07:39 MESZ | 21.10.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
06. Oktober 2019 |

Eine Frage der Perspektive

Eine Frage der Perspektive

Datum 06.10.2019

Crepuscular rays... Machen Sie sich beim Aussprechen dieses englischen Wortes auch fast einen Knoten in die Zunge? Um welches Phänomen es sich handelt, lesen Sie heute im Thema des Tages.

Bestimmt haben Sie sogenannte "crepuscular rays" auch schon mal gesehen?! Aus dem Englischen werden sie mit Strahlenbüschel oder - gemäß der Tageszeit, in der sie üblicherweise zu sehen sind - mit Dämmerungsstrahlen übersetzt (crepuscular = dämmrig, rays = Strahlen). Es handelt sich um ein optisches Phänomen, das beobachtet werden kann, wenn Sonnenlicht (oder Mondlicht) durch Wolken oder Berge blockiert wird. Dämmerungsstrahlen sind parallel ausgerichtete Licht"säulen", die von dunkleren "Säulen" getrennt sind. Die dunkleren Partien erscheinen aufgrund des Schattens der Wolken oder Berge, die sich am oder unter dem Horizont befinden. Allerdings entstehen die Strahlen nicht allein durch die Abschattung. Das Licht muss zudem durch Staub in der Luft, Aerosole, Wassertropfen oder Luftmoleküle gestreut werden, um einen sichtbaren Kontrast zwischen abgeschatteten und beleuchteten Partien des Himmels zu erzielen. So sind "crepuscular rays" am ehesten zu Sonnenaufgang oder -untergang sichtbar. Ebenso sind Strahlenbüschel häufig am frühen Morgen bei Dunst im Wald zu sehen, wenn die tiefstehende Sonne durch die Bäume bricht.


Zum Vergrößern bitte klicken


Die Strahlen scheinen am Horizont zu konvergieren, also in einem Punkt (Lichtquelle) zusammen zu laufen, und über dem Betrachter zu divergieren (auseinander zu laufen). Dieser Effekt ist allerdings auf die Entfernung und die Perspektive zurückzuführen. Wie oben bereits beschrieben sind Dämmerungsstrahlen parallel zueinander. So können sie aus physikalischer Sicht weder konvergieren, noch divergieren, sondern haben immer denselben Abstand zueinander.

Wieso sehen wir dann diese Illusion? Der Effekt ist derselbe wie bei Bahnschienen oder Straßen, bei denen die Ränder in der Entfernung zusammen zu laufen scheinen. Physikalisch lässt sich dies mit dem sogenannten "Sehwinkel" erklären. Denn je weiter weg etwas ist, desto kleiner sieht es aus. Der Sehwinkel verringert sich also mit zunehmender Entfernung.

Wenn Sie sich bei "crepuscular rays" schon einen Knoten in die Zunge gemacht haben, versuchen Sie es doch nochmal mit "anticrepuscular rays"! Diese "Anti-Dämmerungsstrahlen" können Sie mitunter sehen, wenn Sie in dem Moment, wenn Sie Dämmerungsstrahlen sehen, der Sonne den Rücken zuwenden und in entgegengesetzter Richtung zum Horizont blicken. Bei "anticrepuscular rays" handelt es sich nämlich um jene Strahlen, die vom Gegenpunkt der Sonne auszugehen scheinen. Diese Strahlen entstehen aufgrund der Rückstreuung des Lichts. Es sind jene Dämmerungsstrahlen, die scheinbar von der Sonne ausgehen, über dem Beobachter über den kompletten Himmel laufen und dann scheinbar im Sonnengegenpunkt münden. Da die Rückstreuung des Lichts geringer ist als die Vorwärtsstreuung, sind "Anti-Dämmerungsstrahlen" dunkler als ihre vorwärtsgestreuten Verwandten.

Das dem Thema des Tages angehängte Foto zeigt Dämmerungsstrahlen zu Beginn des Monats September über Frankfurt am Main. Aufgenommen wurden sie von der DWD-Webcam auf der Zentrale des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Machen Sie sich keinen Knoten in die Zunge, wenn Sie das nächste Mal diese Strahlen bei Sonnenaufgang oder -untergang entdecken!

Dipl.-Met. Julia Fruntke

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 06.10.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

20.10. - Kulinarisches im Herbst

19.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

18.10. - Mission impossible

17.10. - Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

16.10. - Es grünt so grün

15.10. - Kaltfront in Lauerstellung

14.10. - Verifikation von Wettermodellen - Teil 2

13.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2

12.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1

11.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2

03.10. - Navier-Stokes - ein (un)lösbares Problem?

02.10. - Deutschlandwetter im September 2026

01.10. - Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

30.09. - Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!

29.09. - Kunterbuntes zum Monatswechsel

28.09. - Halos - optische Erscheinungen am Himmel

27.09. - Tag der Flüsse

26.09. - Ungewöhnlicher warmer Altweibersommer

25.09. - Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst