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25. Juli 2025 | MSc.-Meteorologe Thore Hansen

Außergewöhnliche Hitze in Nordeuropa

Außergewöhnliche Hitze in Nordeuropa

Datum 25.07.2025

Über Schweden und Norwegen geht eine extreme Hitzewelle zu Ende. Zum Teil gab es unweit des Polarkreises 13 Hitzetage in Folge. Zudem könnte nächste Woche die Hitze zurückkommen. Bei uns in Deutschland nimmt das unbeständige Wetter dagegen kein Ende.

Eine historische Hitzewelle in Teilen von Schweden und vor allem Norwegen findet heute bzw. morgen ihr Ende. Besonders ausgeprägt war die Hitzewelle in Mittelnorwegen, aber auch in anderen Teilen Skandinaviens waren die vergangenen 10 bis 14 Tages außergewöhnlich warm. Abbildung 1 zeigt dies eindrucksvoll. Im "Epizentrum" der Wärme in Mittelnorwegen lag die Mitteltemperatur vom 15. bis 24. Juli acht bis zehn Kelvin über dem langjährigen Mittel von 1991 bis 2020. In großen Teilen von Norwegen, Schweden und Finnland war es vier bis acht Kelvin wärmer als in der Referenzperiode.


Abweichungen der Mittel- und Maximaltemperatur vom 15.07-24.07.2025. Hohe positive Abweichungen jeweils über Mittelnorwegen (Quelle DWD)




Noch eindrucksvoller war die Abweichung der Höchsttemperaturen. Diese lagen in Mittelnorwegen gebietsweise um 12 bis 14 Kelvin über dem langjährigen Mittel. Dies sind enorme Abweichungen, die normalerweise nur für einzelne oder wenige Tage am Stück anhalten. Anders in diesem Fall. Doch was bedeutet diese Abweichung übersetzt in Höchstwerte vor Ort? Es offenbart sich Erstaunliches: In mehreren Orten, z.B. Namsskogan oder Storforshei (Norwegen) nahe dem nördlichen Polarkreis und weit der Norwegischen See stieg die Temperatur auf 30 Grad oder mehr und das für 13 Tage am Stück. Die dort registrierten 13 Hitzetage in Folge stellen ein Novum seit Beginn der Wetteraufzeichnung dar. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 1982 mit 12 Hitzetagen in Folge. In der Spitze erreichte Temperatur Werte nahe 35 Grad. In den kurzen Nächten sank die Temperatur örtlich nicht unter 20 Grad während der Hitzewelle.


Kurve der Höchsttemperaturen in Storforshei (Mittelnorwegen). Diese verläuft über 12 Tage über der 30 Grad-Marke. (Quelle Daten: Norsk klimaservicecenter, Quelle: seklima.met.no, Grafik: Nahel Belgherze )


Die Hitze bzw. Wärme beschränkte sich aber nicht nur auf die Region nahe dem Polarkreis oder südlich davon, sondern auch weiter nördlich wurden äußerst ungewöhnliche Temperaturen gemessen. Im finnischen Teil Lapplands, genauer gesagt in Sodankylä Tähtelä wurde gestern der 15. Tag hintereinander mit 25 Grad oder mehr registriert. Für Finnland war es zudem der 14. Tag in Folge mit mehr als 30 Grad.

Als Folge der Hitzewelle haben sich die umgebenden Meere, also die Norwegische See und die nördlichen Teile der Ostsee, stark erwärmt. An der norwegischen Küste hat sich das Meer auf 19 Grad erwärmt, rund sechs Grad mehr als zu dieser Jahreszeit üblich. Der Bottnische Meerbusen, also der nördlichste Teil der Ostsee, hat sich selbst auf offener See auf 20 bis 23 Grad erwärmt. Örtlich, vor allem küstennah beträgt die Wassertemperatur an der Oberfläche 24 bis 25 Grad. Auch das sind Werte, die weit, sprich einige Kelvin, über dem Üblichen liegen.


Wassertemperatur von Nord- und Ostsee in Flächendarstellung. (Quelle DWD)


Obwohl auch die Temperaturspitzen sehr hoch für die verschiedenen Regionen liegen, ist es vor allem die lange Andauer der hohen positiven Abweichungen, die die Hitzewelle extrem machen. Verantwortlich ist eine sogenannte Omega-Wetterlage über Nordeuropa. Diese Wetterlage zeichnet sich vor allem durch ihre Stabilität aus. Sie kann über lange Zeiträume andauern. In diesem Fall lag ein Hoch über der Norwegischen See oder Skandinavien und führte dort zu viel Sonnenschein. Die aktuell langen Tage reichten aus, um die Temperatur auch ohne Zufuhr von subtropischen Luftmassen auf dem ungewöhnlich hohen Niveau zu halten. Flankiert wurde das Hoch im Westen und Osten von Tiefs, es war praktisch "gefangen".

Mittlerweile hat sich das Hoch abgeschwächt und von Westen erreichen kühlere Luftmassen Skandinavien. Die Abkühlung betrifft vor allem Norwegen, weiter östlich über Finnland hält sich die warme Luft. Und im Laufe der kommenden Woche deuten die Wettermodelle eine Regenerierung des hohen Luftdrucks über Lappland und eine Rückführung der warmen Luftmasse nach Westen an. Eine nachhaltige Abkühlung auf "normale" Temperaturen für Nordskandinavien ist somit nicht in Sicht.

Solange im Norden Europas ein ausgeprägtes Hoch und im Süden Europas das zu dieser Jahreszeit typische Subtropenhoch liegt, stehen die Chancen auf stabiles Sommerwetter in Deutschland eher schlecht. Zwischen den Hochs können sich immer wieder Tiefs von Westen hereinschieben oder entstehen im Grenzbereich der warmen Mittelmeerluft und der gemäßigteren Luft über Mitteleuropa bei uns vor Ort. So gestaltet sich das Wetter bis in die kommende Woche hinein sehr unbeständig in Deutschland. Vor allem über Süddeutschland gibt es die kommenden Tage reichlich Regen, siehe dazu das Thema des Tages von gestern: www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/7/24.html

Eine Ausnahme bildet am morgigen Samstag der Norden Deutschlands. Ein Zwischenhoch sorgt dort vorübergehend für verbreitet trockenes Wetter. Davon profitiert auch der CSD-Umzug in Berlin. Bei maximal 24 Grad und meist wolkigem Himmel bleibt es dort trocken. Anders dagegen in Stuttgart, dort müssen Teilnehmer und Zuschauer des Umzugs ab dem Mittag mit teils kräftigen Schauern und Gewittern rechnen. Zumindest ist es mit maximal 24 Grad ebenfalls warm.



© Deutscher Wetterdienst

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