19:26 MESZ | 22.07.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
29. November 2019 |

Raureif, Raueis, Raufrost - Was denn nun?!

Raureif, Raueis, Raufrost - Was denn nun?!

Datum 29.11.2019

In frostigen Nächten bildet sich an Vegetation, an beliebigen Gegenständen sowie auf Straßen und Gehwegen gerne mal Eis. "Raureif!" heißt es dann landläufig, doch wissenschaftlich korrekt ist die Bezeichnung nur selten.

Die uns umgebende Luft beinhaltet stets eine bestimmte Menge an Wasserdampf. Dieser ist gasförmig und in der Regel unsichtbar. Dabei gilt: Je kälter die Luft, desto weniger Wasserdampf kann sie aufnehmen. Bei fortschreitender Abkühlung ist irgendwann ein Punkt erreicht, der sogenannte Taupunkt, an dem die Luft bezüglich des Wasserdampfes gesättigt ist (100% relative Luftfeuchtigkeit). Der Wasserdampf kann nicht mehr in der Luft gehalten werden und kondensiert zu kleinsten Wassertröpfchen, die sich bei Temperaturen über 0 Grad Celsius als Nebel in der Luft halten oder als Tau an Gegenständen niederschlagen. Auch bei einem Taupunkt unter 0 Grad Celsius kann sich Nebel bilden, während die Wassertröpfchen an den Gegenständen gefrieren und dort so nicht mehr als Tau, sondern als Eis in Erscheinung treten.


Zum Vergrößern bitte klicken


Die sich bei dichtem Nebel und Temperaturen meist zwischen -2 und -10 Grad Celsius bildenden, sehr fest anhaftenden "Eisfahnen" nennt man Raueis oder Raufrost. Die kleinsten, unterkühlten Wassertröpfchen aus dem Nebel werden durch Wind an die kalten Gegenstände getrieben und gefrieren dort. Je stärker der Wind desto stärker auch die Raueisbildung. Die "Eisfahnen" zeigen dabei dem Wind entgegen. Meist kommt es bei der Raueisbildung an Gegenständen zu Lufteinschlüssen, wodurch das Raueis weißgrau und undurchsichtig erscheint. Bei sehr langsamer Anlagerung und Gefrieren der Wassertröpfchen kann sich unter Umständen aber auch ein klares, durchsichtiges Eis ohne Lufteinschlüsse ausbilden. Diese Unterform des Raueises wird als "Klareis" bezeichnet.

Im Gegensatz zu Raueis und Klareis tritt Raureif meist bei deutlich tieferen Temperaturen auf. üblicherweise muss das Quecksilber unter -8 Grad sinken, damit effektiv Raureif gebildet werden kann. Zusätzlich benötigt es eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 90 %. Trotz der noch nicht vollends gesättigten Luft kann ein Teil des Wasserdampfes aus dieser bereits "ausgeschieden" werden. Bei besonders tiefen Temperaturen geht das Wasser aber nicht mehr vom gasförmigen in den flüssigen Aggregatzustand über, sondern direkt in den festen. Dieser Prozess, der besonders an den unterkühlten Gegenständen auftritt, wird als Resublimation bezeichnet. Manchmal ist auch nur von "Reif" die Rede. Dabei handelt es sich ebenfalls um Resublimation von Wasserdampf an sich im Vergleich zur Umgebung besonders stark auskühlenden Oberflächen meist nahe des Erdbodens (an Grashalmen, Laub, auf Straßen, bevorzugt auf Brücken).

Kennzeichnend für den durch Resublimation entstehenden Raureif oder Reif ist die kristalline Struktur, wie sie auch bei Schneeflocken unter einer Lupe zu bestaunen sind. Häufig zeigen sich nadelförmige Eiskristalle an den Gegenständen. Eisblumen, die man in seltenen Fällen an Fensterscheiben entdecken kann, sind eine Sonderform des Raureifs. "Nebelfrostablagerungen" ist die Sammelbezeichnung für die abgesetzten Niederschläge Raureif, Raueis und Klareis. Nebelfrostablagerungen können für eine ausgeprägte Glättesituation auf Straßen und Gehwegen sorgen. Hierfür verwendet man gerne den Begriff "Reifglätte". Raureif und Raueis werden durch Begehen und Befahren zusammengepresst und gefrieren dabei nach kurzzeitigem Verflüssigen zu einer zum Teil spiegelglatten Eisfläche. Ähnlich geschieht dies auch mit den Nebelfrostablagerungen, die sich an den Ästen der Bäume gebildet haben und anschließend auf die Straßen und Gehwege fallen. Letzterer Vorgang ist wahrscheinlich sogar der häufiger vorkommende.

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 29.11.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im Südwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im Südwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

04.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

03.07. - Endlich wieder Durchlüften - aber wie lange?

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2026

01.07. - Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

30.06. - Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

29.06. - Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

28.06. - Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

27.06. - Hitze, Blitz und Donner!

26.06. - Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

25.06. - Heiß, heißer, HARTMUT!

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer