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19. Juli 2015 | M.Sc. Met. Stefan Bach

Berg- und Talwind

Im gestrigen Thema des Tages haben Sie das Land-Seewind-System kennengelernt. Aber nicht jeden zieht es im Urlaub an die See, sondern vielmehr in die Berge.

Deshalb wird an dieser Stelle heute
ein weiteres lokales Windsystem vorgestellt, nämlich die
Berg-Talwind-Zirkulation.
Damit Sie sich alles besser bildlich vorstellen können, finden Sie
nebenstehend eine schematische Abbildung.

Zum Vergrößern bitte klicken
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Die Berg-Talwind-Zirkulation ist ein tagesperiodisches Windsystem,
das im Gebirge bei ruhigen Hochdruckwetterlagen entsteht. Die
grundlegende Voraussetzung ist nämlich starke Sonneneinstrahlung.
Die Sonne bestrahlt die Berghänge früher als die Täler. So setzt an
einem sonnenbeschienenen Hang nach Sonnenaufgang eine starke
Erwärmung des Bodens ein, die von der Ausrichtung zur Sonne, der
Oberflächenform und dem Bewuchs abhängig ist. Dadurch erwärmt sich
die bodennahe Luft am Hang rascher als die hangferne Luft im Tal. In
der Folge setzt dort durch die Verringerung der Luftdichte der warmen
Luft thermischer Auftrieb ein, es entsteht Hangaufwind. Seine
Geschwindigkeit beträgt in der Regel etwa 2 bis 3 km/h. Die Luft
kühlt sich beim Aufsteigen ab und sinkt über Ursprungs- oder
Nachbartal bzw. im Gebirgsvorland wieder in tiefere Lagen ab. Die
aufsteigende Luft muss ersetzt werden, sodass sich eine aus dem
Vorland die Täler und Berghänge hinauffließende, im Tagesgang immer
stärker werdende Ausgleichsströmung einstellt - der Talwind.
Um die Mittagszeit bilden sich über den Berggipfeln und -kämmen
häufig die ersten Quellwolken, da die Luft aus den Tälern, die
sukzessive die Hänge hinauftransportiert wird, meist feucht ist. Auch
sie wird erwärmt und steigt ebenfalls auf, wodurch sie sich abkühlt
und relativ gesehen feuchter wird. Wenn sie das Kondensationsniveau
(100 % Luftfeuchte) erreicht, bilden sich Wolken. Über den Tälern
bleibt es dagegen wolkenlos, da sich die absinkende Luft erwärmt und
dabei relativ trockener wird.
Werden die Hänge nicht mehr beschienen (spätestens nach
Sonnenuntergang), kommen Hang- und Talwind allmählich zum Erliegen.
Sie schlafen vorübergehend komplett ein, bevor das Windsystem in
umgekehrter Richtung startet: Nachts kühlen sich die Berghänge und
die bodennahe Luft über ihnen stärker ab als die Luft im Tal. Die nun
kühlere Luft und somit schwerere Luft fließt als Bergwind die Hänge
hinab. Der nächtliche Bergwind ist meist schwächer ausgeprägt als der
Talwind am Tage, mitunter ist er kaum zu spüren, sorgt jedoch am
Talgrund für frische Luft. Typischerweise beginnt er zwei bis drei
Stunden nach Sonnenuntergang und dauert bis kurz nach Sonnenaufgang
an.
Diese Art von Zirkulation findet man nicht nur in Hochgebirgen wie
den Alpen, sondern man kann sie durchaus auch in den Mittelgebirgen
beobachten. Regional finden sich dann auch spezielle Bezeichnungen,
wie der Wisperwind im Taunus oder der Höllentäler Wind im
Schwarzwald, der als Bergwind das Stadtzentrum Freiburgs mit
Frischluft versorgt.



© Deutscher Wetterdienst

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