Ăber die Problematik des Flugverkehrs im Rahmen der Klimatologie/KlimaĂ€nderung haben wir Bereits am 18.02.2018 berichtet. Die heute besprochenen eher kurzfristigen Auswirkungen sind im Wesentlichen Ausscheidungen der Flugzeuge und der von Ihnen verursachte Schalldruck, der allgemein als FluggerĂ€usch bzw. FluglĂ€rm bezeichnet wird. (Wenn wir etwas hören, dann geschieht das durch Ănderung des Luftdrucks, der vom Ohr und Gehirn in das zugehörige GerĂ€usch "ĂŒbersetzt" wird. Dabei ist folgendes zu beachten: Das Gehör ist kein SchalldruckmessgerĂ€t, mit dem normalerweise der Schalldruck bzw. die LautstĂ€rke gemessen wird. Interessierte Kreise versuchen uns nĂ€mlich immer wieder weiĂ zu machen, dass halber Schalldruck (-3 dB (Dezibel) den Höreindruck des LĂ€rms halbiert. TatsĂ€chlich brauchen wir eine Reduzierung des Schalldruckes um etwa 90% (ca. 10 dB), um ein GerĂ€usch halb so laut wahrzunehmen.)
Wovon hÀngt der örtlich gemessene Schalldruck ab? Drastisch gerÀuschreduzierend wirken logischerweise Starkschneefall und Eisregen, bei denen der Flugverkehr weitgehend eingestellt wird.
AtmosphĂ€rischer Zustand: Die AtmosphĂ€re selbst verringert auch den den Boden erreichenden Schalldruck. Die DĂ€mpfung durch die AtmosphĂ€re ist in einer "fĂŒrchterlich" komplexen Gemengelage abhĂ€ngig von Temperatur, relativer Feuchte und der Frequenz (SchwingungshĂ€ufigkeit) der Schallemissionen. Dieser DĂ€mpfungsfaktor kann sich bei 500Hz je nach Temperatur und Feuchte um den Faktor 3 Ă€ndern. Empirisch wird oft die Luftmasse nach Kaltfronten als lĂ€rmfreundlich empfunden.
Windrichtung: Wenn der Wind von der Schallquelle auf uns zu weht, ist es allgemein deutlich lauter als wenn er von uns zur Schallquelle weht. Das scheint trivial, aber der gröĂte Effekt kommt nicht durch die Windrichtung selbst, sondern durch den mit der Höhe zunehmenden Wind, der einen Effekt Ă€hnlich eines Echos hat. Die An- und Abflugrouten Ă€ndern sich in AbhĂ€ngigkeit von der Windrichtung und damit auch die Schalldruckverteilung in der Flughafenumgebung, denn Flugzeuge starten und landen ĂŒberwiegend gegen den Wind.
Turbulenz: Starke Turbulenz in FlugplatznĂ€he, also im Regelfall Gewitterwolken, fĂŒhren bei deren Umfliegung zur örtlichen Verlagerung des GerĂ€uschpegels. Kann das Gewitter nicht umflogen werden, weil es genau ĂŒber Start und/oder Landebahn steht, gibt es bei den dann zwingenden Umleitungen im Anflug örtliche, sonst im Allgemeinen zeitliche Verlagerungen des GerĂ€uschpegels. Inversionen: Bei einer Inversion nimmt die Temperatur mit der Höhe höher zu und nicht wie ĂŒblich ab. Dann bildet sich an deren Obergrenze ein "GerĂ€uschspiegel" aus, der die Schallwellen Richtung Erdboden zurĂŒckwirft. Da es bei Inversionen meist windstill ist, gibt es eine Kreisscheibe um den Flugplatz, in der BodenlĂ€rm nur bei diesen Inversionen wahrgenommen wird. Das Ă€ndert sich zumindest im Sommerhalbjahr im Laufe des Tages, wenn die Inversion durch Sonneneinstrahlung wieder aufgelöst wird.
Druckschwankungen spielen auch bei Wirbelschleppen eine Rolle. Sie werden durch das Zusammenlaufen des Unterdruckes und Ăberdruckes an den FlĂŒgelspitzen verursacht und deren IntensitĂ€t steigt folglich mit der GröĂe des Flugzeuges. Sie fĂŒhren zum einem zu einem Mindestabstand nachfolgender Flugzeuge, insbesondere, wenn sie relativ klein sind. Zum anderen können die Wirbel, da sie durch die Gravitation nach unten sinken, statt Kleinflugzeugen auch Dachziegel verwirbeln. Das soll allerdings nach Gutachten nur einmal in Zehnmillionen Jahren passieren, also ein sehr seltenes Ereignis sein. Die Problematik von bodennahen Auswirkungen der Abgase und sonstiger flugbedingter Ausscheidungen ist noch wenig erforscht, zudem werden die Ergebnisse je nach Interessenlage anders interpretiert. Ob zum Beispiel der fĂŒr Menschen giftige Flugtreibstoff Kerosin, der von Flugzeugen in Problemsituationen gezielt in die AtmosphĂ€re eingebracht (abgelassen) wird, klimarelevant ist, ist noch nicht geklĂ€rt. Bis heute gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse, ob das Kerosin eher vollstĂ€ndig und klimawirksam verdunstet oder eher bis zur ErdoberflĂ€che gelangt. Im Jahr 2017 waren das allein ĂŒber Deutschland 580 Tonnen.
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 30.03.2018
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