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22. August 2020 |

Ein schlechtes Gewitterjahr?

Ein schlechtes Gewitterjahr?

Datum 22.08.2020

Im heutigen Thema wird eine erste Bilanz der Gewittersaison 2020 gezogen. Starkregen, Wind, Hagel und Tornados ... welche Aussagen lassen sich dazu vergleichend mit anderen Jahren treffen.

In den zurĂŒckliegenden Tagen und Wochen gab es ĂŒber Deutschland verteilt hĂ€ufig Gewitter. Dabei hat es den einen öfter getroffen, den anderen nur selten oder vielleicht gar nicht. Die hĂ€ufigen Gewitter im August können aber nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass die Gewittersommerbilanz 2020 in einigen Regionen eher mau ausfallen wird. Aber trifft dies auch auf die Begleiterscheinungen der Gewitter wie Starkregen, Hagel, Wind und Tornados zu?


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Werfen wir zunĂ€chst einen Blick auf die Blitzstatistik. Schon im Mai entsprach die durchschnittliche Anzahl der Blitze in Deutschland nur etwa 50 % der ĂŒblichen Zahl. Im ersten Sommermonat Juni setzte sich dieser unterdurchschnittliche Trend fort. Der Juli mit seinen langen Trockenphasen brachte dann einen neuen Negativrekord bei der Anzahl der registrierten Blitze ĂŒber Deutschland. Der Großteil wurde in Bayern registriert (70%), wĂ€hrend es in anderen BundeslĂ€ndern fast gar nicht blitzte. Im Vergleich: 2019 gab es dreimal so viele Blitze wie in diesem Jahr. Und auch wenn der Augustmonat am Ende durchschnittlich ausfallen sollte, Ă€ndert dies nichts daran, dass der Sommer 2020 als eher gewitterarmes Jahre in die meteorologischen GeschichtsbĂŒcher eingehen wird.

Aber wie schaut es mit schadenstrĂ€chtigen Begleiterscheinungen aus? In der europĂ€ischen Unwetterdatenbank (European Severe Weather Database ESWD) vom ESSL (European Severe Storms Laboratory) werden alle bekannt gewordenen Schadensmeldungen in Europa, und damit auch Deutschland, gesammelt. Als Vergleich werden die vergangenen fĂŒnf Jahre jeweils vom 01.06. bis 31.08. betrachtet. Die Kriterien sind die Folgenden: Hagel: mind. 2 cm, Wind: mind. 25 m/s (90 km/h), Regen: signifikante SchĂ€den oder außergewöhnlich hohe Niederschlagsmenge.

ZunÀchst ein Blick auf die Gesamtbilanz. Mit bisher 1207 registrierten Unwettermeldungen lÀsst sich im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren keine besondere AuffÀlligkeit feststellen. Ganz im Gegenteil, hier zeigt sich das Jahr 2020 als durchschnittlich. Anders sah es im Trockensommer 2018 mit nur 664 Meldungen aus.

Schaut man etwas mehr ins Detail, dann fĂ€llt auf, dass die HĂ€lfte aller Ereignisse auf schadenstrĂ€chtigen Starkregen zurĂŒckzufĂŒhren ist. Seit Sommerbeginn (01.Juni) wurden bis zum 21.08.2020 630 Ereignisse erfasst. Damit stellt der Sommer 2020 einen neuen Höchstwert im Vergleich zu den Jahren seit 2015 dar. Bisher hatte 2016 mit 487 FĂ€llen die Krone auf.

Ganz anders verhÀlt es sich bei der Begleiterscheinung Wind. Gerade einmal 269 Meldungen konnten bisher erfasst werden. Damit liegt dieser Sommer gleichauf mit 2018 (268) und weit entfernt von 2015 (989). Auch die TornadoaktivitÀt hielt sich in Grenzen. 16 Tornados konnten bisher beobachtet werden, wobei ein Teil davon sogenannte Wasserhosen waren. Anders im Jahr 2016, als ganze 61 FÀlle in den drei Sommermonaten verzeichnet wurden.

AuffĂ€llig ist noch eine neue Höchstzahl bei den Hagelmeldungen (292). Im Jahr 2018 waren es im Vergleich dazu nur 69. Es muss aber auch erwĂ€hnt werden, dass richtig großer Hagel von 5 cm und mehr eher selten aufgetreten ist. Die RekordhagelkorngrĂ¶ĂŸe in Deutschland stammt ĂŒbrigens aus dem August 2013 mit gut 14 cm.

Bleibt noch die Frage: Warum ist die Statistik, wie sie ist? AuffĂ€llig im Jahr 2020 ist, dass abseits der hĂ€ufigen Trockenphasen oft eine sogenannte "Sumpflage" ĂŒber Deutschland vorherrschend war. Das heißt die Windgeschwindigkeiten in höheren Luftschichten, die bestimmen, wie schnell sich Gewitter verlagern, waren oft nur gering. Gleichzeitig gab es viel Feuchtigkeit in der Luft. Damit ließen die sich nur langsam verlagernden Gewitter örtlich große Mengen an Regen fallen, was die hohe Anzahl an Starkregenereignissen erklĂ€rt.

Auf der anderen Seite kann man damit auch verstehen, warum nur wenig Wind- und Tornadoereignisse auftraten und verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig "kleine" Hagelmeldungen einliefen. FĂŒr stĂ€rkere Wind,- Hagel- und Tornadoereignisse sind ganz pauschal gesagt hĂ€ufig "dynamische" Gewitterlagen verantwortlich. Das bedeutet, dass es eine starke Änderung des Windes mit der Höhe gibt, wodurch sich sogenannte "Superzellen" entwickeln können. Wie bereits angesprochen, war der Wind in der Höhe eher schwach und so ist es nur konsequent, dass im Vergleich zum Starkregen die anderen Begleiterscheinungen eher in den Hintergrund getreten sind.

Zu guter Letzt noch der Hinweis, dass auch im Mai und September hĂ€ufig sommerliche Gewitter auftreten können. Diese wurden hier nicht berĂŒcksichtigt und könnten in der Gesamtbilanz ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum noch Verschiebungen bringen. In dieser Statistik ging es hingegen rein um die Sommermonate.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.08.2020

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