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21. Mai 2025 | Dipl.-Met. Simon Trippler

Der Wetterhahn

Der Wetterhahn

Datum 21.05.2025

Einen Wetterhahn gibt es auf so manchem GebÀude. Was aber hat es damit auf sich? Und warum ist der Wetterhahn ein Hahn?

Wer sich aufmerksam durch die Lande bewegt, kann sie mancherorts entdecken: WetterhÀhne! Meist finden sie ihren Platz auf Kirchenturmspitzen, manchmal aber auch auf PrivathÀusern.


Wetterhahn im Abendrot, aufgenommen am 29.09.2021 in Ober-Erlenbach (Hessen) (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst(Thomas Wetter))


Der Wetterhahn ist im Grunde ein Windrichtungsanzeiger. UrsprĂŒnglich ist er eine meist aus Kupfer- oder Eisenblech hergestellte flache Nachbildung eines Hahns in Form eines zweidimensionalen Scherenschnitts von etwa 30 x 30 cm GrĂ¶ĂŸe. HĂ€ufig wurde er auch noch vergoldet oder zumindest Teile von ihm. Heutzutage werden zur Herstellung vielfach andere wetterfeste Materialien verwendet, beispielsweise Edelmetalle, hochwertige Kunststoffe oder Ton. Von der Form her sind mittlerweile zum Teil sogar dreidimensionale WetterhĂ€hne in Gebrauch.

Und es ist nicht nur beim Hahn-Motiv geblieben. Beliebt sind inzwischen z.B. auch Katzen, Pferde, Traktoren, Eulen, Schiffe oder Hexen. Durch die Hexen sollen - zumindest, wenn man daran glaubt - zusÀtzlich ungebetene GÀste und böse Geister abgehalten werden. Bei den Katzen könnte man jede neue Bewegung der Katze bei einer neuen Windböe mit dem Jagen einer Maus verbinden.

Der Wetterhahn jedenfalls war das erste Motiv fĂŒr diesen speziellen Windrichtungsanzeiger. UnbestĂ€tigten Berichten zufolge stammt der erste Wetterhahn vom Bischof Rampertus aus Brescia (Italien), der ihn im Jahre 820 n. Chr. aus Bronze herstellen und auf dem Dach der Kirche San Faustino Maggiore befestigen ließ.

Warum aber wĂ€hlte er einen Hahn? Eine mögliche Deutung könnte sein: Vermutlich hatte der Bischof die Bibelstelle gelesen, in der Jesus dem Apostel Petrus prophezeite: "Ehe der Hahn krĂ€hen wird, wirst du mich dreimal verleugnen" (MatthĂ€us 26, 75). Petrus verleugnete dem Evangelium zufolge tatsĂ€chlich dreimal Jesus nach dessen Verhaftung, aus Angst vor eigener Verfolgung. Als der Hahn dann krĂ€hte, schĂ€mte sich Petrus angesichts der Prophezeiung von Jesus und verkĂŒndete daraufhin den neuen Glauben. Der Hahn kann also als Mahnung verstanden werden, sich nicht nach dem Wind zu drehen, sondern wie Petrus den christlichen Glauben treu zu vertreten.

Technisch gesehen ist der Wetterhahn eigentlich nichts anderes als eine Windfahne. An ihm lÀsst sich ablesen, aus welcher Richtung der Wind weht. Dazu muss der Hahn selber drehbar sein. Zur besseren Erkennung der Windrichtung befindet sich unterhalb des Hahnes hÀufig ein Kreuz mit einer Anzeige der vier Himmelsrichtungen.

Weht nun der Wind, dreht sich der Hahn so, dass ihm von vorne der Wind ins Gesicht pustet. "Schaut" er also nach Norden, haben wir Nordwind. Dreht der Wind dann wieder seine Richtung, weht er auf die Seite des Wetterhahns. Dabei ist der Druck auf die grĂ¶ĂŸere FlĂ€che des Schwanzes stĂ€rker als die auf den Kopf. Deshalb dreht sich das Hinterteil mit dem Wind, wĂ€hrend der Kopf im Wind steht. So wird immer die aktuelle Windrichtung angezeigt.

Vor allem in frĂŒheren Zeiten ohne modernere Messinstrumente konnten die Menschen so nicht nur die Windrichtung erkennen, sondern bei einer WindrichtungsĂ€nderung, ob es zu einem Wetterumschwung kommt.
Und wenn der Wetterhahn irgendwann einmal in die Jahre kommt und nicht mehr funktioniert, dann halte man sich doch an den Tipp aus dem Gedicht "Der Wetterhahn" von Wilhelm Busch aus dem 19. Jahrhundert:

"Wie hat sich sonst so schön der Hahn
Auf unserm Turm gedreht
Und damit jedem kundgetan,
Woher der Wind geweht.

Doch seit dem letzten Sturme hat
Er keinen rechten Lauf;
Er hÀngt so schief, er ist so matt,
Und keiner schaut mehr drauf.

Jetzt leckt man an den Finger halt
Und hÀlt ihn hoch geschwind.
Die Seite, wo der Finger kalt,
Von daher weht der Wind."



© Deutscher Wetterdienst

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