22:52 MESZ | 07.06.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
17. April 2015 |

Ist das aber eine steife Brise

So hört man die Bewohner an der Küste oder alte Seebären oft sprechen. Viele haben das auch schon einmal selbst erlebt: Man fährt von zu Hause los, Richtung Ost- oder Nordsee, und nur ein angenehmes laues Lüftchen wehte.

Doch dann, an der schönen Küste angekommen, ist es spürbar windiger, speziell, wenn der Wind von der See her weht. Aber wieso ist der Wind an der Küste oder über See stärker als im Binnenland?


Zunächst muss man wissen, was Wind überhaupt ist. Der Wind stellt
eine Ausgleichsbewegung zwischen Gebieten mit unterschiedlichem
Luftdruck dar. Er ist also bestrebt, den hohen und den tiefen Druck
auszugleichen, indem er vom hohen zum niedrigen Druck zu wehen
versucht. Aber so einfach ist das leider nicht, denn die Erde dreht
sich. Somit kommt nicht nur der Druckunterschied zum Tragen
(Druckgradientkraft), sondern auch die sogenannte Corioliskraft, die
bewegte Luftmassen ablenkt (auf der Nordhalbkugel nach rechts).

Zum Vergrößern bitte klicken


In der höheren Atmosphäre stellt sich ein Gleichgewicht dieser Kräfte
ein, in der kein Druckausgleich stattfindet. Man sagt, der Wind weht
isobarenparallel. Am Boden gilt dies allerdings nicht, wie die
Abbildung zeigt.
Zu sehen sind dort der vom Modell berechnete Bodendruck in hPa
(Isobaren = Linien gleichen Drucks) und Wind in km/h (eingefärbte
Fiedern). Man erkennt, dass die Windfiedern am Boden nicht parallel
zu den Isobaren liegen. Warum?

Nun, ein wichtiger Faktor fehlt uns noch in der Betrachtung. Dieser
Faktor ist die Beschaffenheit der Oberfläche, genauer gesagt, die von
ihr erzeugte Reibung. Je nach Oberflächenbeschaffenheit wird der Wind
mehr oder weniger abgebremst. So spürt der Wind beispielsweise mehr
Widerstand, wenn er durch ein Waldgebiet weht als über einen Acker.
Man kann sich das auch so vorstellen: Fährt man mit Inlinern erst
über eine asphaltierte Strecke und dann über Schotter, so übt der
Schotter aufgrund seiner anderen Oberflächenbeschaffenheit mehr
Widerstand aus und man wird abgebremst.

So ähnlich ist es auch beim Unterschied zwischen Meeres- und
Landoberfläche. Auf der Landoberfläche wird der Wind stärker
abgebremst als über dem Meer. Deswegen herrscht an der See häufig
auch dann eine frische Brise, wenn im Landesinneren nur ein laues
Lüftchen weht. Eine weitere Folge dieser beschriebenen
Reibungsprozesse ist Ihnen in der Karte vielleicht auch schon
aufgefallen: Die Änderung der Windrichtung gegenüber den Isobaren ist
über dem Meer geringer als über Land (oranger Kreis). Der Wind weht
zwar in beiden Fällen sozusagen etwas schräg zu den Isobaren in
Richtung des Tiefs. Während man aber über Land häufig einen
Ablenkungswinkel von ca. 30° annehmen kann, beträgt die Ablenkung
über dem Meer nur 10-20°.

Bei aller Bedeutung der Reibung auf die Windgeschwindigkeit sollte
man nicht vergessen: Der wichtigste Faktor für die
Windgeschwindigkeit ist der Druckunterschied bzw. der
Isobarenabstand, wie man in der Abbildung unschwer in der Nähe von
Gotland erkennt (violetter Kreis). Denn je stärker der
Druckunterschied ausgeprägt ist, also je enger die Isobaren bei
einander stehen, desto stärker ist der Wind.

M.Sc.-Met. Anna Wieczorek
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.04.2015

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

07.06. - Die Wettervorhersage für den D-Day

06.06. - Eine Nebelnacht im Juni

05.06. - Aprilwetter im Juni

04.06. - Abwechslungsreiches Wetter für einen bunten CSD am Samstag in Dresden

03.06. - Deutschlandwetter im Frühjahr 2026

02.06. - Deutschlandwetter im Mai 2026

01.06. - Tief NESRIN - der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn

29.05. - Trockene und feuchte Luftmassen

28.05. - Erste große Gewitterlage 2026?

27.05. - In 16000 m Höhe

26.05. - Was ist eine „Heat Dome“?

25.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

24.05. - Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!

23.05. - Des einen Freud…

22.05. - Hoch "Zeno" sorgt für niedrigen Meeresspiegel?!

21.05. - Weichenstellung auf Sommerwetter!

20.05. - Bisher abwechslungsreicher Mai

19.05. - Tag der Diversität

18.05. - Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität

17.05. - Blick nach vorne - Sommerwetter?

16.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

15.05. - König Fußball und das Wetter

14.05. - Kühles "Aprilwetter" an den Eisheiligen

13.05. - Wo ist der Polarjet hin?

12.05. - Der Geruch von Regen

11.05. - Turbulente und kühle Maitage

10.05. - Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

09.05. - Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

08.05. - Warmes Wochenende, kühler Wochenstart

07.05. - Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?