"Um deine Zukunft zu kennen, musst du deine Vergangenheit kennen" - George Santayana. Wir werfen einen kleinen Blick in die Geschichte des Weltwetterdienstes.

Um die Zukunft der Meteorologie beschreiben zu können, man muss erst die Vergangenheit kennen. Wir starten im 15. Jahrhundert. Damals gab es in Südkorea einen König, der den Regen messen wollte, um von den Bauern Steuern zu sammeln. Und so hat sein Sohn, der Kronprinz, Cheugugi, den ersten Niederschlagsmesser, erfunden. Zu dieser Zeit gab es schon Hygroskope (erste Hygrometer), die Luftfeuchtigkeitsänderung mithilfe von Wolle oder Baumwolle erkennen konnten, und Windplatten (erste Anemometer), die Windrichtung und -geschwindigkeit gemessen haben.


Zum Vergrößern bitte klicken


Im 17. Jahrhundert war Ferdinando II de' Medici, der Großherzog von Toskana, an der Wissenschaft interessiert, er sammelte neue Technologien als Hobby. Sein kleiner Bruder hatte eine Wissenschaftlergesellschaft - die Accademia del Cimento - in Florence geschaffen und mit der Unterstützung des Großherzogs entstand das erste Wetterbeobachtungsnetzwerk. Die Wissenschaftler haben in mehreren europäischen Städten (siehe Karte) Wettertagebücher geführt. Dabei nutzten sie diverse verfügbare Technologien, wie Barometer und von Ferdinando entwickelte Alkoholthermometer sowie Schnee oder Eis Kondensationshygrometer. So wurde vor 364 Jahren das erste organisierte Beobachtungsnetzwerk gegründet, alles dank eines alten reichen Mannes.

Von da an unterstützten die Menschen solche Gesellschaften weiter und mit der Zeit haben sich die meteorologischen Messgeräte verbessert. Aber was wirklich einen Unterscheid machte, war die Erfindung des elektrischen Telegraphs. Damit wurde der gesamte Prozess der organisierten Beobachtungsnetzwerke erst belebt, konnte man Wetterwerte nun leichter mit anderen Institutionen austauschen.

Fast 200 Jahre nach der Wissenschaftlergesellschaft des alten reichen Mannes, nämlich 1851, wurde der älteste nationale Wetterdienst der Welt in Österreich unter dem Namen "Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik" gegründet. Kurz darauf wurde das Meteorologische Amt des Vereinigten Königreichs (Met Office) von einer privaten zu einer öffentlichen Einrichtung umgewandelt.

Der Rest der Welt hat mehr als 20 Jahre gebraucht um aufzuholen. Das Wetteramt der Vereinigten Staaten von Amerika (National Weather Service, NWS, damals United States Weather Bureau), das als eines der führenden Wetterämter der Welt gilt, wurde erst 1870 gegründet. Die Inder waren die nächsten, sie gründeten 1875 ihre Meteorologische Abteilung (India Meteorological Department, IDM). Im Jahr 1881 wurde das Finnische Meteorologische Zentralamt (Finnish Meteorological Institute, FMI) innerhalb der Universität Helsinki gegründet. Zwei Jahre später begannen die Japaner (Japan Meteorological Agency, JMA) mit der Erstellung von Oberflächenwetterkarten. Der erste Wetterdienst auf der Südhalbkugel war das 1906 gegründete australische Amt für Meteorologie (Bureau of Meteorology, BOM).

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) wurde 1952 gegründet, also fast 300 Jahre nach der Wissenschaftlergesellschaft des alten reichen Mannes. Heute betreibt der DWD das dichteste und größte meteorologische Messnetz in Deutschland mit 51 hauptamtlichen mit Personal besetzten Wetterwarten, darunter 16 Flugwetterwarten, und 131 hauptamtlichen automatischen Wetterstationen. Das nebenamtliche Messnetz des DWD umfasst 1794 Stationen, die von ehrenamtlichen Wetterbeobachtern betreut werden.

Met. Moza Al-Marhoobi (Praktikantin) in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.09.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im Südwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im Südwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

04.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

03.07. - Endlich wieder Durchlüften - aber wie lange?

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2026

01.07. - Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

30.06. - Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

29.06. - Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

28.06. - Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

27.06. - Hitze, Blitz und Donner!

26.06. - Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

25.06. - Heiß, heißer, HARTMUT!

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer