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17. August 2020 | Dipl.-Met. Marco Manitta

Faszination Blitze, Erlebnis einer Gewitternacht

Faszination Blitze, Erlebnis einer Gewitternacht

Datum 17.08.2020

Zahlreiche Gewitter waren in der Westhälfte Deutschlands in der vergangenen Nacht unterwegs und haben durch viele Blitze die Nacht erleuchtet. Ein kurzes Erlebnis des Verfassers wird heute im Thema des Tages aufgegriffen.

Seit einigen Tagen halten sich feuchtwarme Luftmassen über Deutschland, die vor allem tagsüber durch die Unterstützung der Sonne regelrecht zum "Brodeln gebracht werden". Zahlreiche Gewitter sind dadurch entstanden, die aufgrund fehlender Dynamik kaum zogen und ihre Regenladung meist an einer Stelle entluden. Überflutete Straßen und Keller waren die Folgen.

Am gestrigen Sonntag kam ein Tief Namens INGRID ins Spiel und sorgte am Abend und vor allem in der vergangenen Nacht für mehr Bewegung in der Wetterküche. Statt sich tagesgangbedingt aufzulösen, haben sich in der Nacht in der Westhälfte Deutschlands von Baden-Württemberg bis ins westliche Niedersachsen durch das Tief INGRID mehrere Gewitterherde gebildet, die erneut unwetterartig ausfielen, mit den üblichen Begleiterscheinungen und ihren teils unangenehmen Folgen.


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Für die Meteorologen im Nachtdienst war es eine warnintensive Nacht. Als leidenschaftlicher Meteorologe hatte der Verfasser die Gelegenheit Blitze zu fotografieren. Blitze sind, auch wenn sie gefährlich sind, ein faszinierendes und beeindruckendes Naturschauspiel, die vor allem in den Nachtstunden seine Schönheit voll entfalten. Sie erleuchten den Nachthimmel und kein Blitz gleicht dem andren. Jeder Blitz ist einzigartig.

Am späten Abend bin ich mit meinem Fotoapparat im Gepäck zu einem Aussichtspunkt bei Götzenhain, einem Ort südlich von Frankfurt, gefahren. Ich konnte zunächst die Gewitterzellen nördlich von Frankfurt beobachten und habe ein paar Bilder vom Wetterleuchten gemacht (siehe Abbildung, Foto links oben). Gegen Mitternacht dann hat sich eine neue Zelle bei Darmstadt entwickelt und da wusste ich schon, dass das neue Gewitter langsam auf mich zu rollt und ich konnte einige nette Blitzbilder bei Dietzenbach, südlich von Offenbach, machen (siehe Abbildung, die restlichen Fotos). Für mich war es eine kurze Nacht, aber es hat sich gelohnt.

Wie zuvor erwähnt sorgt Tief INGRID sorgt mehr Bewegung in der Atmosphäre und versucht die feuchtwarme Luft über Deutschland abzudrängen. Aber die Luft wird vom Hoch EMIL über Osteuropa blockiert, sodass sie nicht anders kann, als aufzusteigen. Somit muss am heutigen Montag erneut mit teils unwetterartigen Gewittern gerechnet werden.

Die Gewitter aus der Nacht, die heute Vormittag von Niedersachsen bis nach Bayern unterwegs sind, schwächen sich ab bzw. lösen sich auf. Aber schon ab dem Mittag werden entlang der Konvergenzzone von Ostbayern bis zur Deutschen Bucht erneut zahlreiche starke Gewitter entstehen. Dabei besteht in diesen Regionen ein erhöhtes Unwetterrisiko durch heftigen Starkregen über um 30 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, Hagel und Sturmböen um 80 km/h. Mehrstündiger Starkregen mit Mengen um 40 Liter pro Quadratmeter ist ebenfalls wahrscheinlich. Die Gewitter ziehen dann im Laufe des Nachmittags nur langsam ostwärts und erreichen am Abend die Elbe.

In Südwest- und Westdeutschland westlich der Konvergenzzone ist zwar weniger feuchte und kühlere Luft eingeflossen, jedoch können sich am Nachmittag und am Abend auch dort einzelne starke Gewitter entwickeln. Das Unwetterpotential ist dabei etwas geringer. Vom ganzen Geschehen verschont bleiben anfangs die Regionen östlich der Elbe, auch wenn an der Oder und Neiße ein geringes Gewitterrisiko besteht. In der Nacht zum Dienstag lassen die Gewitter und die Unwetter im Westen langsam nach. Jedoch halten diese entlang der Elbe voraussichtlich bis in die zweite Nachthälfte an.

Am Dienstag erreicht schließlich die etwas kühlere und trockenere Luft die östlichen Landesteile und am Boden stellt sich leichter Hochdruckeinfluss ein. Noch wird dieser einzelne Gewitter nicht verhindern, denn in den höheren Luftschichten herrscht noch Tiefdruckeinfluss. Das Unwetterpotential ist im Vergleich zum heutigen Tag allerdings deutlich geringer.



© Deutscher Wetterdienst

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