Edward Norton Lorenz, (geboren am 23. Mai 1917 in West Hartford, Connecticut, USA, gestorben am 16. April 2008 in Cambridge, Massachusetts, USA) war ein amerikanischer Mathematiker und Meteorologe. Lorenz galt und gilt als der Pionier und Entdecker des grundlegenden Mechanismus sowie der Formulierung des so genannten deterministischen Chaos (also nur bedingt vorhersagbare Prozesse), was andererseits eines der Prinzipien der KomplexitÀt gerade bei den der Wettervorhersage zugrundeliegenden physikalischen Prozessen in der AtmosphÀre darstellt. In diesem Zusammenhang soll auch auf das Thema des Tages vom 01.07.2021 verweisen werden.
Nachdem er am "Dartmouth College" und an der "Harvard University" Mathematik studiert hatte, wandte sich Lorenz 1942 beim U.S. Army Air Corps mehr und mehr der numerischen Wettervorhersage zu. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Forscher am "Massachusetts Institute of Technology", wo er den Master- (1943) und Doktortitel in Meteorologie (1948) erwarb, aber auch weiterhin in der Lehre tĂ€tig war. SpĂ€ter wurde er dann Leiter der meteorologischen Abteilung des Instituts. In den frĂŒhen 1960er Jahren entdeckte Lorenz, dass die atmosphĂ€rischen Prozesse gerade aufgrund thermodynamischer GesetzmĂ€Ăigkeiten in deren zeitlichem Ablauf nichtlineare Strukturen (keine einfache bzw. abhĂ€ngige Abfolge von Prozessen) aufweisen. Diese Eigenschaft ist auch als sensitive bzw. stark empfindliche AbhĂ€ngigkeit der zeitlichen Entwicklung diverser KenngröĂen (auch Parameter genannt) von den jeweiligen Anfangsbedingungen bekannt (siehe auch Thema des Tages vom 01.07.21).
Lorenz konstruierte unter anderem ein Wettermodell, das zeigte, dass zwei sehr nahe beieinanderliegende bzw. benachbarte Ausgangspunkte (oder Parameter), die das aktuelle Wetter anzeigen, in ihren Bahnen (kennzeichnend fĂŒr die dynamische VerĂ€nderung der Parameter) zeitlich ziemlich schnell auseinanderdriften und recht hĂ€ufig in unterschiedlichen Strukturen enden, die entweder ruhigem oder eben stĂŒrmischem Wetter entsprechen.
Dieses PhĂ€nomen, das eine langfristigere Wettervorhersage scheinbar unmöglich macht, erklĂ€rte er der Ăffentlichkeit als "Schmetterlingseffekt": In China schlĂ€gt ein Schmetterling mit seinen FlĂŒgeln, was ein paar Tage spĂ€ter zu unvorhersehbaren VerĂ€nderungen des Wetters in den USA fĂŒhrt. FĂŒr seine bahnbrechenden Arbeiten (seine Erkenntnisse wurden 1963 in einem Artikel mit dem Titel "Deterministic Nonperiodic Flow" veröffentlicht) erhielt Lorenz 1983 den Crafoord-Preis der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften und wurde 1991 mit dem Kyoto-Preis ausgezeichnet.
AbschlieĂend lĂ€sst sich festhalten, dass einerseits viele Prozesse in der AtmosphĂ€re, die mit dem Eintrag von WĂ€rmeenergie (fĂŒhlbare und latente WĂ€rme) verbunden sind, prinzipiell die Unordnung oder Entropie des Gesamtsystems teilweise bzw. regional differenziert erhöhen können. Dieser Faktor wirkt daher immer limitierend auf den zeitlichen Verlauf der PrognosegĂŒte. Andererseits gelingt es der modernen Meteorologie dank verfeinerter Fern- und Naherkundungsverfahren sowie exakterer Darstellung der physikalischen Prozesse in den Wettermodellen immer besser, sowohl die Anfangsbedingungen genauer zu erfassen als auch die Vorhersagefehler gerade in der kurz- und mittelfristigen Wettervorhersage (auch durch kontinuierliche Datenerfassung und entsprechende Modellanpassung) zu reduzieren. Damit wird auch die von Lorenz beschriebene UnschĂ€rfe lĂ€ngerfristiger Vorhersagen zumindest etwas verringert.
Dipl.-Met. Dr. Jens Bonewitz
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 16.07.2021
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



