Nachdem wir am Freitag den Verlauf der DACH-Tagung beschrieben haben, kommen wir heute zu den fachlichen Inhalten. Bei der Tagung gab es zwölf Fachthemen, die im nachfolgenden kurz angerissen werden. Die erwĂ€hnten Vortragsbeispiele sind nach subjektiven Kriterien ausgewĂ€hlt, alleine die Kurzfassungen der gut 300 VortrĂ€ge und Poster umfassen 115 eng bedruckte Seiten. Ăber einige ĂbersichtsvortrĂ€ge werden Sie detaillierter in den nĂ€chsten Wochen im Thema des Tages informiert werden.
Die Themen der Fachsitzungen lauteten:
1. Dynamik der AtmosphĂ€re Hier wird z.B. ĂŒber Entstehen und Auflösung von Hochs und Tiefs und Ihre Folgen (Hitzeperioden, Hochwasser) gesprochen.
2. Turbulenz und AtmosphĂ€rische Grenzschicht Die Grenzschicht ist der Bereich der AtmosphĂ€re, in dem sich die Reibung an der ErdoberflĂ€che bemerkbar macht. Bedeutend zum Beispiel fĂŒr die Windkraft, wenn die Grenzlinie mit groĂen SprĂŒngen der Windgeschwindigkeit in Nabenhöhe der WindrĂ€der verlĂ€uft und die dadurch auftretenden KrĂ€fte auf die FlĂŒgel sich stĂ€ndig in hohem MaĂe Ă€ndern (unterer Halbkreis windstill, oberer windig) und dadurch der VerschleiĂ der Windkraftanlage beschleunigt wird.
3. Mittlere und obere AtmosphÀre Hier gab es die meisten BeitrÀge zum Transport von Spurengasen und Schwerewellen, deren Resultat der aufmerksame Beobachter in den Föhnwolken erkennen kann.
4. Strahlung Wolken und Niederschlag: Ein groĂes Problem ist die Genauigkeit der Niederschlagsmessung in der FlĂ€che, denn von einer unter UmstĂ€nden sehr ungenauen Punktmessung kann man beim Niederschlag nicht auf die FlĂ€che interpolieren. Man versucht nun diese Probleme mit Hilfe von RadargerĂ€ten anzugehen und zusĂ€tzlich mit Hilfe von alten Radardaten eine bessere Niederschlagsklimatologie zu erstellen. Auch die Störung von Ein- und Ausstrahlung durch Wolken, insbesondere durch Schleierwolken, ist noch eine groĂe Unbekannte in der Klimaforschung.
5. Numerische Wettervorhersage Wettervorhersagemodelle unterliegen einer stĂ€ndigen VerĂ€nderung. Dort sind u.a. die Ausgangswerte fĂŒr die Vorhersage noch verbesserungswĂŒrdig. Zudem sollen allmĂ€hlich Wetter- und Klimavorhersagemodelle zusammengefĂŒhrt werden.
6. Mess- und Beobachtungsmethoden - in-situ und remote Hier wird ĂŒber MessgerĂ€te in situ, also vor Ort und Messungen durch Fernerkundung (z.B. Radar, Satellit) gesprochen. Ein neuer Ansatz ist das Crowdsourcing, bei der die Messergebnisse von privaten, per WLAN mit dem Internet verbundener Wetterstationen zur Verbreiterung der Datenbasis in der Stadtklimatologie eingesetzt werden sollen.
7. KlimavariabilitÀt Noch immer ist es strittig, wie stark der Einfluss des Menschen auf die KlimaÀnderung ist. Eine Methode dies zu verstehen ist es, die KlimaÀnderungen der Vergangenheit und deren Ursachen zu untersuchen.
8. Wetter- und klimainduzierte Risiken Da geht es beispielsweise um Ănderung der Bedingungen fĂŒr die regenerativen Energien im Zeichen des Klimawandels. Auch die HĂ€ufigkeit von Unwettern und deren voraussichtliche Zu- oder Abnahme wurden in dieser Fachsitzung diskutiert.
9. Biometeorologie: Agrar-, Forst und Humanbiometeorologie Hier geht es schwerpunktmĂ€Ăig um die Anpassung an die KlimaĂ€nderung, insbesondere den Hitzestress.
10. Umweltmeteorologie In dieser Fachsitzung ist die stÀdtische WÀrmeinsel, also die höheren Temperaturen in StÀdten im Vergleich zum Umland das Hauptthema. Wie kann man die reduzieren, wie kann man sich dem anpassen.
11. Ozeanografie und Maritime Meteorologie Hier macht man sich z.B. Gedanken ĂŒber die zukĂŒnftige HĂ€ufigkeit von Sturmfluten. Auch die DatenergĂ€nzung ĂŒber dem datenarmen Ozeanen mittels alter SchiffstagebĂŒcher war eines der Themen.
12. Polarmeteorologie Die VortrĂ€ge handeln von der Grenzschicht unter arktischen Bedingungen und die Ănderung der EisverhĂ€ltnisse durch den Klimawandel.*
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.03.2016
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