10:14 MESZ | 21.10.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
13. November 2017 |

Mehr Herzinfarkte in der kalten Jahreszeit

Mehr Herzinfarkte in der kalten Jahreszeit

Datum 13.11.2017

Häufig hört man von medizinischen Studien, dass eine ungesunde Lebensweise, Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes das Risiko für einen Herzinfarkt drastisch erhöht. Eine schwedische Studie fand nun heraus, dass auch die Jahreszeit dabei eine Rolle spielt.

Laut des Statistischen Bundesamtes lag als Hauptursache aller Todesfälle im Jahr 2015 in Deutschland eine Herz-Kreislauferkrankung vor. Darunter waren alleine 5,5% der Sterbefälle auf einen akuten Myokardinfarkt, also einen Herzinfarkt, zurückzuführen. In der Regel kommt es dabei zum Verschluss eines Herzkranzgefäßes, wodurch Teile des Herzmuskels unzureichend oder gar nicht mehr mit Blut und somit auch nicht mit Sauerstoff versorgt werden. Wird der Blutfluss dann nicht innerhalb kürzester Zeit wiederhergestellt, sterben die Muskelzellen ab. Dies nennt man dann einen Herzinfarkt.


Zum Vergrößern bitte klicken


In einer Studie untersuchten Forscher der Lund Universität in Schweden über einen Zeitraum von 16 Jahren den Zusammenhang zwischen dem Auftritt eines Herzinfarktes in Schweden und den dabei vorherrschenden Wetterbedingungen. Entsprechend wurden die Wetterparameter Temperatur, Sonnenscheindauer, Niederschlag und Luftdruck von hunderten Wetterstationen des Schwedischen Meteorologischen und Hydrologischen Instituts (kurz SMHI) ausgewertet, die zum Zeitpunkt der über 280000 untersuchten Herzinfarkte vorherrschten.

Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass Herzinfarkte an Tagen mit einer Durchschnittstemperatur von unter 0 Grad Celsius häufiger auftreten, als dies an Tagen mit einer Durchschnittstemperatur von über 10 Grad der Fall ist. Außerdem konnte auch ein höheres Herzinfarkt-Risiko an Tagen mit hohen Windgeschwindigkeiten, geringer Sonnenscheindauer sowie einer hohen Luftfeuchte beobachtet werden. Die Auswertungen bestätigten sich sowohl über verschiedene Patienten- und Altersgruppen hinweg als auch in den unterschiedlichsten Regionen Schwedens. Damit deuten die Forschungsergebnisse einen bereits häufiger beobachteten Saisoneffekt mit einem Maximum dieser Erkrankungen im Winter hin, welcher auch in Deutschland zu finden ist.

Grundsätzlich reagiert unser Körper auf Kälte, indem sich unsere Blutgefäße zusammenziehen. Dadurch wird der Wärmefluss in unserer Haut gehemmt und der Blutdruck in den Blutgefäßen gesteigert. Als weitere Reaktionen auf Kälte wird das Blut dickflüssiger, unser Körper zeigt ein Zittern und erhöht den Puls, um die Körpertemperatur wieder anzuheben. "Ein Großteil der gesunden Menschen haben kein Problem mit diesem Mechanismus", so Dr. Moman Mohammad, der Erstautor der Studie, die im wissenschaftlichen Magazin der Europäischen Fachgesellschaft der Kardiologen (European Society of Cardiology) veröffentlicht wurde. Bei Menschen mit entzündlichen Veränderungen in den Herzkranzgefäßen könne dies allerdings einen Herzinfarkt auslösen. Betroffen sind also hauptsächlich Menschen, die bereits an einer Erkrankung der Blutgefäße leiden.

Allerdings können auch weitere Faktoren zu einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko beitragen, die in dieser Studie nicht berücksichtigt wurden. Darunter fallen beispielsweise Infektionen der Atemwege oder grippale Infekte, die als Risikofaktoren bekannt sind und in der kälteren Zeit des Jahres vermehrt auftreten. Außerdem führt Mohammad die jahreszeitlich bedingte Änderung unserer Gewohnheiten an, die unsere Gesundheit unter Umständen negativ beeinflussen. Denn in den trüben und kalten Jahreszeiten bewegen sich viele von uns weniger. Zudem steht Weihnachten vor der Tür und unsere Ernährung wird zucker- und fetthaltiger.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.11.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

20.10. - Kulinarisches im Herbst

19.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

18.10. - Mission impossible

17.10. - Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

16.10. - Es grünt so grün

15.10. - Kaltfront in Lauerstellung

14.10. - Verifikation von Wettermodellen - Teil 2

13.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2

12.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1

11.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2

03.10. - Navier-Stokes - ein (un)lösbares Problem?

02.10. - Deutschlandwetter im September 2026

01.10. - Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

30.09. - Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!

29.09. - Kunterbuntes zum Monatswechsel

28.09. - Halos - optische Erscheinungen am Himmel

27.09. - Tag der Flüsse

26.09. - Ungewöhnlicher warmer Altweibersommer

25.09. - Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst