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01. Februar 2026 | M.Sc. Meteorologe Nico Bauer

Polarwirbel vor möglicher Aufspaltung – droht Mitteleuropa eine Kältephase?

Polarwirbel vor möglicher Aufspaltung – droht Mitteleuropa eine Kältephase?

Datum 01.02.2026

Der Polarwirbel schwächt sich ab und möglicherweise bahnt sich Mitte Februar sogar ein Polarwirbelsplit an. Doch welche Auswirkungen hätte dies für das Wettergeschehen hierzulande?

Derzeit wird die Großwetterlage in Mitteleuropa von einem kräftigen, nahezu stationären Hochdruckgebiet mit seinem Zentrum über Finnland bestimmt. In dessen Einflussbereich gelangt kalte, kontinentale Luft in den Nordosten Deutschlands. Gleichzeitig sorgen Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik und in der Nähe Irlands für einen Zustrom deutlich milder Luftmassen in den Südwesten des Landes. So werden am heutigen Sonntag am Oberrhein Höchstwerte um +11 Grad erreicht, während die Temperaturen im Nordosten örtlich nicht über −8 Grad hinauskommen.
Auch in den kommenden Tagen bleiben diese ausgeprägten Temperaturgegensätze bestehen. Ursache hierfür ist eine insgesamt geringe Dynamik in der Atmosphäre. Der Jetstream, der insbesondere im Winterhalbjahr die Zugbahnen von Hoch- und Tiefdruckgebieten über Europa steuert, ist derzeit weit nach Süden verlagert. Infolgedessen fehlt atlantischen Tiefdruckgebieten der nötige Antrieb, um nach Mitteleuropa vorzudringen. Stattdessen werden sie – wie bereits in den vergangenen Wochen häufig beobachtet – nach Süden in den Mittelmeerraum umgelenkt.


Analysekarte für Sonntag, den 01.02.2026 um 12 UTC. Gerade für den Nordosten des Landes bleibt das Hoch Daniel über Finnland wetterbestimmend.
Analysekarte für Sonntag, den 01.02.2026 um 12 UTC. Gerade für den Nordosten des Landes bleibt das Hoch Daniel über Finnland wetterbestimmend.



Zur zweiten Februardekade zeichnet sich nun ein weiteres meteorologisch interessantes Phänomen ab, das erheblichen Einfluss auf die Wetterentwicklung in Europa haben könnte: ein möglicher Polarwirbelsplit. Betrachtet man den zonalen Wind in der Stratosphäre auf dem 10-hPa-Niveau (rund 30 Kilometer Höhe), zeigen die Prognosen ab etwa dem 10. Februar eine deutliche Abschwächung. Einige Modelllösungen deuten im weiteren Verlauf sogar eine Umkehr der Windrichtung an. In diesem Fall würde sich der stratosphärische Polarwirbel aufspalten. Die Auswirkungen eines solchen Ereignisses machen sich in der unteren Troposphäre in der Regel erst mit einer Verzögerung von etwa ein bis zwei Wochen bemerkbar. Durch die damit verbundene Umstrukturierung der großräumigen Druckverteilung kann es in den mittleren Breiten zu Kaltluftvorstößen aus polaren Regionen kommen. In den Medien wird ein Polarwirbelsplit daher häufig mit extremen Kältewellen in Europa und Deutschland gleichgesetzt. In der Praxis ist der Zusammenhang jedoch deutlich komplexer.

Ensemblevorhersage des zonalen Windes in 30 Kilometer Höhe. Es verdichten sich die Anzeichen eines Polarwirbelsplits ab der zweiten Februardekade.
Ensemblevorhersage des zonalen Windes in 30 Kilometer Höhe. Es verdichten sich die Anzeichen eines Polarwirbelsplits ab der zweiten Februardekade.



Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass nicht jeder Polarwirbelsplit zwangsläufig eine markante Kältewelle in Mitteleuropa nach sich zieht. Entscheidend sind unter anderem die Lage, die Intensität und die Dauer der Aufspaltung. Zudem spielt die vorherrschende Wetterlage zum Zeitpunkt des Ereignisses eine wichtige Rolle für die spätere Entwicklung. Studien zeigen, dass eine bereits blockierende Zirkulation über Europa zum Zeitpunkt eines Polarwirbelsplits die Wahrscheinlichkeit für nachfolgende Kälteereignisse erhöht. Häufig etabliert sich in den Wochen danach ein blockierendes Hochdruckgebiet über Grönland, wodurch arktische Luftmassen nach Mitteleuropa vordringen können. Herrscht hingegen bereits zum Zeitpunkt des Polarwirbelsplits ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet über Grönland, bildet sich in den Folgewochen statistisch häufiger ein Trog über dem Ostatlantik aus. Auf dessen Vorderseite gelangt milde Luft nach Mitteleuropa, sodass winterliche Bedingungen im Flachland oder gar eine Kältewelle eher ausbleiben. Befindet sich Mitteleuropa zum Zeitpunkt des Ereignisses im Einflussbereich einer zyklonalen Westwetterlage, lässt sich kein statistisch signifikantes Signal ableiten. In diesen Fällen zeigen sich lediglich schwache Hinweise auf die spätere Ausbildung eines blockierenden Grönlandhochs.

Einfluss eines Polarwirbelsplitts auf das Wettergeschehen in Europa für verschiedene Wetterlagen während des Eintretens. Europa-Blocking führt am häufigsten zu Grönland-Blocking und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit für Kältewellen.
Einfluss eines Polarwirbelsplitts auf das Wettergeschehen in Europa für verschiedene Wetterlagen während des Eintretens. Europa-Blocking führt am häufigsten zu Grönland-Blocking und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit für Kältewellen.



Ein Blick auf die Mittelfristprognose zeigt, dass einige Wettermodelle zum Einsetzen des Polarwirbelsplits ein Hochdruckgebiet bei Grönland andeuten. Gleichzeitig wird aber auch ein blockierendes Hochdruckgebiet über Westrussland simuliert und eher leichte Tiefdruckaktivität über Mitteleuropa. Ein weiterer Faktor ist zudem, dass über dem eurasischen Kontinent im Vergleich zu den letzten Wintern eine ausgeprägte und weit nach Europa reichende Schneedecke liegt. Dies begünstigt eine Stabilisierung des sibirischen Kältehochs, welches als eine Barriere für vom Atlantik vordringenden Tiefdrucksystemen fungieren kann.
Insgesamt ergibt sich somit kein eindeutiges Szenario. Eine Kältewelle in Mitteleuropa ab Ende Februar liegt etwas über der statistischen Eintrittswahrscheinlichkeit zu dieser Jahreszeit, ist aber auf keinen Fall sicher. Eines ist aber sicher, an Spannung mangelt es beim Wetter in den nächsten Wochen keineswegs!



© Deutscher Wetterdienst

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