23:47 MESZ | 07.06.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
05. Februar 2015 | Dipl.-Met. Tobias Rinartz

Vom Mpemba-Effekt und Speiseeis

Schnee und Kälte dominierten in den letzten Tagen unser "Thema des Tages". Auch in der heutigen Ausgabe wird es wieder kalt hergehen, allerdings wird dabei auch das Thema Hitze nicht zu kurz kommen.

Zum Vergrößern bitte klicken


Wenn man eine Schüssel mit kaltem oder lauwarmem Wasser vor sich hat
und die Aufgabe bekommt, dieses Wasser so schnell wie möglich zu
gefrieren, werden die meisten die Schüssel wohl rasch ins Eisfach
stellen. Nur die wenigsten würden vermutlich auf die Idee kommen, das
Wasser in der Schüssel zu erhitzen, bevor sie es ins Eisfach
platzieren. Das Kuriose an der Sache: Unter bestimmten Bedingungen
gefriert das zuvor erhitzte Wasser tatsächlich schneller als das
vergleichsweise kältere.

Verantwortlich für dieses Paradoxon zeigt sich der sogenannte
"Mpemba-Effekt". Bereits Aristoteles hatte seinerzeit Bekanntschaft
mit diesem Phänomen gemacht. Auch den Philosophen und
Wissenschaftlern Bacon und Descartes "lief" dieser Effekt über den
Weg, einen wirklichen Reim darauf konnten sie sich allerdings nicht
machen und so geriet diese wissenschaftliche Frage mehr oder weniger
wieder in Vergessenheit. Erst 1963 entdeckte Erasto B. Mpemba aus
Tansania (damals noch Schüler) bei dem Versuch, Speiseeis
herzustellen, diesen schließlich nach ihm benannten Effekt wieder.

Zum Vergrößern bitte klicken


Bis heute sind sich die Wissenschaftler uneinig über die genaue
Ursache des Mpemba-Effekts, was sich in zahlreichen Theorien über
diesen Sachverhalt widerspiegelt. Die wohl derzeit stärkste Theorie
sieht als Hauptgrund die Verdunstung. Diese ist bei heißem Wasser
stärker als bei kaltem, da dem heißen Wasser grob gesagt mehr Energie
für die Verdunstung zur Verfügung steht als dem kalten. Bei gleicher
Ausgangsmenge und Umgebungstemperatur (logischerweise unter 0 Grad)
ist also bei Erreichen des Gefrierpunkts die Menge des ursprünglich
heißen Wassers kleiner als die des nicht erhitzten Wassers. Da eine
geringere Wassermenge weniger Wärme speichern kann als eine größere
Wassermenge, gefriert diese geringere Menge auch schneller als die
vergleichsweise größere und ursprünglich kältere.

Eine weitere Theorie besagt, dass im Wasser gelöste Salze dafür
verantwortlich sind. Beginnt Wasser zu gefrieren, erhöht sich der
Salzgehalt der noch flüssigen Wassermenge, wodurch der Gefrierpunkt
des Wassers gesenkt wird (ähnlich wie beim Salzen der Straßen im
Winter). Bei heißem Wasser fallen die Salze dagegen aus, d.h. sie
setzen sich ab und verlieren dadurch ihren hinderlichen Einfluss auf
den Gefrierprozess.

Weitgehend einig sind sich die Wissenschaftler hingegen, dass das
Eintreten des Mpemba-Effekts stark von der verwendeten Menge,
Oberfläche, Tiefe sowie der ursprünglichen Temperatur des Wassers und
der Umgebungstemperatur abhängt.

Einen sinnvollen, praktischen Nutzen des Mpemba-Effekts sieht der
Großteil der Wissenschaftler übrigens nicht. Auch nicht bei der
Speiseeisproduktion. Bei den momentanen Temperaturen in Deutschland
dürften aber eh nur die wenigsten an ein leckeres Eis denken.




© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

07.06. - Die Wettervorhersage für den D-Day

06.06. - Eine Nebelnacht im Juni

05.06. - Aprilwetter im Juni

04.06. - Abwechslungsreiches Wetter für einen bunten CSD am Samstag in Dresden

03.06. - Deutschlandwetter im Frühjahr 2026

02.06. - Deutschlandwetter im Mai 2026

01.06. - Tief NESRIN - der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn

29.05. - Trockene und feuchte Luftmassen

28.05. - Erste große Gewitterlage 2026?

27.05. - In 16000 m Höhe

26.05. - Was ist eine „Heat Dome“?

25.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

24.05. - Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!

23.05. - Des einen Freud…

22.05. - Hoch "Zeno" sorgt für niedrigen Meeresspiegel?!

21.05. - Weichenstellung auf Sommerwetter!

20.05. - Bisher abwechslungsreicher Mai

19.05. - Tag der Diversität

18.05. - Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität

17.05. - Blick nach vorne - Sommerwetter?

16.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

15.05. - König Fußball und das Wetter

14.05. - Kühles "Aprilwetter" an den Eisheiligen

13.05. - Wo ist der Polarjet hin?

12.05. - Der Geruch von Regen

11.05. - Turbulente und kühle Maitage

10.05. - Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

09.05. - Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

08.05. - Warmes Wochenende, kühler Wochenstart

07.05. - Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?