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12. Mai 2025 |

Was haben Eichenprozessionsspinner mit dem DWD zu tun?

Was haben Eichenprozessionsspinner mit dem DWD zu tun?

Datum 12.05.2025

Auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes gibt es nicht nur Informationen über Wetter und Klima, sondern auch eine Vielzahl abgeleiteter Indizes für verschiedene Nutzergruppen. Seit Anfang April 2025 befindet sich darunter auch eine Web-Applikation zum Gefährdungspotenzial durch den Eichenprozessionsspinner.

Eines der Kerngeschäfte des Deutschen Wetterdienstes ist die Warnung der Bevölkerung vor wetterbedingten Gefahren in Form von amtlichen Wetterwarnungen. Neben diesen Warnungen wird für die unterschiedlichsten Nutzergruppen eine Vielzahl an Indizes erstellt, von denen manche sicher bekannter sind als andere. So spielen insbesondere im Sommerhalbjahr der UV-Index und der Thermische Gefahrenindex eine wesentliche Rolle für die Allgemeinheit und sollen entsprechende Anpassungen im Umgang mit potenziell erhöhter und damit gefährlicher Sonnenstrahlung und Hitze ermöglichen. Bekannt ist vielleicht auch der sogenannte Waldbrandgefahrenindex, der das Waldbrandpotenzial beschreibt. Nicht zu verwechseln ist dieser mit der von Landesbehörden ausgerufenen Waldbrandstufe. Weitere Spezialinformationen, Portale und Indizes existieren unter anderem für die Energiewirtschaft, den Gesundheitssektor, die Luft- und Schifffahrt sowie den Katastrophenschutz und sind unter folgendem Link erreichbar: www.dwd.de/DE/fachnutzer/fachnutzer_node.html. Eines der größeren Themenfelder betrifft die Land- und Forstwirtschaft. Für diese sogenannten agrarmeteorologischen Anwendungen werden zahlreiche, teils auch saisonal relevante Gefahrenhinweise veröffentlicht, z.B. der sogenannten Bodenfeuchteviewer oder Indizes zur Bodenfrost- oder Waldbrandgefahr, der Graslandfeuerindex oder auch eine Übersicht zur Gefahr von Hitzestress bei Geflügel für einige Tage im Voraus.

In diesem Themenkomplex der land- und forstwirtschaftlichen Fachnutzer wird nun seit Anfang April 2025 auch ein Tool zum Thema Eichenprozessionsspinner veröffentlicht. Es beinhaltet die tagesaktuelle Abschätzung und die Prognose der Gefahren durch den Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.) sowohl für die Eichenvitalität als auch für die Gesundheit von Mensch und Tier. Die kostenfreie, öffentlich zugängliche Web-Applikation liefert flächendeckend Informationen zum Eichenaustrieb und zur Entwicklung des Eichenprozessionsspinners und unterstützt so das Monitoring für die Gefahrenabschätzung und die Planung von regulierenden Gegenmaßnahmen. Das von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) sowie der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) gemeinsam entwickelte und vom Deutschen Wetterdienst (DWD) gehostete Online-Frühwarnsystem "PHENTHAUproc - Phänologiemodellierung von Thaumetopoea processionea" berechnet modellhaft anhand temperaturbasierter Verfahren tagesaktuell und mit einer Prognose bis sieben Tage im Voraus die phänologische Entwicklung des Eichenprozessionsspinners und seiner Wirtsbaumart, der Stieleiche (Quercus robur L.).

Deutschlandkarte zu Entwicklungsstadien (verschiedene Larvenstadien, Puppe, Falter) des Eichenprozessionsspinners vom 11.05.2025 (Quelle DWD)


Anwendung kann das Tool sowohl im Pflanzenschutz als auch im Gesundheitsschutz für Mensch und Tier finden. Verfügbar ist eine Gefährdungskarte für ganz Deutschland in einer räumlichen Auflösung von 1x1 km-Pixel. Zusätzlich sind für jedes Pixel Detailinformationen abrufbar. Das kostenfreie Tool richtet sich an die Praxis in der Forstwirtschaft und Baumpflege, an Waldbesitzende, Behörden, Unternehmen, Freizeiteinrichtungen sowie an die allgemeine Öffentlichkeit. Die Modellierung der Larven- und Puppenentwicklung dient im Jahresverlauf zur Abschätzung von potenziellem Kahlfraß durch die Raupen und der steigenden Gesundheitsgefährdung durch die Brennhaare (Setae) der Larven und gibt somit Anhaltspunkte, wann zeitlich treffend präventive oder mechanische Regulierungsmaßnahmen sinnvoll einsetzbar sind.

Der Hintergrund bzw. die Notwendigkeit eines solchen Tools ergibt sich daraus, dass das Auftreten des Eichenprozessionsspinners in Mitteleuropa seit Anfang der 1990er Jahre stark zugenommen hat. Infolge der Klimaänderung gilt der Eichenprozessionsspinner im Wald sowie auf mit Eichen bewachsenen Grünflächen im ländlichen und urbanen Raum als Dauerschädling mit wechselnder Populationsdichte. Infolge von Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners mit wiederholtem Kahlfraß durch die Raupen und anschließendem Befall der dadurch geschwächten Bäume mit Schadorganismen wie Prachtkäfer oder Hallimasch besteht die Gefahr, dass Eichen absterben. Die Brennhaare der Larven des Eichenprozessionsspinners bergen ernsthafte gesundheitliche Gefahren für Mensch und Tier. Sie können heftige Haut- und Atemwegsreizungen bis zum allergischen Schock verursachen.

Grafik zur Entwicklung des Eichenprozessionsspinners für Frankfurt/Main-Nord vom 11.05.2025, daraus ersichtlich: Gesundheitsgefährdung durch Brennhaare lebender Raupen seit 04.05.2025 (Quelle DWD)


Anhand der aktuellen Darstellung in der Fläche lässt sich erkennen, dass sich das Entwicklungsstadium innerhalb Deutschlands meist zwischen dem 1. und 3. Larvenstadium befindet. Schaut man neben der Flächendarstellung auf einen speziellen Ort, lassen sich anhand der dann abrufbaren grafischen und tabellarischen Darstellungen zusätzliche Informationen zu möglichen Regulierungsmöglichkeiten und zur Gesundheitsgefährdung durch die Brennhaare abrufen, die etwa im Übergang vom 2. zum 3. Larvenstadium einsetzt. Am aktuellen Beispiel ist dies vielerorts in Deutschland seit etwa Anfang Mai der Fall. Die höchste Gesundheitsgefahr durch die Brennhaare besteht im 6. Larvenstadium, kurz vor der Verpuppung.

Tabellarische Übersicht zur Entwicklung des Eichenprozessionsspinners u.a. inklusive Gefährdungen und Regulierungsmöglichkeiten für Frankfurt/Main-Nord vom 11.05.2025 (Quelle DWD)


Basis dieses Tagesthemas sind Auszüge aus der Pressemitteilung des DWD "Eichenprozessionsspinner: Frühwarnsystem jetzt online" vom 03.04.2025, die in ganzer Länge unter folgenden Link abrufbar ist: www.dwd.de/.../20250403_pm_eps_news.html


Dipl. Met. Sabine Krüger (Vorhersage- und Beratungszentrale, DWD) in Zusammenarbeit mit:

Thomas Leppelt und Rafael Posada Navia-Osorio (beide DWD, Agrarmeteorologie)
sowie den weiteren Projektpartnern Paula Halbig, Horst Delb und Lorenz Bachfischer von der FVA Baden-Württemberg und Peter Baier von Boku Wien

Deutscher Wetterdienst
Offenbach, den 12.05.2025
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