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13. November 2017 | MSc.-Met. Sebastian Schappert

Mehr Herzinfarkte in der kalten Jahreszeit

Mehr Herzinfarkte in der kalten Jahreszeit

Datum 13.11.2017

Häufig hört man von medizinischen Studien, dass eine ungesunde Lebensweise, Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes das Risiko für einen Herzinfarkt drastisch erhöht. Eine schwedische Studie fand nun heraus, dass auch die Jahreszeit dabei eine Rolle spielt.

Laut des Statistischen Bundesamtes lag als Hauptursache aller Todesfälle im Jahr 2015 in Deutschland eine Herz-Kreislauferkrankung vor. Darunter waren alleine 5,5% der Sterbefälle auf einen akuten Myokardinfarkt, also einen Herzinfarkt, zurückzuführen. In der Regel kommt es dabei zum Verschluss eines Herzkranzgefäßes, wodurch Teile des Herzmuskels unzureichend oder gar nicht mehr mit Blut und somit auch nicht mit Sauerstoff versorgt werden. Wird der Blutfluss dann nicht innerhalb kürzester Zeit wiederhergestellt, sterben die Muskelzellen ab. Dies nennt man dann einen Herzinfarkt.


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In einer Studie untersuchten Forscher der Lund Universität in Schweden über einen Zeitraum von 16 Jahren den Zusammenhang zwischen dem Auftritt eines Herzinfarktes in Schweden und den dabei vorherrschenden Wetterbedingungen. Entsprechend wurden die Wetterparameter Temperatur, Sonnenscheindauer, Niederschlag und Luftdruck von hunderten Wetterstationen des Schwedischen Meteorologischen und Hydrologischen Instituts (kurz SMHI) ausgewertet, die zum Zeitpunkt der über 280000 untersuchten Herzinfarkte vorherrschten.

Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass Herzinfarkte an Tagen mit einer Durchschnittstemperatur von unter 0 Grad Celsius häufiger auftreten, als dies an Tagen mit einer Durchschnittstemperatur von über 10 Grad der Fall ist. Außerdem konnte auch ein höheres Herzinfarkt-Risiko an Tagen mit hohen Windgeschwindigkeiten, geringer Sonnenscheindauer sowie einer hohen Luftfeuchte beobachtet werden. Die Auswertungen bestätigten sich sowohl über verschiedene Patienten- und Altersgruppen hinweg als auch in den unterschiedlichsten Regionen Schwedens. Damit deuten die Forschungsergebnisse einen bereits häufiger beobachteten Saisoneffekt mit einem Maximum dieser Erkrankungen im Winter hin, welcher auch in Deutschland zu finden ist.

Grundsätzlich reagiert unser Körper auf Kälte, indem sich unsere Blutgefäße zusammenziehen. Dadurch wird der Wärmefluss in unserer Haut gehemmt und der Blutdruck in den Blutgefäßen gesteigert. Als weitere Reaktionen auf Kälte wird das Blut dickflüssiger, unser Körper zeigt ein Zittern und erhöht den Puls, um die Körpertemperatur wieder anzuheben. "Ein Großteil der gesunden Menschen haben kein Problem mit diesem Mechanismus", so Dr. Moman Mohammad, der Erstautor der Studie, die im wissenschaftlichen Magazin der Europäischen Fachgesellschaft der Kardiologen (European Society of Cardiology) veröffentlicht wurde. Bei Menschen mit entzündlichen Veränderungen in den Herzkranzgefäßen könne dies allerdings einen Herzinfarkt auslösen. Betroffen sind also hauptsächlich Menschen, die bereits an einer Erkrankung der Blutgefäße leiden.

Allerdings können auch weitere Faktoren zu einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko beitragen, die in dieser Studie nicht berücksichtigt wurden. Darunter fallen beispielsweise Infektionen der Atemwege oder grippale Infekte, die als Risikofaktoren bekannt sind und in der kälteren Zeit des Jahres vermehrt auftreten. Außerdem führt Mohammad die jahreszeitlich bedingte Änderung unserer Gewohnheiten an, die unsere Gesundheit unter Umständen negativ beeinflussen. Denn in den trüben und kalten Jahreszeiten bewegen sich viele von uns weniger. Zudem steht Weihnachten vor der Tür und unsere Ernährung wird zucker- und fetthaltiger.



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