09:37 MESZ | 21.10.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
17. Mai 2018 |

Tornados - eine Schneise der Verwüstung

Tornados - eine Schneise der Verwüstung

Datum 17.05.2018

Tornados können massive Schäden hervorrufen und das Leben von Menschen gefährden. Wie sie entstehen und viele weitere Informationen gibt es im neuen Thema des Tages vom heutigen Donnerstag.

Am gestrigen Mittwochabend hinterließ ein Tornado im Raum Viersen am Niederrhein eine Schneise der Verwüstung. Medienberichten zufolge sind dabei auch zwei Menschen verletzt worden, einer davon schwer.



Tornados kommen in den allermeisten Fällen im Zusammenhang mit speziellen Gewittern, den sogenannten Superzellen, vor (sogenannte Typ-I-Tornados). Kennzeichen einer Superzelle ist, dass sich die Gewitterwolken um ihre eigene (vertikale) Achse drehen bzw. rotieren.

Gewitter selber entstehen, wenn feuchtwarme Luft in tiefen Luftschichten, möglichst kalte Luft in höheren Luftschichten und ein Antrieb zur Hebung der Luft vom Boden ausgehend vorhanden sind. Einen solchen Antrieb könnte beispielsweise die Sonneneinstrahlung liefern, die die bodennahe Luft erwärmt. Diese beginnt dann aufzusteigen, da durch die Erwärmung die Dichte abnimmt, sie also leichter ist als ihre Umgebungsluft und damit Auftrieb erhält. Irgendwann bilden sich beim weiteren Aufsteigen der Luft durch Kondensation Wolken, die zu Gewittertürmen heranwachsen, wenn die Bedingungen günstig sind. Neben der Sonneneinstrahlung kann auch Hebung an Gebirgen oder an Fronten die Gewitterbildung begünstigen.

Damit aus dem Gewitter nun eine rotierende Superzelle wird, muss noch eine weitere Zutat dazukommen. So sollte mindestens bis etwa in 5 oder 6 km Höhe vertikale Windscherung vorhanden sein, d.h. der Wind sollte mit der Höhe zunehmen und seine Richtung ändern. Das versetzt die Gewitterwolke in eine Drehbewegung. Für den Tornado sollte zudem auch die Wolkenbasis, also die Wolkenunterkante, niedrig sein.

Durch aufsteigende Luft in der Superzelle wird die Drehbewegung in der Wolke durch den Pirouetten-Effekt immer schneller und irgendwann kann sich an der Unterseite ein rotierender Wolkenschlauch bilden. Dieser Schlauch, im Meteorologen-Jargon auch "Rüssel" genannt, wird in den meisten Fällen durch Wasserdampf sichtbar. Er wächst bei entsprechenden Bedingungen immer weiter nach unten, bis er den Boden berührt. Erst bei Bodenkontakt wird er als Tornado bezeichnet, andernfalls als "Funnel" oder "Funnel Cloud".

Höchstens 10% aller Superzellen erzeugen einen Tornado. Tornados sind jedoch auch ohne Superzellen bzw. Gewitter möglich (Typ-II-Tornados). Ist der Auftrieb in den untersten Schichten hoch, beispielsweise an Konvergenzlinien, können sie unterhalb von normalen Schauer- oder Gewitterwolken vorkommen. Allerdings sind sie dann meist schwächer.

Zur Einordnung der Stärke eines Tornados wird die sogenannte Fujita-Skala herangezogen, die 13 Stufen von F0 bis F12 umfasst und sich an der Windgeschwindigkeit und den Schäden orientiert. Bisher traten maximal aber F5-Tornados auf (1% aller Tornadofälle), die mit Windgeschwindigkeiten von über 500 km/h allerdings mächtige Schäden hervorrufen.

In den Medien werden häufig noch andere Bezeichnungen für einen Tornado verwendet. So ist eine "Windhose" nichts anderes als ein Tornado über Land und eine "Wasserhose" ein Tornado über dem Wasser. Darüber hinaus sind noch die Begriffe "Großtrombe" und "Twister" (aus dem englischen Sprachraum) bekannt. "Staubteufel" oder "Kleintromben" hingegen sind keine Tornados.

In Deutschland werden etwa 20 bis 60 Tornados im Jahr nachgewiesen. Sie haben eine Ausdehnung von wenigen bis einigen hundert Metern und überleben nur wenige Sekunden bis im günstigsten Fall etwas mehr als eine Stunde. Ihre Zuggeschwindigkeit kann von fast stationär bis zu 50 km/h reichen, wobei die Spur meist linear mit kleinen Abweichungen ist. Hauptzeit für Tornados ist das Frühjahr und der Sommer.

Tornados der Stärke F5 sind dabei auch in Deutschland möglich (oder vielleicht sogar schon vorgekommen). Hierzulande sind sie aber seltener als z.B. in den USA, wo es vor allem im Frühjahr deutlich bessere Voraussetzungen gibt (noch sehr kalte Luft aus dem Norden kann ungehindert auf schon sehr warme Luft aus dem Süden treffen).

Aufgrund von Bild- und Videomaterial kann man beim gestrigen Ereignis eindeutig von einem Tornado ausgehen. Welcher Stärke er zugeordnet werden kann, müssen nun Untersuchungen zeigen. Die Messung der Windgeschwindigkeit eines Tornados stellt dabei meist das größere Problem dar.

Informationen zum Thema Tornados finden Sie auch in einem Erklärvideo aus dem DWD TV-Studio: youtu.be/qMAzmRlbO8w

Dipl.-Met. **

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 17.05.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

20.10. - Kulinarisches im Herbst

19.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

18.10. - Mission impossible

17.10. - Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

16.10. - Es grünt so grün

15.10. - Kaltfront in Lauerstellung

14.10. - Verifikation von Wettermodellen - Teil 2

13.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2

12.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1

11.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2

03.10. - Navier-Stokes - ein (un)lösbares Problem?

02.10. - Deutschlandwetter im September 2026

01.10. - Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

30.09. - Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!

29.09. - Kunterbuntes zum Monatswechsel

28.09. - Halos - optische Erscheinungen am Himmel

27.09. - Tag der Flüsse

26.09. - Ungewöhnlicher warmer Altweibersommer

25.09. - Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst