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16. März 2020 | Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Celsius, Fahrenheit oder Kelvin?

Celsius, Fahrenheit oder Kelvin?

Datum 16.03.2020

Immer wieder wird das Thema "Wetter" für Quizshows herangezogen. So auch vor rund einem Monat im "härtesten Quiz Deutschlands". Hätten Sie es gewusst?

Vor rund einem Monat, genauer gesagt am 22.02.2020, stellte Johannes B. Kerner in der Quizshow "Der Quiz-Champion - Das härteste Quiz Deutschlands" die Frage: "Welche dieser Temperaturen ist die höchste?". Die drei Antwortmöglichkeiten waren: a) 2 °C, b) 22 °F oder c) 222 K. Die Kandidatin tippte auf 22 °F, der Experte in der Kategorie "Natur und Wissenschaft" loggte 222 K ein. Für welche Antwort hätten Sie sich entschieden?


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Gehen wir doch mal auf die Suche nach der richtigen Antwort und fangen mit der im Allgemeinen gebräuchlichsten und daher auch bekanntesten Temperatureinheit an: Grad Celsius (°C). Die Celsius-Skala geht auf den 1701 im schwedischen Uppsala geborenen Astronom Anders Celsius zurück. Er setzte dabei zwei Fixpunkte, nämlich einen für den Siedepunkt von reinem Wasser und einen weiteren für den Gefrierpunkt von geschmolzenem reinem Eis. Celsius belegte den Siedepunkt mit 0 °C und den Gefrierpunkt mit 100 °C, also genau umgekehrt zur heutzutage bekannten Form. Erst nach Celsius' Tod drehte Carl von Linné (ebenfalls schwedischer Wissenschaftler) die Skala um.

Ebenfalls vielen bekannt, aber mit Ausnahme von (hauptsächlich) Nordamerika, Großbritannien und Irland kaum genutzt: die Fahrenheit-Skala (Einheit °F). Benannt wurde sie nach ihrem Erfinder Daniel Gabriel Fahrenheit, der 1686 in Danzig das Licht der Welt erblickte. Er legte gleich mehrere Fixpunkte fest. So stellt ihr Nullpunkt die niedrigste Temperatur dar, die er mit einem Eis-Wasser-Salz Gemisch selbst erzeugen konnte (umgerechnet - 17,8 °C). Dadurch sollten negative Temperaturwerte vermieden werden. Des Weiteren wurden 32 °F dem Gefrierpunkt von reinem Wasser, 100 °F der menschlichen Körpertemperatur und 212 °F dem Siedepunkt von reinem Wasser gleichgesetzt. Den Bereich zwischen Siede- und Gefrierpunkt teilte er darauf in 180 gleichgroße Teile ein. Um die Temperatur in °F (im Folgenden Tf) in die in °C (Tc) umzurechnen und umgekehrt, helfen folgende Formeln: Tf = Tc * 1,8 + 32 Tc = (Tf - 32) / 1,8

Über einen vergleichsweise geringen Bekanntheitsgrad dürfte sich die Kelvin-Skala (Einheit bis 1967 °K, heute nur noch K) "erfreuen", findet sie ihre Anwendung doch eher im wissenschaftlichen Milieu. Als Namensgeber fungierte in diesem Fall der 1824 in Belfast geborenen Physiker William Thomson, dem späteren Lord Kelvin of Largs. Die Einteilung der Kelvin-Skala entspricht derjenigen von Celsius, allerdings legte Kelvin den Nullpunkt auf -273,15 °C fest. Das ist nicht etwa willkürlich geschehen, sondern das Ergebnis thermodynamischer Überlegungen. Denn bei einer Temperatur von -273,15 °C bzw. 0 K ist die mittlere Bewegungsenergie von Gasmolekülen gleich Null oder anders ausgedrückt: Bei dieser Temperatur bewegt sich absolut gar nichts mehr. 273,15 K wären dann also im Umkehrschluss 0 °C und 373,15 K dementsprechend 100 °C.

Zurück zum Quiz-Champion! Mit dem Wissen, dass 32 °F dem Gefrierpunkt von Wasser, also 0 °C entspricht, kann man, ohne groß rechnen zu müssen, sofort sagen, dass 22 °F auf jeden Fall niedriger als 2 °C sein muss (genau genommen sind 22 °F etwa -5,6 °C). Gleiches gilt auch für 222 K: Da 273,15 K gleich 0 °C sind, müssen 222 K deutlich unter 0 °C liegen und zwar bei -51,15 °C.

Antwort a) ist also richtig. Unter dem Strich könnte man also sagen, die Kandidatin lag knapp, der Experte dagegen total daneben. Aber wie dem auch sei, gebracht hat es niemandem von beiden etwas...ganz im Gegensatz zum Autor, dem die Frage als Aufhänger zum heutigen Thema des Tages diente. ;-)



© Deutscher Wetterdienst

Bild: Hebi B. / Pixabay

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