23. August 2014 |
Der Funtensee - ein besonderer Ort
Wenn man sich mit jemandem über das Berchtesgadener Land unterhält, dauert es vermutlich nicht lange, bis eines der Worte "Watzmann" oder "Königssee" fällt. Nur wenige werden mit dieser Region wohl den Funtensee in Verbindung bringen.
Nicht, weil es sich nicht lohnen würde, über ihn zu sprechen, sondern wohl hauptsächlich deshalb, weil er recht unbekannt ist. Daher werden sich nun einige fragen, wo denn dieser See genau liegt und was an ihm so speziell ist, dass er sogar im "Thema des Tages" einen Platz findet.
Die erste Frage ist leicht zu beantworten: Der Funtensee befindet
sich wie bereits erwähnt im Berchtesgadener Land, also im äußersten
Südosten Bayerns. Genauer gesagt, liegt er ganz im Süden des
Nationalparks Berchtesgaden in den Berchtesgadener Alpen, auf einer
Höhe von 1601 m über Meeresniveau am Rande des Steinernen Meeres.
Doch was ist das Besondere am Funtensee? Vielleicht die Größe? Mit
einer Länge von 270 m und einer Breite von 130 m ist er von der
Oberfläche her gut 150 mal kleiner als der benachbarte Königssee.
Mehr als ein müdes "Aha" dürfte das allerdings nur wenigen entlocken.
Auch seine Tiefe von bis zu 5,5 m wird wohl nicht allzu viel
Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Nein, das Erwähnenswerte hat (natürlich) einen meteorologischen
Hintergrund. Am 24.12.2001 wurden am Funtensee -45,9 Grad gemessen
und damit die bisher tiefste Temperatur in Deutschland. Doch wie ist
eine solch niedrige Temperatur zu erklären?
Der Grund dafür liegt in der außergewöhnlichen Lage des Funtensees.
Um ihn herum ragen Berge von zum Teil über 2000 m über Meeresniveau
in die Höhe, die ihn praktisch einkesseln. Nachts kühlt sich die über
diesen Bergen befindliche Luft stärker ab als die über der
Funtensee-Ebene. Kalte Luft hat eine höhere Dichte als wärmere Luft
und ist damit schwerer. In der Folge sinkt die kalte Luft die Berge
hinab in den Talkessel und sammelt sich dort. Doch das alleine reicht
noch nicht für derart extrem niedrige Temperaturwerte. Wolkenloser
Himmel sowie nur geringe Windgeschwindigkeiten sind nötig, damit der
Boden ungehindert Wärme in Form von langwelliger Strahlung in den
Weltraum abgeben und die bodennahe Luft sehr stark abkühlen kann.
Liegt dann, wie dort im Winter üblich, noch zusätzlich eine
Schneedecke, ist die bodennahe Abkühlung der Luft noch stärker.
Zusammenfassend kann man also in einer windstillen und sternklaren
Winternacht am Funtensee davon ausgehen, dass es sehr sehr kalt wird.
Der See an sich hat im Winter übrigens keinen wärmenden Einfluss auf
die Umgebungsluft, wie man es beispielsweise von der Nordsee kennt,
da er dann stets gefroren und mit Schnee bedeckt ist.
Die "Kaltluftproduktion" am Funtensee findet natürlich nicht nur im
Winter statt, sondern sorgt auch in den anderen Jahreszeiten für
recht niedrige Temperaturen. Das lässt die Natur um den See herum
nicht unberührt, sondern macht sich vor allem in der für das
Funtensee-Gebiet charakteristischen doppelten Baumgrenze bemerkbar.
Allgemein bekannt ist, dass ab einer bestimmten Höhe die klimatischen
Verhältnisse ein Wachsen von Bäumen nicht mehr zulassen. Auch beim
Funtensee ist das so, allerdings existiert neben dieser oberen
Baumgrenze auch eine untere, da die Temperatur zwischen etwa 60 Meter
über Funtensee-Niveau und dem Funtensee selbst im Mittel zu niedrig
ist, als dass Bäume dort eine Überlebenschance hätten.
Da haben es die Wälder im restlichen Deutschland doch etwas besser,
auch wenn dort die Temperaturen auch in den kommenden Tagen eher zum
Herbst als zum Sommer passen.
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.08.2014
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Bild: © Der Schröder - Fotolia.com
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