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31. Mai 2025 | Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Der Bergsturz von Blatten – Wenn die Alpen ins Rutschen geraten

Der Bergsturz von Blatten – Wenn die Alpen ins Rutschen geraten

Datum 31.05.2025

Im Lötschental (Wallis, Schweiz) stürzten vor wenigen Tagen gewaltige Mengen Geröll ins Tal. Die steigenden Temperaturen und die damit verbundenen Veränderungen im Hochgebirge erhöhen das Risiko solcher Ereignisse.

Am 28. Mai 2025 ereignete sich im Schweizer Lötschental ein dramatischer Bergsturz, der das Dorf Blatten nahezu vollständig unter Eis, Fels und Geröll begrub. Die gewaltige Masse von etwa drei Millionen Kubikmetern Material blockierte den Fluss Lonza und bildete einen aufgestauten See, wodurch nun weitere Überschwemmungen drohen.

Was führte zu diesem Ereignis?
Bereits Mitte Mai zeigten sich erste Anzeichen von Instabilität an der Flanke des "Kleinen Nesthorns". Geologen beobachteten, dass sich der Berg innerhalb weniger Tage um 17 Meter bewegte, was auf eine bevorstehende Massenbewegung hindeutete. Die Nordostflanke des Berges rutschte schließlich in mehreren Phasen auf den darunterliegenden Birchgletscher, dessen Zunge unter dem Druck abbrach und eine gewaltige Eis- und Gerölllawine auslöste.


Das obere Foto zeigt den ursprünglichen Ort Blatten, das untere Foto den Ort, begraben unter einer großen Gerölllawine. (Quelle www.pomona.ch)



Der Bergsturz von Blatten ist kein Einzelfall: In den letzten Jahren wurden vermehrt große Fels- und Bergstürze in den Alpen beobachtet, wie beispielsweise am Piz Cengalo im Jahr 2017.

Experten sehen den Klimawandel als einen entscheidenden Faktor für die zunehmende Instabilität in den Alpen. Der Permafrost, also dauerhaft gefrorenes Gestein, wirkt wie ein "Klebstoff" für die Berge. Durch steigende Temperaturen taut dieser Permafrost zunehmend auf, wodurch die Bindung im Gestein verloren geht und es zu Fels- und Bergstürzen kommen kann. Zudem führen starke Niederschläge dazu, dass sich Wasser in Felsspalten sammelt, beim Gefrieren ausdehnt und das Gestein sprengt. Auch das Abschmelzen der Gletscher trägt zur Destabilisierung bei, da sie nicht mehr als stützende Masse wirken.

Dass in Blatten keine Menschen zu Schaden kamen, ist nicht zuletzt dem funktionierenden Frühwarnsystem zu verdanken. Schon Tage vor dem Bergsturz registrierten Sensoren und visuelle Beobachtungen die zunehmende Bewegung am Hang. Die Behörden reagierten rasch: Das Dorf wurde evakuiert, Straßen gesperrt und der Zivilschutz aktiviert. Solche Präventionsmaßnahmen werden in den Alpen zunehmend wichtig - nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Österreich, Deutschland und Italien, wo ähnliche Gefahrenzonen bestehen.

Bergstürze sind aber nur ein Aspekt der wachsenden Herausforderungen im Alpenraum. Auch Murgänge, Gletschersee-Ausbrüche oder instabile Moränen nehmen zu – allesamt Prozesse, die mit steigenden Temperaturen, auftauendem Permafrost und veränderten Niederschlagsmustern zusammenhängen. Wissenschaftler arbeiten daran, solche Prozesse besser zu verstehen, zu modellieren und vorherzusagen.

Das Ereignis von Blatten zeigt eindrücklich, wie wichtig es ist, die Auswirkungen des Klimawandels ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um Mensch und Natur zu schützen. Vielleicht gelingt es uns, die Alpen nicht nur als Ort der (fragilen) Schönheit zu erhalten, sondern auch als stabilen Lebens- und Naturraum.



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