10. November 2014 | Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Mal Sonne, mal Wolken ...
So oder ähnlich klingen heute Wetterberichte, die ja eigentlich Wettervorhersagen sind. Dass dieser Vorhersagetext nicht allzu präzise ist, wird jedem einleuchten.
#Sonne fühlen? Da musste man heute früh schon über sich hinauswachsen - immer weiter nach oben, durch #Nebel, #Wolken pic.twitter.com/7MzVHvynZq
— DWD (@DWD_presse) 10. November 2014
Es könnte zum Beispiel sein, dass sich sonnige und wolkige Perioden
abwechseln.
So kann aber auch ein typischer Sommertag beschrieben werden, der
wolkenlos beginnt, ab Mittag einige (harmlose) Haufenwolken zu bieten
hat, die sich gegen Abend wieder auflösen.
Möglich wäre aber auch ein gänzlich bedeckter Himmel, der ab und an
einige Wolkenlücken aufweist.
Wir sehen also, es ginge durchaus präziser und bis vor ein Paar
Dutzend Jahren waren die Wettervorhersagen in der Tat in Bezug auf
die Begriffsbildung deutlich präziser, wenn auch von der Vorhersage
her sicher nicht genauer.
Damals hatten die Fernseh- und Rundfunkanstalten noch vertragsgemäß
genau den Wortlaut wiederzugeben, den sie vom Deutschen Wetterdienst
(DWD) erhalten hatten.
Und beim DWD gab es genaue Definitionen zu jedem verwendeten Begriff.
Um diese zu interpretieren, muss man wissen, dass aus technischen
Gründen früher nur eine Ziffer zur Weitergabe des Bedeckungsgrades
zur Verfügung stand.
Daher beschreiben die Wetterbeobachter die Himmelbedeckung in
Achteln, sodass sie die Zahlen 0 bis 8 verbrauchen, die 9 steht für
wegen Nebels nicht erkennbarem Himmel.
0 Achtel hat ein absolut wolkenloser Himmel, 8 Achtel ein Himmel, bei
dem keine Lücke mehr in den Wolken zu finden ist, die den blauen
Tageshimmel oder das nächtliche Weltall erkennen lässt.
Bei 1 Achtel gibt es irgendein Wölkchen und sei es ein etwas älterer
Kondensstreifen.
Bei 7 Achteln gibt es eine Lücke zwischen den Wolken, und sei noch so
klein.
Und das, was dazwischen liegt, also 2 bis 6 Achtel, wird vom
Beobachter abgeschätzt. Das führt insbesondere bei sich auftürmenden
Haufenwolken zu großen Fehlermöglichkeiten bei der Beobachtung.
Kommen wir nun zu den Begriffen:
Wolkenlos = 0 Achtel
Heiter = Beliebige Menge von Schleierwolken. Maximal 1 Achtel tiefer
liegende Wolken.
Leicht bewölkt = Beliebige Menge von Schleierwolken. 2 oder 3 Achtel
tiefer liegende Wolken.
Sonnig = beliebig viele Schleierwolken, aber maximal 4 Achtel, also
der halbe Himmel verdeckt durch tiefer liegende Wolken.
Wolkig = 5 oder 6 Achtel Himmelsbedeckung
Stark bewölkt = 7 Achtel
Bedeckt = 8 Achtel
Und bei wechselnder Bewölkung haben wir üblicherweise einen Wechsel
zwischen wolkigem und stark bewölktem Himmelsanblick.
Und was lernen wir daraus?
Die Wettervorhersage: "Morgen ist es bewölkt" ist eigentlich wertlos,
denn man weiß dann nicht, ob es leicht (2,3 Achtel), stark (7 Achtel)
oder wechselnd bewölkt sein wird.
Aber das ist wohl kein wirkliches Problem. Der zuständige
Wetterprophet hat vermutlich aus dem Bauch heraus sowieso "bedeckt"
gemeint.
© Deutscher Wetterdienst
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