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27. April 2025 | MSc.-Met. Sonja Stöckle

Blitze und die Erfindung des Blitzableiters

Blitze und die Erfindung des Blitzableiters

Datum 27.04.2025

Heranziehende dunkle Wolken, der Wind frischt auf und man hört schon das erste Donnergrollen. Bald darauf beginnt es zu regnen und dann sieht man es auch: Blitze, die den Himmel durchzucken. All das lĂ€sst sich gut durch das heimische Fenster beobachten, denn dort fĂŒhlt man sich sicher, auch dank des Blitzableiters.

Seit jeher blickten die Menschen ehrfĂŒrchtig in den Himmel, wenn Blitze zuckten und Donner grollte – und fast ĂŒberall auf der Welt glaubte man, dass dies das Werk mĂ€chtiger Götter sei. Bei den Germanen war es der furchtlose Donnergott Thor, der seinen Hammer schwang und die Funken auf die Erde schleuderte. In Griechenland war es Zeus, der wĂŒtend Feuer vom Himmel warf, bei den Römern war es der Göttervater Jupiter. Heute wissen wir es besser: Ein Blitz ist kein göttlicher Zorn, sondern eine beeindruckende Naturerscheinung – eine gigantische elektrische Entladung. Per Definition sind Blitze eine von starken Licht- und Schallerscheinung begleitete, natĂŒrliche Funkenentladung großen Ausmaßes, die bei einem Gewitter auftritt. Die Entladung erfolgt in einem Blitzkanal, der einen Durchmesser von wenigen Zentimetern hat. Der dabei fließende Strom hat eine StromstĂ€rke bis etwa 100.000 Ampere und erzeugt damit Temperaturen im Blitzkanal von ĂŒber 20.000 Grad Celsius (zum Vergleich die SonnenoberflĂ€che hat eine Temperatur von etwa 6.000 Grad Celsius).


Blitzshow, aufgenommen am 06.07.2015 von der Wetterstation Fichtelberg. (Quelle Deutscher Wetterdienst / Claudia Hinz)


Anfang des 18. Jahrhunderts begann eine aufregende Ära: Die Wissenschaft entdeckte die Macht des Experiments! WĂ€hrend manche Menschen noch fest an aberglĂ€ubische ErklĂ€rungen fĂŒr Blitze glaubten, kamen allmĂ€hlich neue, handfestere Theorien auf. Einige vermuteten, dass Blitze aus chemischen Reaktionen verschiedener Gase in der Luft entstanden. Andere wiederum waren der Wahrheit schon nĂ€her auf der Spur – sie vermuteten, dass ElektrizitĂ€t eine Rolle spielte. Mutige Forscher machten sich daran, mit naturwissenschaftlichen Experimenten dem Geheimnis der Blitze auf den Grund zu gehen.

Eine der bekanntesten Geschichten aus dieser Zeit ist die, des Drachenexperimentes von Benjamin Franklin – dem amerikanischen Schriftsteller, Wissenschaftler und Staatsmann. An einem gewitterreichen Junitag 1752 ließ Franklin gemeinsam mit seinem Sohn einen Drachen steigen, an dessen Spitze ein Eisendraht befestigt war. Als die dunklen Gewitterwolken aufbrausten und der Blitz einschlug, wurde die elektrische Ladung ĂŒber das nasse Seil bis zu einem daran befestigten SchlĂŒssel geleitet. Dort konnte Franklin die Kraft des Blitzes in einem Flaschenkondensator speichern. So sagt es zumindest die Legende. Ob das Experiment tatsĂ€chlich geglĂŒckt ist, ist bis heute umstritten, da es keinerlei Augenzeugen gab und Benjamin Franklin sich durchaus ĂŒber die GefĂ€hrlichkeit des Experiments bewusst war.


Das Drachenexperiment von Benjamin Franklin. Experimentelle Demonstration zur elektrischen Natur von Blitzen. (Quelle The Pennsylvania State University)


Auch in anderen Teilen der Welt wurde zeitgleich an Experimenten und Theorien gearbeitet, die die elektrische Natur von Blitzen beweisen sollten. Beispielsweise in Bologna, der Ă€ltesten UniversitĂ€t Europas. Dort kĂ€mpfte Laura Bassi, die erste weibliche UniversitĂ€tsprofessorin Europas, in einer Welt voller MĂ€nner um Gehör ihrer Theorien zum Thema Blitze. Bologna war zu dieser Zeit ein wahres Meer aus GeschlechtertĂŒrmen – schlanken, hohen GebĂ€uden, die stolz in den Himmel ragten. Doch genau diese TĂŒrme wurden in der gewitterreichen Region schnell zu gefĂ€hrlichen Brandfallen. Immer wieder setzten BlitzeinschlĂ€ge ganze Viertel in Flammen.

Die Theorie, dass Blitze eine elektrische Entladung von Gewitterwolken darstellen, war fĂŒr sie auch schon durch eigene Experimente bewiesen. Die Idee, die sie nun auch im Austausch mit anderen Naturwissenschaftlern verfolgte, war, den elektrischen Strom so umzuleiten, dass er keinen Schaden mehr an GebĂ€uden verursachen konnte. Gemeinsam mit ihrem Mann installierte sie im Jahre 1752 den ersten funktionierenden Blitzableiter am Turm der Akademie. Ob dieser wirklich die Stadt vor BlitzschĂ€den schĂŒtzen konnte, konnte nicht lange unter Beweis gestellt werden. Leider musste der Blitzableiter aufgrund von Protesten der noch aberglĂ€ubischen Stadtbevölkerung schon bald wieder abgebaut werden.


Prinzipieller Aufbau eines Blitzableiters an einem GebÀude. (Quelle Commons-Wikimedia-Org.)


Der Siegeszug des Blitzableiters konnte aber nicht mehr aufgehalten werden. In Deutschland wurde der erste Blitzableiter auf der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi im Jahr 1769 installiert. Bald darauf wurde auch an vielen anderen Orten in Deutschland wie beispielsweise auf KirchtĂŒrmen und Schlössern Blitzableiter angebracht. Bis heute findet man auf hohen GebĂ€uden Blitzableiter, die zwar technisch angepasst, aber immer noch nach dem gleichen Prinzip dem GebĂ€udeschutz dienen. Trotzdem sind BlitzschĂ€den auch heute keine Seltenheit. Besonders die empfindliche Technik in modernen GebĂ€uden sorgt dafĂŒr, dass BlitzeinschlĂ€ge oft teure Folgen haben. Ein Blick auf die Zahlen zeigt das deutlich: Im Jahr 2023 registrierten Versicherer in Deutschland rund 220.000 Blitz- und ÜberspannungsschĂ€den – und zahlten dafĂŒr stolze 330 Millionen Euro an EntschĂ€digung aus.

Als menschlicher Blitzableiter gilt Roy C. Sullivan, ein ehemaliger Parkaufseher aus den USA. Er wurde in seinem Leben unglaubliche sieben Mal vom Blitz getroffen und hat alle ĂŒberlebt. Riskieren sollte man einen Blitzschlag aber auf keinen Fall. Die Sterblichkeitsrate liegt SchĂ€tzungen zu Folge bei etwa 30 Prozent. In Deutschland sterben etwa vier Menschen pro Jahr durch Blitzschlag. Daher ist es wichtig zu wissen, wie man sich am besten verhĂ€lt, wenn man von einem Gewitter ĂŒberrascht wird. Schutz bieten feste GebĂ€ude oder das Auto. Wenn man im offenen GelĂ€nde unterwegs ist, sollte man sich möglichst von großen BĂ€umen fernhalten, die FĂŒĂŸe ganz eng zusammenstellen und sich möglichst klein machen. Auf keinen Fall sollte man sich auf den Boden legen. Je grĂ¶ĂŸer die FlĂ€che mit Bodenkontakt ist, umso grĂ¶ĂŸer können die Spannungsunterschiede im Körper werden.

FĂŒr die kommenden Tage ist deutschlandweit kaum mit Blitzen und Gewittern zu rechnen. Nur an den Alpen und im SĂŒdschwarzwald sind im Tagesverlauf einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Ansonsten ist es sehr sonnig und trocken.



© Deutscher Wetterdienst

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