27. April 2015 |
"Wenn der Hahn kräht auf dem Mist..."
Die Technik macht's möglich: Dank des Internets ist es einem möglich, von und für nahezu jeden Ort der Welt jederzeit eine Wettervorhersage einzuholen.
Auch sonst wird man durch Rundfunk und Zeitungen wettertechnisch immer auf dem Laufenden gehalten. Daran war früher natürlich nicht zu denken. Da die Menschen und insbesondere die Landwirtschaft damals wohl mindestens genauso vom Wetter abhängig waren wie heute, wurde versucht, mit gezielten und zum Teil langjährigen Beobachtungen des Wetters, den weiteren Ablauf desselben vorherzusagen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden schließlich oftmals in Reimform niedergeschrieben und sind uns als sogenannte Bauernregeln bekannt.
Auch wenn ihr Eintreten bei wortwörtlicher Betrachtung häufig sehr
stark mit dem Wörtchen "Zufall" in Verbindung steht, besitzen sie
doch oftmals einen wahren Kern, vor allem, wenn man die Regeln etwas
freier deutet.
Nehmen wir uns zum Beispiel mal die Siebenschläferregelung vor: "Das
Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag.". Würde
man jedes Wort davon auf die Goldwaage legen, so müsste man also
annehmen, dass auf einen sonnigen und trockenen 27. Juni ebenso
sonnige und trockene sieben Wochen folgen. Natürlich kann man aber
das Wetter der nächsten Wochen nicht an einem bestimmten Tag
festmachen. Nimmt man diese Regel allerdings ein bisschen lockerer
und betrachtet den Wettercharakter zwischen Ende Juni und Anfang
Juli, so liegt die Trefferquote - zumindest für die nächsten drei bis
vier Wochen - im Norden Deutschlands bei bis zu 60 %, im Alpenvorland
sogar bei etwa 70 %.
Ähnlich verhält es sich mit den Eisheiligen und der Schafskälte: Hält
man sich nicht allzu eng an den offiziellen Zeitraum, so gibt es auch
hierbei eine erhöhte Eintrittswahrscheinlichkeit.
#Xaver hält sich nicht an Bauernregeln - Abendrot, gut Wetterbot? So ist grade der Himmel über #München (no shop) pic.twitter.com/D8GgiTCTn9
— Nico Ernst (@Golemiker) 5. Dezember 2013
Doch wie steht es denn eigentlich mit zwei der wohl bekanntesten
Bauernregeln: "Abendrot, gut Wetterbot." und "Morgenrot, schlecht
Wetter droht."? Vor allem erstere "Behauptung" scheint mit der
besonders in der Schifffahrt bekannten Regel "Abendrot macht Seemann
tot." in eindeutigem Widerspruch zu stehen. Aber so komisch es auch
klingen mag: Beide Thesen sind nicht vollkommen von der Hand zu
weisen. Auf den "Rot-Ton" kommt es nämlich an.
Zur Erklärung ein kurzer physikalischer Exkurs: Das Licht der Sonne
setzt sich aus Strahlung unterschiedlicher Wellenlängen zusammen, von
der unser Auge nur einen geringen Anteil sehen kann. Dieser für uns
sichtbare sogenannte Spektralbereich setzt sich aus den
Regenbogenfarben zusammen, wobei Rot den langwelligen und Blau den
kurzwelligen Wellenlängenanteil darstellen. Das Sonnenlicht wird nun
an den in unserer Atmosphäre vorhandenen Partikeln (z.B.
Wasserdampfteilchen) gestreut, d.h. es spaltet sich in die einzelnen
Wellenlängenbereiche auf. Dabei wird der blaue Anteil stärker
gestreut und somit auch stärker abgelenkt, als die rote langwellige
Strahlung.
Steht die Sonne nun relativ niedrig über dem Horizont (bei uns
morgens und abends), so fällt auch ihre Strahlung entsprechend flach
auf uns ein. Durch die starke Ablenkung ihres kurzwelligen Anteils
(blau) kommt nur ihr roter Anteil bei uns an. Folglich sieht der
Himmel für uns rötlich aus. Je feuchter nun die Luft ist, desto mehr
Wasserdampfteilchen, also Streupartikel, befinden sich in ihr.
Dadurch wird der Blauanteil noch mehr gestreut und der Himmel
erscheint uns in einem tieferen Rot. Da feuchte Luft eher zur Wolken-
und damit auch zur Niederschlagsbildung neigt, kann ein tiefrotes
Himmelsbild durchaus ein Indiz für baldigen Regen sein. Ist die Luft
dagegen trocken, erscheint der Himmel aufgrund mangelnder
Streupartikel dagegen weniger rot und die Wahrscheinlichkeit für
"Nass von oben" ist etwas geringer als bei feuchter Luft.
Unter dem Strich sind Bauernregeln aber eher nicht dazu geeignet,
verbindliche Wettervorhersagen zu machen. Ein wahrer Kern lässt sich
allerdings oftmals nicht leugnen. Mit 100 %-iger Sicherheit lässt
sich wohl nur sagen, dass es egal ist, wer oder was, wann und wo
kräht. Denn dann - um die Überschrift dieses Textes zu komplettieren
- "ändert sich's Wetter oder es bleibt, wie's ist".
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.04.2015
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
© Deutscher Wetterdienst
Bild: © TTstudio - Fotolia.com
Themenarchiv:
09.03. - Ozeanische Strömungen
08.03. - Gewitter und Saharastaub
07.03. - Radaranalyse an einem Gewittertag: Ein kleiner Einblick
06.03. - Die Omegawetterlage
05.03. - Grüße aus der Sahara
04.03. - Frühlingshafte Phase mit nur wenigen Ausnahmen
03.03. - Deutschlandwetter im Winter 2025/2026
02.03. - Deutschlandwetter im Februar 2026
01.03. - Fulminanter Start in den Frühling
28.02. - Der Winter 2025/2026 – persönliche Erlebnisse und eine Einschätzung
27.02. - Hochnebel - das Haar in der Suppe
26.02. - Ungewöhnliche Frühlingswärme zum meteorologischen Winterende
25.02. - Frühlingsluft
24.02. - Wintersport – Schnee von gestern?
23.02. - Bunte Satellitenbilder
22.02. - Von Tauwetter und Schneeschmelze
21.02. - Tschüss Winter! Hallo Frühling! Bleibst du länger?
20.02. - Satelliten und Sahara-Staub in Suriname
19.02. - Winter versus Vorfrühling
18.02. - La malkovro de la ĵetfluo, oder die Entdeckung des Jetstreams
17.02. - Es bleibt turbulent beim Wetter
16.02. - Einzigartige Schneekristalle
15.02. - Turbulentes Winterwetter über Fasching
14.02. - Ein besonderer Winter
13.02. - Was haben die Herren Rosenthal und Mie mit dem 13. Februar zu tun?
12.02. - Alaaf, Helau und Narri Narro!
11.02. - Die Schneefallgrenze
10.02. - Tauwetter und Hochwasser?
09.02. - Der Winter macht vielerorts eine kleine Pause
08.02. - Tag des Koffeins






